Kaufleuten: Soldat prügelt wegen einem Stuhl

Aktualisiert

KaufleutenSoldat prügelt wegen einem Stuhl

Ein Schweizer Soldat hat vor einem Zürcher In-Klub wegen eines Stuhles zwei Gäste verprügelt. Einen davon spitalreif. Vor Gericht sagte er, es sei Notwehr gewesen, doch die Richterin glaubte ihm nicht.

von
Attila Szenogrady

Der Vorfall ereignete sich in der Nacht zum Sonntag auf den 10. Mai 2009. Ein heute 31-jähriger Textilunternehmer besuchte damals mit einem Kollegen den Zürcher In-Klub Kaufleuten. Kurz vor zwei Uhr sass der spätere Geschädigte draussen an einem Tisch und hielt einen anderen Stuhl für seinen Begleiter frei.

Dann tauchte plötzlich ein 18-jähriger Gast aus Dietikon auf und setzte sich auf den vermeintlich freien Stuhl. Wogegen der Unternehmer protestierte und erklärte, dass der Sitzplatz für seinen noch abwesenden Kollegen reserviert sei. Was der junge Mann aber nicht akzeptieren wollte. Weshalb schon bald ein heftiger Streit um den begehrten Stuhl entbrannte. Der Krach ging auch weiter, als der dritte Besucher wieder erschien und vergeblich schlichten wollte.

Plötzlich ging der spätere Angeklagte auf den Textilhersteller los und schlug ihm mit der Faust gegen das linke Auge. Als sich der Geschädigte erheben wollte, kassierte er einen zweiten Schlag ins Gesicht, krachte mit seinem Kopf gegen die Tischplatte und fiel um.

Auch Todesdrohungen ausgestossen

Dann wandte sich der Angreifer auch dem heute 33-jährigen Mann zu und begann auch diesen zu verprügeln. Der zweite Geschädigte hatte aber mehr Glück, da sich sein Kontrahent plötzlich entfernte. Als er diesen mit einer Kamera fotografierte, stiess der Angeklagte wüste Todesdrohungen aus und drehte sich wieder um. Kurz darauf warf er den zweiten Geschädigten zu Boden und machte sich aus dem Staub.

Notwehr geltend gemacht

Am Mittwoch musste sich der inzwischen eruierte Dietiker Schläger am Bezirksgericht Zürich verantworten. Es handelte sich um einen Durchdiener der Schweizer Armee. Wegen Körperverletzung, Tätlichkeiten sowie Drohung musste er mit einer bedingten Geldstrafe von 120 Tagessätzen zu 50 Franken sowie einer Busse von 400 Franken rechnen.

Allerdings machte der Soldat, der in Uniform an der Verhandlung erschienen war, eine klassische Notwehr geltend und verlangte deswegen einen vollen Freispruch. So hätten ihn die beiden Geschädigten zu zweit attackiert, gab er zu Protokoll.

Wichtige Kronzeugin: Schuldspruch

Der Limmattaler Armeeangehörige hatte aber Pech. So hatte ihn eine unabhängige Kronzeugin am Tatort genau gesehen und ihre Beobachtungen sowohl der Polizei als auch der Staatsanwaltschaft mitgeteilt.

So glaubhaft, dass die zuständige Richterin keine Zweifel an der vollen Schuld des Angeklagten hatte. Dieser wurde antragsgemäss für schuldig befunden und infolge seiner Uneinsichtigkeit zu einer erhöhten Geldstrafe von 150 Tagessätzen zu 50 Franken sowie 600 Franken Busse verurteilt.

Zudem wurde der ursprünglich aus dem Kosovo stammende Täter verpflichtet, dem Hauptopfer ein Schmerzensgeld von 1500 Franken zu entrichten. So hatte der Geschädigte eine Rissquetschwunde an der Stirne, Zahnverletzungen sowie einen Bruch des Knochens der Augenhöhle links erlitten.

Nur in einem Punkt kam der verletzte Textilwirt nicht ganz durch. So hatte er für seine gesamte Garderobe einen Schadenersatz von rund 4000 Franken geltend gemacht. Sogar für seine angeblich beschädigten Schuhe. Was das Gericht jedoch so nicht akzeptierte und die umstrittenen Forderungen auf den Weg eines Zivilprozesses verwies.

Deine Meinung