Klimawandel: «Solches Wetter wird künftig normal sein»
Aktualisiert

Klimawandel«Solches Wetter wird künftig normal sein»

Die anhaltende Trockenheit und Hitze werden mit dem Klimawandel in Verbindung gebracht. Klimaexperte Martin Grosjean bestätigt: Ändert sich nichts, wird es noch extremer.

von
V. Fehlmann
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Auch die Landwirtschaft muss sich anpassen. Bei der Trockenheit sterben manche Pflanzen ab.

Auch die Landwirtschaft muss sich anpassen. Bei der Trockenheit sterben manche Pflanzen ab.

Jana Bauch
Eine Hitzewelle treibt derzeit ganz Europa ans Wasser.

Eine Hitzewelle treibt derzeit ganz Europa ans Wasser.

Keystone/Jean-christophe Bott
Wegen der anhaltenden Trockenheit haben bereits etliche Kantone ein Feuerverbot ausgesprochen.

Wegen der anhaltenden Trockenheit haben bereits etliche Kantone ein Feuerverbot ausgesprochen.

Keystone/Dominic Steinmann

Herr Grosjean, seit Wochen herrscht Trockenheit, die Temperaturen sind konstant auf hohem Niveau. Ist das nun ein Zeichen des vom Menschen verursachten Klimawandels?

Der hat bereits vor rund 30 bis 40 Jahren begonnen. Jetzt manifestiert er sich. Die Folgen spürte man im Sommer 2003 erstmals richtig. Damals versuchten Forscher auszurechnen, wie häufig solche extremen Sommer auftreten werden. Betrachtete man sämtliche vorhandenen meteorologischen Aufzeichnungen, kam man zum Schluss, dass so etwas geschätzt nur alle 10'000 Jahre vorkommt. Nimmt man nur die Klimadaten der letzten 30 Jahre, ist die Häufigkeit noch einmal gestiegen: Auf einmal in hundert Jahren. Forscher der ETH gehen nun davon aus, dass in der zweiten Hälfte des 21. Jahrhunderts alle zwei bis drei Jahre ein solch extremer Sommer vorkommen wird.

Was heisst das konkret?

Die Temperaturen sind gestiegen. Solches Wetter, wie wir es jetzt haben, wird irgendwann normal sein. Die Sommer in Zentral- und Westeuropa werden heisser und trockener. In Zukunft wird es sogar noch deutlich wärmer werden als jetzt.

Wird es also nie mehr verregnete und kühle Sommer geben?

Doch. Es wird auch künftig solche Sommer geben. Der Mittelwert der Temperaturen verschiebt sich aber langsam. Betrachtet man die letzten 2000 Jahre, gab es durchaus in gewissen Regionen Phasen, in denen es über 30 bis 50 Jahre hinweg wärmer war als sonst. Dafür war es aber in einem anderen Gebiet der Erde kühler. Der Mittelwert wurde so ausbalanciert. Jetzt ist die Temperatur aber überall auf der Erde gleichzeitig erhöht, das gab es in den letzten 2000 Jahren noch nie.

Was sind die Folgen dieser Klimaveränderung?

Wir haben eine neue Situation, ausgelöst durch den vom Menschen verursachten Klimawandel. Die Temperaturen werden steigen, es wird trocken. Die Gletscher schmelzen und die Grundwasserspiegel sinken, wodurch die Flüsse und Bäche mit immer weniger kaltem Frischwasser gespeist werden. Dadurch werden sie wärmer und arm an Sauerstoff. Hat es davon zu wenig, ersticken die Fische. Das ist auch der Grund, weshalb derzeit Bäche abgefischt werden.

Welche Auswirkungen hat der Klimawandel sonst auf das Leben?

Die Schneefallgrenze steigt. Irgendwann wird es im Mittelland keinen Schnee mehr geben. Auch der Jahreszyklus von Pflanzen und Tieren ändert sich. Kirschen werden beispielsweise schon heute immer früher reif. Auch die Frösche laichen früher und die Pflanzen in den Bergen wachsen immer höher hinauf.

Wird sich auch das Wetter verändern?

Gewitter, Stürme und Überschwemmungen werden weltweit heftiger. Jede Jahreszeit wird wärmer. Am gefährlichsten ist die Schwüle: Ist es heiss und feucht, können Menschen und Tiere nicht schwitzen. Ab einer gefühlten Temperatur von über 40 Grad ist die gesundheitliche Gefährdung sehr hoch.

Müssen wir uns jetzt also an neue Bedingungen anpassen?

Das sollte das letzte Mittel sein. Dann bekämpfen wir lediglich noch die Symptome. Die beste Lösung ist, Treibhausgase zu vermeiden. Trotzdem zeigt sich schon heute, dass man sich anpassen muss: Die Landwirtschaft etwa, aber auch der Tourismus oder die Architektur, indem beispielsweise Hausdächer begrünt werden. Auch Menschen müssen sich der Hitze anpassen, wie wir es gerade jetzt tun – genug trinken, auf den Kreislauf achten und sich im Schatten aufhalten.

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