Wegen Abratens von Impfung bestraft - «Solche Hausärzte schaden unserem Berufsstand»
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Wegen Abratens von Impfung bestraft«Solche Hausärzte schaden unserem Berufsstand»

Weil sie ihren Patientinnen und Patienten von der Impfung abrieten, hat der Kanton Bern zwei Ärzte sanktioniert. Nicht jeder impfskeptische Arzt oder jede impfskeptische Ärztin muss indes gleich mit einer Strafe rechnen.

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Impfskeptikerinnen und Impfskeptiker gibt es auch unter den Schweizer Hausärztinnen und -ärzten. (Symbolbild)

Impfskeptikerinnen und Impfskeptiker gibt es auch unter den Schweizer Hausärztinnen und -ärzten. (Symbolbild)

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Im Kanton Bern wurden zwei Ärztinnen und Ärzte sanktioniert, nachdem sie sich öffentlich gegen die Impfung ausgesprochen und ihren Patientinnen und Patienten davon abgeraten hatten.

Im Kanton Bern wurden zwei Ärztinnen und Ärzte sanktioniert, nachdem sie sich öffentlich gegen die Impfung ausgesprochen und ihren Patientinnen und Patienten davon abgeraten hatten.

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Laut dem obersten Hausarzt der Schweiz ist es wichtig, dass ein impfskeptischer Arzt oder eine impfskeptische Ärztin seine persönliche Meinung klar von der wissenschaftlichen Haltung abgrenzt.

Laut dem obersten Hausarzt der Schweiz ist es wichtig, dass ein impfskeptischer Arzt oder eine impfskeptische Ärztin seine persönliche Meinung klar von der wissenschaftlichen Haltung abgrenzt.

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Darum gehts

  • Der Kanton Bern hat zwei Ärzte sanktioniert, die sich öffentlich gegen die Impfung aussprachen und ihren Patientinnen und Patienten davon abrieten.

  • Es handle sich um Einzelfälle, heisst es beim Verband der Haus- und Kinderärzte Schweiz.

  • Ob ein Verstoss gegen die Berufspflichten vorliegt, hängt indes davon ab, ob die persönliche Meinung klar von der wissenschaftlichen Haltung abgegrenzt wird.

Der Kanton Bern hat zwei Ärzte bestraft, die öffentlich gegen die Corona-Impfung auftraten und Patientinnen und Patienten von der Impfung abrieten, wie die «Sonntagszeitung» berichtet. Über die Art der Sanktionen gibt die Gesundheitsdirektion keine Auskunft. Bei einer «Verletzung der Berufspflichten» möglich seien indes eine Verwarnung, ein Verweis, eine Busse bis zu 20’000 Franken sowie ein befristetes oder unbefristetes Verbot der Tätigkeit in eigener fachlicher Verantwortung. «Im Weiteren kann in Extremfällen ein Entzug der Berufsausübungsbewilligung zum Tragen kommen, wenn ein Arzt oder eine Ärztin nicht mehr über die für die Aufrechterhaltung der Bewilligung erforderliche Vertrauenswürdigkeit verfügt», sagt Gundekar Giebel, Sprecher der Berner Gesundheitsdirektion.

Es sind bislang die einzigen zwei Fälle im Kanton Bern, bei denen impfskeptische Ärzte sanktioniert worden sind, wie Giebel gegenüber 20 Minuten festhält. Die ergriffenen Sanktionen müssten dem Gebot der Verhältnismässigkeit folgen und insofern «ein erforderliches Mittel sein, um ein öffentliches Interesse durchzusetzen und gegenüber dem Eingriff in die betroffenen Privatinteressen abgewogen werden». Ärztinnen und Ärzte, die ihren Patientinnen und Patienten von der Impfung abraten, würden die gesamte Impfkampagne untergraben, so Giebel: «Das macht uns schon gewisse Sorgen, denn wir brauchen jede Impfung.»

Persönliche Meinung vs. wissenschaftliche Erkenntnis

Laut dem Verband der Haus- und Kinderärzte Schweiz (mfe) handelt es sich um Einzelfälle. «99,9 Prozent der Hausärztinnen und Hausärzte empfehlen ihren Patientinnen und Patienten die Impfung und klären sie sauber auf», sagt Präsident Philippe Luchsinger. Der oberste Hausarzt der Schweiz betont, dass ein Abraten von der Impfung nicht per se gegen die Berufspflichten verstosse. Wenn eine Ärztin oder ein Arzt geltend mache, dass es sich um ihre oder seine persönliche Haltung handle, sei dies legitim. «Problematisch wird es, wenn die persönliche Meinung als wissenschaftlicher Konsens verkauft wird», sagt Luchsinger. «Solche Hausärztinnen und Hausärzte missachten die Wissenschaft, der sie angehören und schaden unserem Berufsstand.»

Mit den Fehlbaren suche man zunächst das Gespräch, sagt Luchsinger. Sanktionsmöglichkeiten gebe es für den mfe keine; diese seien den kantonalen Gesundheitsdirektionen als Aufsichtsbehörden vorenthalten. «Wir können die Leute höchstens aus unserem Verband ausschliessen.»

Um impfskeptischen Ärztinnen und Ärzte auf die Schliche zu kommen, durchforstet der Kanton Bern neuerdings Medien, Internet und Social Media nach Ärztinnen und Ärzten, die gegen die Impfung aufrufen. Gegen zwei Ärzte, die sich kürzlich im «Bund» vehement gegen die Impfung ausgesprochen haben, prüft die Gesundheitsdirektion derzeit Sanktionen. Informationen erhalte man ferner von besorgten Bürgerinnen und Bürgern sowie von Patientinnen und Patienten. «Als Aufsichtsbehörde gehen wir allen Hinweisen nach und klären, inwiefern die Aussagen mit den ärztlichen Berufspflichten zu vereinbaren sind», sagt Giebel. Bei einem allfälligen Verstoss würden die erforderlichen Massnahmen getroffen.

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(sul)

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