Berns Sicherheitsdirektor: «Solche Fans sollten gar nicht einreisen dürfen»

Aktualisiert

Berns Sicherheitsdirektor«Solche Fans sollten gar nicht einreisen dürfen»

Die CL-Qualifikation YB – Roter Stern Belgrad hat Spuren in Bern hinterlassen. Berns Sicherheitsdirektor spricht trotzdem von einem gelungenen Polizeieinsatz.

von
cho
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Zwei Polizisten versuchten einen Mann zu beschützen, der von mehreren serbischen Fans angegriffen wurde.

Zwei Polizisten versuchten einen Mann zu beschützen, der von mehreren serbischen Fans angegriffen wurde.

Leser-Reporter
Der Mann war nicht mehr ansprechbar und musste nach dem Vorfall mit der Ambulanz ins Spital.

Der Mann war nicht mehr ansprechbar und musste nach dem Vorfall mit der Ambulanz ins Spital.

Leser-Reporter
Einer der Polizisten musste sein Dienstwaffe zücken und drei Warnschüsse abgeben, um die Situation zu entschärfen.

Einer der Polizisten musste sein Dienstwaffe zücken und drei Warnschüsse abgeben, um die Situation zu entschärfen.

Leser-Reporter

Herr Nause, was für ein Fazit ziehen sie nach dem Spiel zwischen YB und Roter Stern Belgrad?

Den Match als Rotes Spiel einzuschätzen und ein grosses Polizeiaufgebot einzusetzen, war richtig. Überall und zu jedem Zeitpunkt war die Stimmung in der Stadt angespannt, man musste immer mit Fan-Gewalt rechnen. Es war dem beherzten Eingreifen der Einsatzkräfte zu verdanken, dass am Mittwoch nicht noch Schlimmeres passiert ist.

Die Situation eskalierte an mehreren Orten, es fielen gar Schüsse.

Die Gewaltbereitschaft der Fans war hoch. Wir hatten etwa die Szene in der Hodlerstrasse, wo ein Mann angegriffen wurde und das Handgemenge nur durch Warnschüsse aufgelöst werden konnte. Vor dem Stadion versuchte zudem eine Gruppe, gewaltsam den Auswärts-Sektor zu stürmen. Auch dies konnten die Polizisten verhindern. Es war ein extrem schwieriges Umfeld für die Einsatzkräfte.

Schüsse bei Fanmarsch Roter Stern Belgrad

Quelle: 20 Minuten

Ein Polizist musste in die Luft schiessen. Video: Leser-Reporter

Wie viele Belgrad-Anhänger wurden gezählt?

Eine Zahl will ich nicht nennen, aber wir haben festgestellt, dass nebst den Fans aus Serbien und der Schweiz auch viele Roter-Stern-Fans aus Deutschland nach Bern gekommen sind. Viele Saisonkarten-Besitzer von YB hatten offenbar ihre Tickets weiterverkauft. Die Fangemeinschaft war so schliesslich deutlich grösser, als die reservierten 2000 Plätze im Gästesektor.

Ein grosser Teil der Fans der serbischen Mannschaft versammelte sich in der Innenstadt und marschierte anschliessend gemeinsam zum Stadion. Waren Sie darauf vorbereitet?

Davon musste man ausgehen. Es war jedoch nicht klar, welche Route die Fans nehmen würden. Wir mussten zu jeder Zeit in der ganzen Stadt mit Konfrontationen rechnen. Die Polizei war zum richtigen Zeitpunkt am richtigen Ort und hat richtig interveniert.

Sie kündigten im Vorfeld an, einen möglichen Marsch polizeilich eng zu begleiten. Wirklich viele Polizisten waren beim Fanwalk zum Stadion aber nicht zu sehen. Die Belgrad-Fans genossen sogar eine Art Narrenfreiheit.

Sehen Sie sich die Bilder und Videos im Netz an. Man sieht, dass dort, wo etwas passiert ist, die Polizei in ausreichender Zahl vor Ort war. Niemand wusste, wo der Walk durchführen wird. Er hätte genauso gut auch über die Kornhausbrücke gehen können.

Alles andere entspräche übrigens auch nicht der Polizeitaktik. Bei Kundgebungen fahren auch nicht vorne, link, rechts und hinten Kastenwagen mit. Dann hiesse es nämlich wieder, die Polizei habe Ausschreitungen provoziert.

Bereits letzten August kam es in Bern wegen der Zagreb-Fans zu unschönen Szenen. Bei Schweizer Hochrisikospielen haben wir diese Problematik nicht. Warum?

Diese Einschätzung teile ich nicht. Auch mit Fangruppierungen aus der Schweiz haben wir gewaltsame Situationen erlebt. Der Unterschied ist aber, dass Schweizer Mannschaften mit Sonderzügen anreisen und wir sie direkt in den Stadion-Perimeter lenken können. Die Fanlager können viel strikter getrennt werden. Das ist bei internationalen Spielen nicht möglich, daher sind sie auch risikoreicher.

Gibt es Punkte, die beim nächsten Mal besser laufen müssen?

Ja, man muss sich etwa überlegen, ob solche gewaltbereiten Fans nicht mit Aus- oder Einreisesperren belegt werden müssten. Sie sollten gar nicht erst in die Schweiz einreisen dürfen. In England funktioniert das. Solche Massnahmen gehen aber über die Kompetenzen der Stadt Bern hinaus.

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