Unfall im Wachtdienst: Soldat wird für Schuss in eigenen Fuss bestraft
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Unfall im WachtdienstSoldat wird für Schuss in eigenen Fuss bestraft

Ein Soldat schoss sich wegen Unaufmerksamkeit in den Fuss. Dafür muss er büssen.

von
B. Zanni
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Ausgerüstet mit einem Sturmgewehr 90 hatte der Soldat der Richtstrahlrekrutenschule in Pfäffikon ZH beim Haupteingang der Zivilschutzanlage Wachtdienst geleistet.

Ausgerüstet mit einem Sturmgewehr 90 hatte der Soldat der Richtstrahlrekrutenschule in Pfäffikon ZH beim Haupteingang der Zivilschutzanlage Wachtdienst geleistet.

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Der Beschuldigte habe seinen Wachtkollegen gefährdet, der etwa fünf Meter von ihm entfernt gewesen sei, urteilt der zuständige militärische Staatsanwalt.

Der Beschuldigte habe seinen Wachtkollegen gefährdet, der etwa fünf Meter von ihm entfernt gewesen sei, urteilt der zuständige militärische Staatsanwalt.

Keystone/Martin Ruetschi

Der Wachtdienst am Nachmittag des 16. April 2018 endete für K. P.* im Spital. Ausgerüstet mit einem Sturmgewehr 90 hatte der Soldat der Richtstrahlrekrutenschule in Pfäffikon ZH beim Haupteingang der Zivilschutzanlage Wache geleistet. Kurz nach 15 Uhr passierte es: Aus seiner Waffe löste sich ein Schuss und durchschlug P.s linken Fuss. Ein Leser-Reporter berichtete damals, dass der Betroffene am Handy gespielt habe. Die Militärjustiz eröffnete darauf eine Untersuchung.

Mittlerweile liegt das Strafmandat des zuständigen militärischen Staatsanwalts vor, in das 20 Minuten Einsicht genommen hat. Die Militärjustiz erklärt P. des Wachtvergehens schuldig. Der 23-Jährige wird mit einer bedingten Geldstrafe von 11 Tagessätzen zu 100 Franken sowie mit einer Busse von 300 Franken bestraft.

Wachtkollegen gefährdet

Der Beschuldigte habe seinen Wachtkollegen gefährdet, der etwa fünf Meter von ihm entfernt gewesen sei, urteilt der zuständige militärische Staatsanwalt. «Zudem kann vom Beschuldigten erwartet werden, dass er seine volle Aufmerksamkeit dem Wachtdienst schenkt, wenn er diesen mit einer Waffe mit scharfer Munition leistet, und sich entsprechend konzentriert, wenn er eine PSK durchführt.» Eine Persönliche Sicherheitskontrolle (PSK, siehe Box) wird laut der Armee durchgeführt, wenn die Waffe aufgenommen oder abgelegt wird.

P. erklärte anlässlich der untersuchungsrichterlichen Einvernahme, dass er im Moment, in dem er die Sicherheitskontrolle durchgeführt habe, nicht daran gedacht habe, dass er scharfe Munition im Magazin habe. Er sei selber schockiert gewesen, als sich ein Schuss löste, gab er weiter an.

Handy in der Hosentasche

Laut dem Strafmandat hatte P. während seines Wachtdienstes sein Mobiltelefon in der Hosentasche. Dies, obwohl der Wachtbefehl elektronische Geräte wie namentlich Mobiltelefone für die aktive Wachmannschaft untersagte. P. machte jedoch geltend, dass ihn niemand über das Verbot informiert habe und seine Kameraden das Mobiltelefon auf der Wache ebenfalls auf sich getragen hätten. Laut der Militärjustiz liess sich in der Untersuchung nicht erhärten, dass diese Ausführungen unzutreffend sind. Seinen Fuss kann P. nach eigenen Angaben heute ohne Einschränkung bewegen.

Für Toni Cipolat, Stabschef der Milizorganisation Gruppe Giardino, steht fest: «Das Handy kann schnell ablenken. Wie beim Scharfschiessen gehört es auch im Wachtdienst weggesperrt.» Wer Handys im Wachtdienst erlaube, habe eine schlechte Auffassung des Dienstes. «Während der Wache muss die Aufmerksamkeit 100 Prozent sein – auch wenn nichts passiert und sich ein Soldat deshalb vielleicht sogar langweilt», schärft Cipolat ein.

*Name der Redaktion bekannt

Persönliche Sicherheitskontrolle

Sturmgewehr

Zuerst wird der Verschluss zwei Zentimeter geöffnet, falls der Verschluss geschlossen ist. Danach erfolgt die Kontrolle des Patronenlagers. In einem dritten Schritt wird das Magazin kontrolliert.

Ordonnanzpistole

Der Schlaghammer wird gespannt und der Verschluss rund einen Zentimeter nach hinten geschoben. Danach kontrolliert der Soldat, ob das Patronenlager leer oder voll ist. Anschliessend lässt er den Verschluss zurückgleiten und entspannt den Schlaghammer mit einem Entspannhebel. Zum Schluss wird das Magazin herausgenommen und kontrolliert, ob es leer ist oder noch genügend Munition verfügbar ist. Anschliessend setzt der Soldat dieses wieder ein oder wechselt es aus.

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