Oster-Krawalle - «Solche Bilder kennen wir sonst nur aus dem Ausland»
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Oster-Krawalle«Solche Bilder kennen wir sonst nur aus dem Ausland»

Die Ausschreitungen am Freitag und insbesondere die Gewalt gegen die Beamten schockiert drei Polizei-Vertreter. Sie fordern die Jugendlichen auf, den Frust nicht an den Polizisten auszulassen.

von
Leo Hurni

Bierflaschen und Feuerwerk gegen die Polizei: die Krawallnacht im Video.

Darum gehts

  • In St. Gallen kam es erneut zu Ausschreitungen.

  • Die Polizei wurde attackiert und nahm Personen fest.

  • «Wenn man aber Molotowcocktails auf Polizisten wirft, so muss man mit harten Massnahmen und Strafen rechnen», sagt die oberste Polizistin.

«Polizei wird mit Molotowcocktails beworfen», twitterte die Stadtpolizei St. Gallen am Freitagabend. Sie musste die Bevölkerung dazu aufrufen, «keine Gewalt gegen Polizisten auszuüben und keine Sachbeschädigungen zu begehen». Zuvor war über Social Media dazu aufgerufen worden, nach St. Gallen zu kommen und miteinander zu feiern. Im Livestream von 20 Minuten distanzierten sich auch viele von Gewalt. Sie seien hergekommen, weil sie den Ausgang vermissten, sagten einige.

Dass es am Ende dennoch zu schweren Auseinandersetzungen zwischen der Polizei und Jugendlichen mit 19 Festnahmen kam, erstaunt Johanna Bundi Ryser nicht. Für die Präsidentin des Verbandes Schweizerischer Polizei-Beamter ist klar: Den «Krawallmachern» sei es nur darum gegangen, zu provozieren. «Das ist bedenklich, sogar unabhängig von der aktuellen Situation mit der Pandemie.»

Sie habe Verständnis für die Sorgen der Jugendlichen. Doch die Krawallmacher repräsentierten sicher nicht alle Jugendlichen. Hier dürfe nicht auf die gesamte Grundhaltung Jugendlicher geschlossen werden. «Alle müssen in dieser Situation die gültigen Massnahmen mittragen. Wenn man aber Molotowcocktails auf Polizisten wirft, so muss man mit harten Massnahmen und Strafen rechnen, egal ob es sich um jugendliche oder erwachsene mutmassliche Straftäter handelt


«Die Angriffe finde ich tragisch»

Auch der Präsident des Verbandes der Kantonspolizei St. Gallen, Michael Schöbi, zeigt sich schockiert über die Gewalt gegen die Polizei. «Natürlich braucht es in so einer Situation Augenmass. Aber Szenen wie am Freitag darf die Polizei nicht akzeptieren, da müssen die geltenden Massnahmen konsequent umgesetzt werden.» Für die Jugendlichen gibt es scharfe Kritik: «Die Ausschreitungen von Freitag sind eine Respektlosigkeit sondergleichen. Wenn man Frust ablassen will, kann man Sport draussen machen oder sonst was. Aber sicher nicht an den Polizistinnen und Polizisten auslassen», so Schöbi.

«Die Polizisten machen ihren Dienst für das Wohl der Bevölkerung. Dass diese dann angegriffen werden, finde ich tragisch», sagt auch Jean-Pierre Allet, Präsident der IPA Schweiz (International Police Association), dazu. «Eigentlich kennen wir solche Bilder nur aus dem Ausland, dass die Stimmung so kippt. Das dürfen wir nicht auf die leichte Schulter nehmen.» Die Polizei agiere als Dämpfer zwischen der Politik und der Bevölkerung. Er fordert wie Schöbi und Bundi: mehr Dialog zwischen Jugend und Polizei. Das könne beispielsweise mittels speziell ausgebildeter Polizisten stattfinden, die ohne Uniform unterwegs sind und im ständigen Kontakt mit Jugendlichen stehen.

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