Aktualisiert 12.01.2020 18:45

Hinterrhein GR

Soldat beklagt verdreckte Unterkunft

Laut einem Soldaten ist die Dusche der Militärunterkunft in Hinterrhein von Schimmel befallen. Auch die Armee sieht Handlungsbedarf bei der Instandhaltung des Gebäudes.

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les
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Die Wände der Dusche in der Militärunterkunft Hinterrhein GR sind mit brauen Flecken übersät. Ein Soldat vermutet, dass es sich dabei um Schimmel handelt.

Die Wände der Dusche in der Militärunterkunft Hinterrhein GR sind mit brauen Flecken übersät. Ein Soldat vermutet, dass es sich dabei um Schimmel handelt.

«Es ekelt mich an und macht mich wütend. Ich kann mir auch nicht vorstellen, dass das gesund ist», sagt der Soldat. Auch Kollegen würden es «gruusig» finden und über allergische Reaktionen klagen.

«Es ekelt mich an und macht mich wütend. Ich kann mir auch nicht vorstellen, dass das gesund ist», sagt der Soldat. Auch Kollegen würden es «gruusig» finden und über allergische Reaktionen klagen.

(Bild: Keystone/Christian Beutler)
Laut dem Soldaten ist der Zustand der Unterkunft schon seit Jahren schlecht, jedoch unternehme das Militär nichts dagegen. Er erwartet, dass die Unterkunft saniert wird.

Laut dem Soldaten ist der Zustand der Unterkunft schon seit Jahren schlecht, jedoch unternehme das Militär nichts dagegen. Er erwartet, dass die Unterkunft saniert wird.

(Bild: Keystone/Christian Beutler)

In der Militärunterkunft Hinterrhein GR sind die gelben Wände der Dusche mit braunen Flecken übersät. Ein Soldat vermutet, dass es sich dabei um Schimmel handelt. «Es ekelt mich an und macht mich wütend. Ich kann mir auch nicht vorstellen, dass das gesund ist.» Er macht den Schimmelbefall dafür verantwortlich, dass viele in der Unterkunft an Schnupfen gelitten haben.

«Auch andere finden die Situation ‹gruusig› und klagen über allergische Reaktionen. Viele haben am Morgen gerötete Augen, die Pilzsporen sind sicher auch in den Bettbezügen», sagt der Soldat. Gesundheitliche Probleme würden vom Militär oft nicht ernst genommen. Es gehöre zum guten Ton, so etwas auszuhalten. «Bis man zum Arzt gehen darf, muss es einem schon ziemlich ans Lebendige gehen.»

«Bedenken sind gerechtfertigt»

Der Zustand der Unterkunft in Hinterrhein ist laut dem Armeeangehörigen schon seit Jahren schlecht und wird immer schlimmer, jedoch unternehme das Militär nichts dagegen. «In der Truppe schauen wir schon auf eine gute Hygiene, aber Renovationen können wir nicht selber durchführen. Es wird definitiv zu wenig in die Militärunterkünfte investiert.» Der Soldat erwartet, dass das Militär die Unterkunft saniert. «Es muss eine gute Lüftung eingebaut werden, die die Räume innert vernünftiger Zeit abtrocknet, sodass kein Schimmel entstehen kann.»

Roger Blaser, Professor für Bauschadensanalytik und Präsident des Verbands Schimmelpilz- und Raumgiftsanierung, stuft die Möglichkeit als hoch ein, dass es sich effektiv um einen Schimmelbefall handelt. Für die Bestimmung der Gattung sei aber ein Mikroskop nötig. Die gesundheitlichen Bedenken seien jedoch gerechtfertigt. «Schon wenige Stunden nachdem man in Kontakt mit Schimmel gekommen ist, können allergische Reaktionen auftreten. Die Symptome reichen von einer tropfenden Nase und Juckreiz bis hin zu Brechreiz und Konzentrationsstörungen.»

«Jeder reagiert anders»

Gewisse Schimmelpilzarten könnten ausserdem auch durch ihre Giftigkeit gesundheitsschädigende Wirkungen haben, so Blaser. Es sei aber schwierig, bei diesem Fall die spezifischen Auswirkungen abzuschätzen. «Jeder Mensch reagiert anders. Es kann auch kein Grenzwert für die Sporenkonzentration oder die Aufenthaltsdauer in einem schimmelbefallenen Raum festgelegt werden, ab der es gefährlich wird.»

Blaser sieht Handlungsbedarf: «Anhand der Fotos kann von einem Befallsausmass von einigen Quadratmetern ausgegangen werden. Gemäss Regelung des BAG muss Schimmel schon bei einem Ausmass von über einer Handfläche pro Raum abgetötet und entfernt werden.» Der Raum dürfe nicht betreten werden, bis der aktuelle Befall beseitigt sei. Neben der Schimmelbeseitigung fordert Blaser auch eine Klärung der Ursache des Befalls. «Meistens ist die Luftfeuchtigkeit die entscheidende Grösse: Schimmel bildet sich ab einer relativen Luftfeuchte von 75 Prozent.»

Militär plant Sanierung

Die Armee betont, bei einer Schadstoffuntersuchung 2018 sei kein akuter Schimmelbefall festgestellt worden. «Die schwarzen Stellen an den Wänden sind Verschmutzungen, die auftreten, weil der Abrieb aufgeraut oder beschädigt ist und sich darin Schmutz festsetzen kann», sagt Kaj-Gunnar Sievert, Sprecher von Armasuisse. Je nach Jahreszeit und Nutzungsintensität könne aber Schimmel ein Thema sein. «Der Befall kann in einer unterirdischen Anlage wie in Hinterrhein insbesondere je nach Intensität der Nutzung schwanken.»

Die Armee selbst will handeln: «Aufgrund des allgemein sanierungsbedürftigen Zustands wird die Anlage von April bis Juli 2020 instand gesetzt. Dafür wurde ein Kredit von 1,4 Millionen Franken gesprochen.» Bis dahin werde die Truppe bezüglich des richtigen Belüftung und Entfeuchtung der unterirdischen Anlage sensibilisiert und angehalten, die Duschräume bis zum baldigen Start des Bauprojekts intensiver zu reinigen.

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