Sitzplatzstreit: «Soldaten entscheiden selbst, ob sie aufstehen»
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Sitzplatzstreit«Soldaten entscheiden selbst, ob sie aufstehen»

Obwohl der Kundenbegleiter Armeeangehörige gebeten hatte, den Passagieren die Plätze freizugeben, blieben sie sitzen. Der Armeesprecher Daniel Reist im Interview.

von
qll
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Eine Leser-Reporterin regt sich darüber auf, dass Armeeangehörige am Sonntagabend Kindern keinen Sitzplatz überliessen.

Eine Leser-Reporterin regt sich darüber auf, dass Armeeangehörige am Sonntagabend Kindern keinen Sitzplatz überliessen.

zvg
Ob er aufstehen würde, kann der Armeesprecher Daniel Reist nicht sagen. «Die vorliegende Situation kann ich nicht beurteilen, weil ich nicht dabei war. Und ob ich sonst aufstehen würde, kann ich ehrlich nicht sagen. In besonderen Fällen wie nach einer Durchhalteübung oder nach einem 50-Kilometer-Marsch würde ich vielleicht auch nicht aufstehen.»

Ob er aufstehen würde, kann der Armeesprecher Daniel Reist nicht sagen. «Die vorliegende Situation kann ich nicht beurteilen, weil ich nicht dabei war. Und ob ich sonst aufstehen würde, kann ich ehrlich nicht sagen. In besonderen Fällen wie nach einer Durchhalteübung oder nach einem 50-Kilometer-Marsch würde ich vielleicht auch nicht aufstehen.»

Keystone/Alexandra wey
Es ist nicht das erste Mal, dass Rekruten für Ärger im Zug sorgen. Ein Leser-Reporter regt sich beispielsweise darüber auf, dass das VBS die Soldaten während der Stosszeiten reisen lässt.

Es ist nicht das erste Mal, dass Rekruten für Ärger im Zug sorgen. Ein Leser-Reporter regt sich beispielsweise darüber auf, dass das VBS die Soldaten während der Stosszeiten reisen lässt.

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Herr Reist, schaut die Armee darauf, dass unsere Soldaten nicht auch noch die vollsten Züge nehmen, beispielsweise zu Stosszeiten?

Wir haben gar keinen Spielraum, weil wir uns auch an gewisse Zeiten halten müssen. So dürfen unsere Soldaten in der Regel am Samstagmorgen in den verdienten Urlaub. Damit sie etwas Zeit für die Familie oder zum Entspannen haben, können wir nicht verlangen, dass sie bereits am Sonntagmorgen wieder einrücken müssen. Das wäre nicht fair. Ausserdem sind Soldaten normale Benutzer des ÖV mit einem bezahlten Ticket. Sie dürfen reisen, wann sie wollen. So kann es passieren, dass sie an einem Sonntagabend einrücken müssen, wenn Familien gerade nach dem Skitag nach Hause wollen.

Warum gibt es keine Extrazüge oder Waggons für Soldaten?

Es gibt Strecken in der Nähe von Kasernen, auf denen es Extrazüge beziehungsweise Extrawaggons für Soldaten gibt, wie beispielsweise in Bure JU oder in Bière VD. Auf anderen Strecken ist dies kaum möglich, beispielsweise wenn die Soldaten in Thun einrücken müssen, weil sie von überall herkommen. Generell müsste die SBB Extrazüge oder Extrawaggons regeln. Wir bezahlen ihr mit 40 Millionen Franken einen namhaften Betrag.

Welche Anweisungen haben Soldaten, wie sie sich im ÖV zu verhalten haben?

Wir geben ihnen keine besonderen Weisungen mit. Eigentlich sollte es reichen, wenn sie sich an ihre Erziehung halten. Dazu gehört etwa, dass sie gebrechlichen Personen, Schwangeren oder Müttern mit Kleinkindern Platz machen. Meistens ist es aber so, dass unsere Soldaten in den letzten Tagen mehr als viele andere Passagiere erlebt haben, beispielsweise tagelang wenig geschlafen, einen 50-Kilometer-Marsch hinter sich oder in einem Biwak übernachtet haben. Es liegt im Ermessen jedes einzelnen Soldaten, ob er jemandem Platz macht oder nicht.

Unsere Soldaten repräsentieren die Schweiz. Müssen sie nicht besonders hohen Ansprüchen genügen?

Uns reicht es, wenn sie nach den Grundsätzen einer guten Erziehung korrekt und konsequent mit den Standardregelungen umgehen.

Wie oft kommt es zu Konflikten mit Soldaten im öV? Um was geht es dabei?

Ein bis zweimal pro Jahr. Meistens geht es darum, dass sie sich schlecht verhalten haben. Im Vordergrund stehen dabei Lärm, Trinken oder auffälliges Verhalten. Anders als bei dem Sitzplatz-Problem gehen wir diesen Fällen nach. Schlechtes Benehmen endet mit einem disziplinarischen Strafverfahren.

Hand aufs Herz: Wären Sie aufgestanden?

Die vorliegende Situation kann ich nicht beurteilen, weil ich nicht dabei war. Und ob ich sonst aufstehen würde, kann ich ehrlich nicht sagen. In besonderen Fällen wie nach einer Durchhalteübung oder nach einem 50-Kilometer-Marsch würde ich vielleicht auch nicht aufstehen.

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