Aktualisiert 10.06.2009 10:56

Gewitter über dem Atlantik«Solche Turbulenzen habe ich noch nie erlebt»

Nur gerade 48 Stunden vor dem Absturz der Air-France-Maschine zwischen Brasilien und Afrika ist eine Boeing 747-400 der Lufthansa in derselben Region in schwere Turbulenzen geraten. Brisant: Das Wetterradar hatte keine Warnmeldung angezeigt.

Die Maschine mit der Flugnummer LH 507 war auf dem Weg von São Paulo nach Frankfurt, als es drei Stunden von der brasilianischen Küste entfernt an Bord schwere Erschütterungen gab, wie stern.de berichtet. Laut dem Bericht wurden mehrere Personen verletzt. Die Lufthansa wies dies zurück und warnte vor Panikmache. Der Vorfall ereignete sich nur zwei Tage bevor ein Airbus der Air France in einem Gewittersturm die Kontrolle verlor und ins Meer stürzte.

Auch Pilot war überrascht

In dem Fall der Lufthansa-Maschine dauerten die Erschütterungen nach Informationen von stern.de etwa zehn Minuten. Der vollbesetzte Jumbo sei mehrmals durchgesackt, habe ein Zeuge berichtet. Die Erschütterungen seien so schwer gewesen, dass die Getränkewagen abgehoben hätten und Handgepäck, Teller und Kleidungsstücke durch die Kabine geflogen seien.

Passagiere an Decke geschleudert

Mehrere nicht angeschnallte Passagiere wurden demnach an die Decke geschleudert. Ein Passagier habe so stark geblutet, dass er an Bord genäht werden musste. «Solch heftige Turbulenzen habe ich noch nie erlebt», berichtete der Passagier, bei dem es sich laut stern.de um einen Vielflieger auf der Strecke handelt.

Nach Informationen von stern.de war auch der Pilot von der Heftigkeit der Turbulenzen überrascht. Er habe in der dunklen Tropennacht die Gewitterzellen nicht deutlich ausmachen können, soll er laut Zeugen gegenüber Crew-Mitgliedern eingeräumt haben. Anscheinend habe auch das Wetterradar keine Warnmeldung angezeigt.

«Effekthascherei und sensationslüsterne Berichterstattung»

Lufthansa-Sprecher Michael Lamberty sagte der Nachrichtenagentur AP, dass es lediglich einen Leichtverletzten an Bord gegeben habe. «Generell ist auf dieser Strecke mit Turbulenzen zu rechnen», sagte er. Der verletzte Passagier habe den Gurt nicht angelegt, obwohl die Anschnallzeichen aktiviert gewesen seien. Die Verletzung sei zwar bedauerlich; dass der Passagier nicht angeschnallt war, sei aber ein klarer Verstoss gegen die Vorschriften an Bord.

Zugleich trat der Sprecher Vorwürfen entgegen, die Fluggesellschaft habe den Vorfall verheimlicht. «Wir haben nichts verschwiegen, weil es nichts zu verschweigen gab», sagte er. Die Lufthansa wehre sich «gegen Effekthascherei und sensationslüsterne Berichterstattung». Dies sei gerade in dieser Zeit absolut unverantwortlich.

Der Unglücksflieger von Air France war an Pfingsten nordöstlich der brasilianischen Inselgruppe Fernando de Noronha vom Radar verschwunden. Vermutlich 228 Menschen starben bei dem Absturz über dem Atlantik. Über die Unglücksursache wird weiterhin spekuliert; zunächst war von einem Gewitter die Rede.

(dapd)

Atom-U-Boot beginnt mit Suche

Ein französisches Atom-U-Boot sucht im Atlantik nach den Flugschreibern der abgestürzten Air-France-Maschine. Mit seinen hochmodernen Sonargeräten werde das 74 Meter lange U- Boot versuchen, die akustischen Signale der beiden Flugschreiber zu orten. Viel Hoffnung auf einen schnellen Erfolg gibt es allerdings nicht. Das U-Boot müsse sehr nah an den Flugschreibern vorbeifahren, um sie orten zu können, sagte ein Marinesprecher.

Viel weiter als 1000 Meter sind die Signale vermutlich nicht zu empfangen. Die auch «Black Box» genannten Geräte werden in einer Tiefe von bis zu 4000 Metern vermutet.

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