Aktualisiert 16.08.2019 15:02

FCZ-Fan schlägt Mann k. o.«Solche Attacken passieren meist grundlos»

Am Mittwochabend schlug ein FCZ-Fan einen wehrlosen Mann vor dessen Kindern k. o. Eine Sportpsychologin erklärt, was zu solchen Ausrastern führen kann.

von
juu
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Ein Familienvater wurde am Mittwochabend beim Einsteigen in einen Bus von einem FCZ-Fan attackiert und verprügelt. Er war mit zwei Kleinkindern und einem Kinderwagen unterwegs.

Ein Familienvater wurde am Mittwochabend beim Einsteigen in einen Bus von einem FCZ-Fan attackiert und verprügelt. Er war mit zwei Kleinkindern und einem Kinderwagen unterwegs.

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Der Mann musste mit schweren Kopfverletzungen notfallmässig ins Spital gebracht werden. Die Stadtpolizei Zürich hat entsprechende Ermittlungen eingeleitet.

Der Mann musste mit schweren Kopfverletzungen notfallmässig ins Spital gebracht werden. Die Stadtpolizei Zürich hat entsprechende Ermittlungen eingeleitet.

Keystone/Walter Bieri
Laut Sportpsychologin Cristina Baldasarre geschehen solche Impulshandlungen oftmals ziemlich grundlos.

Laut Sportpsychologin Cristina Baldasarre geschehen solche Impulshandlungen oftmals ziemlich grundlos.

privat

Bei der Haltestelle am Hardplatz in Zürich kam es am Mittwoch nach dem Fussballspiel des FCZ gegen den FC St. Gallen zu einer Attacke gegen einen 40-jährigen Passanten. Gegen 21.20 Uhr schlug ein Unbekannter in FCZ-Kleidung einem Familienvater vor den Augen seiner zwei Kleinkinder ins Gesicht. Der Mann wollte laut der Stadtpolizei Zürich lediglich in einen Bus einsteigen. Der Familienvater wurde durch den Faustschlag so fest verletzt, dass er regungslos neben dem Bus liegen blieb. Er musste mit schweren Kopfverletzungen ins Spital gebracht werden.

Der Unbekannte flüchtete indes mit mehreren ähnlich gekleideten jungen Männern in Richtung Hardbrücke. Die Stadtpolizei Zürich hat Ermittlungen eingeleitet. Doch was bringt einen jungen Fan dazu, nach einem Match auf einen Passanten einzuschlagen? Cristina Baldasarre, Fachpsychologin für Sportpsychologie, versucht, das Verhalten des Täters zu erklären.

Frau Baldasarre, der FCZ-Fan hat dem Familienvater unvermittelt ins Gesicht geschlagen, obwohl er nichts mit Fussball am Hut hatte. Was könnte zu so einem Ausraster geführt haben?

Das weiss nur der Täter selbst, wenn er sich überhaupt noch daran erinnern kann. Solche Impulshandlungen geschehen aus dem Moment heraus, oftmals und tragischerweise auch ziemlich grundlos.

Nach der Tat soll der Unbekannte mit mehreren ähnlich gekleideten jungen Männern geflüchtet sein. Kann Gruppendruck zu so einer Gewalttat führen?

Gruppendruck ist leider etwas sehr Mächtiges. Wir kennen in der Weltgeschichte genügend solche Beispiele. Also ja, solche sozialpsychologischen Phänomene könnten eine Rolle gespielt haben, um sich zu beweisen, mutig zu erscheinen oder einfach, weil sich die Situation so ergeben hat, Macht gegenüber den anderen zu zeigen.

Würde Drogenkonsum ein solches Verhalten erklären?

Wenn Drogen im Spiel waren und dazu noch Alkohol getrunken wurde während dem Match, wäre das eine nahe liegende Erklärung für diese schlimme Tat. Speed und Koks verändern die Wahrnehmung schon grundlegend und geben ein Allmachtsgefühl. Alkohol gibt den restlichen Kick – die Mischung kann jemanden unberechenbar und impulsiv machen. Dabei sind dessen Wahrnehmung und Sinne dermassen verzerrt, dass keine Logik mehr herrscht. Adrenalin vom Spiel und Sieg des FCZ spielen dann in die gleiche Richtung.

Ausschreitungen im Fussball-Umfeld häufen sich. Ist die Fanszene Ihrer Meinung nach aggressiver geworden?

Ganz klar. Wie so oft handelt es sich dann aber um eine kleinere Gruppierung und nicht um die grosse Fanmasse. Ich glaube, dass die Aggressivität zum einen mit dem Konsum von Suchtmitteln angestiegen ist, zum anderen aber das Problem viel tiefer liegt. Nämlich in unserer Gesellschaft überhaupt, die durch die stetige Globalisierung und die Onlinewelt langsam verlernt, echte Sozialkontakte zu pflegen. Denn im Umfeld von Likes und Followern sowie Selfies und Tweets werden diese Kernkompetenzen leider nicht gelernt.

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