Aktualisiert 23.04.2010 14:29

Wikileaks-VideoSoldaten entschuldigen sich für Angriff

Zwei Soldaten der Einheit, die für den tödlichen Helikopter-Angriff im Juli 2007 in Bagdad verantwortlich ist, haben einen offenen Brief an das irakische Volk verfasst.

von
pbl

Das Bagdad-Video in voller Länge. (Quelle: YouTube/Wikileaks)

Das von der Whistleblower-Website Wikileaks Anfang April veröffentlichte Video eines amerikanischen Helikopter-Angriffs am 12. Juli 2007 in Bagdad sorgte weltweit für Aufsehen. Mehr als ein Dutzend Menschen kamen ums Leben, darunter zwei Mitarbeiter der Nachrichtenagentur Reuters, zwei Kinder wurden verwundet. Für Empörung sorgte nicht zuletzt die menschenverachtende Sprache der beteiligten Soldaten.

Nun haben sich Ethan McCord und Josh Stieber zu Wort gemeldet. Die beiden Ex-Soldaten gehörten der für den Angriff verantwortlichen Einheit an, der Bravo-Kompanie 2-16. McCord gehörte an jenem Tag zum Bodenteam, er ist im Video zu sehen, wie er eines der verwundeten Kinder zu einem US-Fahrzeug trägt. «Als ich jene Kinder sah, konnte ich nur noch an meine eigenen Kinder zu Hause denken», sagt McCord. Er bat nach dem Vorfall um psychologische Betreuung, sie wurde ihm jedoch verweigert.

Angriffe an der Tagesordnung

Josh Stieber war am Angriff nicht beteiligt, er betont jedoch, dass er während seines 14-monatigen Aufenthalts im Irak ähnliche Vorfälle erlebt habe. Sie seien «in diesem Krieg an der Tagesordnung». Zwar anerkennen die beiden Soldaten, dass sich ihre Einheit an jenem Tag an die Einsatzregeln gehalten habe, dennoch haben sie einen offenen Brief «für Versöhnung und Verantwortung» an das irakische Volk verfasst, der auf einer Website veröffentlicht und bereits von mehr als 3000 Sympathisanten unterschrieben wurde.

Darin anerkennen McCord und Stieber ihren Anteil an den Toten und Verwundeten: «Wir haben euch angetan, was wir niemals mit uns geschehen liessen.» Dabei sparen sie nicht mit Kritik an der Regierung: «Unser Verteidigungsminister mag behaupten, dass die USA ihren Ruf wegen dieses Vorfalls nicht einbüssen werden. Für uns aber verblasst unser Ruf im Vergleich zu unserem gemeinsamen Menschsein.» Den Brief beschliessen sie mit der Bitte an die vom Angriff betroffenen Iraker, «unsere Entschuldigung, unseren Kummer, unser Mitgefühl und unsere Verpflichtung zum Wandel von innen heraus» zu akzeptieren.

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