Aktualisiert 29.09.2009 12:39

Stadion gestürmt

Soldaten erschiessen über 100 Demonstranten

Soldaten haben im westafrikanischen Land Guinea ein Massaker unter Demonstranten mit mehr als 100 Toten angerichtet. Hunderte weitere Menschen wurden nach Angaben des Roten Kreuzes verwundet, als die Soldaten bei einer Protestkundgebung gegen die Militärjunta in die Menge schoss.

Die Afrikanische Union und die Europäische Union verurteilten am Dienstag den Gewaltausbruch scharf.

Rund 50 000 Menschen hatten am Vortag im Fussballstadion der Hauptstadt Conakry friedlich gegen den Anführer der Putschisten, Moussa «Dadis» Camara, protestiert. Camara sagte dem französischen Rundfunk, die Schüsse seien das Werk «unkontrollierbarer Elemente» in den Streitkräften. Selbst er als Staatschef könne diese Elemente nicht kontrollieren.

Die Menschenrechtsorganisation Human Rights Watch berichtete unter Berufung auf Augenzeugen von regelrechten Gewaltexzessen der Soldaten. Sie hätten Demonstrantinnen die Kleider vom Leib gerissen und sie auf der Strasse vergewaltigt. Andere Augenzeugen berichteten, die Soldaten hätten Demonstranten mit Messern und Bajonetten erstochen.

«Das Töten Dutzender unbewaffneter Demonstranten ist entsetzlich», sagte Corinne Dufka von Human Rights Watch. Die Machthaber in Guinea sollten sofort für ein Ende der Gewalt sorgen und die Verantwortlichen zur Rechenschaft ziehen.

Die Kommission der Afrikanischen Union sprach von einem «wahllosen Feuern auf unbewaffnete Zivilpersonen». Sie forderte die Militärjunta auf, Meinungs- und Versammlungsfreiheit zu achten. Der Aussenbeauftragte der Europäischen Union, Javier Solana, verlangte die unverzügliche Freilassung inhaftierter Oppositionspolitiker.

Oppositionsführer Toure vorübergehend festgenommen

Oppositionsführer Sidya Toure war vorübergehend festgenommen worden. Bei seiner Rückkehr in sein Haus am Dienstag musste er feststellen, dass dieses geplündert worden war.

Am Tag nach dem Blutbad patrouillierten Augenzeugen zufolge Soldaten durch die Strassen der Stadt und schossen in die Luft. Einige der Soldaten sollen alkoholisiert gewesen sein.

Die Spannungen in Guinea hatten sich zuletzt zugespitzt, nachdem Camara angedeutet hatte, er könnte bei der Präsidentschaftswahl am 31. Januar kandidieren. Er hatte sich im Dezember wenige Stunden nach dem Tod des langjährigen Diktators Lansana Conte an die Macht geputscht. Damals sagte er, er würde bei einer Präsidentschaftswahl nicht antreten.

(sda/dapd)

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