Aktualisiert 03.03.2020 07:35

Coronavirus-Prävention

Soldaten müssen jetzt Fuss an Kopf schlafen

Die Armee hat ihren ersten Coronavirus-Fall. Mit mehreren Massnahmen versucht sie, Ansteckungen zu verhindern.

von
J. Probst
1 / 34
Das Coronavirus hält auch die Armee in Atem. Nun gibt es einen ersten Fall in Wangen an der Aare.

Das Coronavirus hält auch die Armee in Atem. Nun gibt es einen ersten Fall in Wangen an der Aare.

Keystone/Christian Beutler
Infiziert sich ein Armeeangehöriger, wird dieser auf der Krankenstation isoliert. Und: «Je nachdem müsste der ganze Zug oder sogar die ganze Kompanie, also rund 150 Leute, unter Quarantäne gestellt werden», so Reist

Infiziert sich ein Armeeangehöriger, wird dieser auf der Krankenstation isoliert. Und: «Je nachdem müsste der ganze Zug oder sogar die ganze Kompanie, also rund 150 Leute, unter Quarantäne gestellt werden», so Reist

Keystone/Gaetan Bally
Deshalb hat die Armee Massnahmen ergriffen: Der Ausgang ist auf den Wehrplatz beschränkt und die Armeeangehörigen müssen abwechselnd mit dem Kopf in die eine und die andere Richtung schlafen.

Deshalb hat die Armee Massnahmen ergriffen: Der Ausgang ist auf den Wehrplatz beschränkt und die Armeeangehörigen müssen abwechselnd mit dem Kopf in die eine und die andere Richtung schlafen.

Keystone/Gaetan Bally

Im Schweizer Militär ist ein Armeeangehöriger positiv auf das Coronavirus getestet worden. Der Mann befand sich auf dem Waffenplatz Wangen an der Aare BE, wie Armeesprecher Daniel Reist am Dienstag mitteilte. Der Patient ist auf der Krankenstation des Waffenplatzes isoliert worden.

Die drei Personen, mit denen er das Zimmer geteilt hatte, wurden in Quarantäne auf der Krankenabteilung versetzt. Für die restlichen Armeeangehörigen, die tagsüber Kontakt mit dem Infizierten gehabt hatten, verhängte der Oberfeldarzt eine vorübergehende Quarantäne über Nacht. Zuvor hatt es bereits «einzelne» Verdachtsfälle gegeben, sagt Reist.

«Ansteckung nur eine Frage der Zeit»

Die Armee hat mit einem Fall gerechnet. Noch am Montag sagte Reist zu 20 Minuten: «Es ist nur eine Frage der Zeit, bis sich der erste Armeeangehörige ansteckt.» Das Ziel sei, dass das Coronavirus nicht in die Kaserne eingeschleppt wird: «Die Armee muss bereit sein, die Bevölkerung und die zivilen Behörden zu unterstützen», so Reist. Die Einsatzbereitschaft sei auch der Grund, weshalb keine Rekrutenschulen oder Wiederholungskurse abgesagt oder verschoben würden.

Prävention beim Schlafen

Um einen grossen Ausbruch trotzdem möglichst zu verhindern, greift das Militär auch zu ungewöhnlichen Mitteln. Reist: «Die Armeeangehörigen schlafen im Moment abwechslungsweise mit dem Kopf in die eine und die andere Richtung. So wird der Abstand zwischen den Personen trotz knapper Platzverhältnisse möglichst gross gehalten.»

Daneben seien auch der Ausgangsrayon in der ganzen Schweiz auf das Kasernenareal beschränkt und alle Besuchstage bis Mitte März abgesagt worden. Während des Wochenendes galten bislang keine besonderen Regeln. Ob das so bleibt, ist unklar: «Das hängt von der Situation Ende Woche ab», sagt Reist. Bereits jetzt gibt es beim Einrücken aber eine gesundheitliche Eintrittsmusterung: «Die Armeeangehörigen werden befragt, ob sie Symptome haben.»

Für den Fall von Erkrankungen stehe grundsätzlich eine beschränkte Anzahl Isolationszimmer zur Verfügung. Je nachdem würden Kranke aber auch ins Spital eingeliefert.

Mobilisierung im Krisenfall möglich

Ob und wann die Armee im Kampf gegen das Coronavirus zum Einsatz kommt, hängt derweil nicht von der Armee ab. «Wenn die zivilen Behörden ihre Leistungen nicht mehr erbringen können, stellen sie einen Antrag um Unterstützung.» Dieser werde dann je nach Umfang von der Armee, dem Bundesrat oder sogar dem Parlament behandelt.

Die Palette an möglichen Einsätzen ist gross: «Die Spitalbataillons sind zum Unterstützen von Spitälern trainiert, Fahrer und Sanitäter könnten Patienten transportieren, wenn die zivilen Ambulanzen an ihre Grenzen stossen und die Desinfektionseinheit könnte alles von Gebäuden und Ambulanzen bis hin zu Tieren desinfizieren», so Reist.

Die Armee könne aber noch viele weitere Leistungen, wie etwa Screenings an Flughäfen, erbringen. Grundsätzlich würden für die Einsätze die Armeeangehörigen im Dienst eingesetzt. Reist: «Je nach Grösse und Ausrichtung kann es aber durchaus nötig werden, zusätzliche Leute zu mobilisieren.»

Haben Sie sich mit dem Coronavirus angesteckt oder sind Sie in Quarantäne? Für einen Artikel suchen wir Betroffene, die uns von ihren Erfahrungen berichten. Die Redaktion freut sich über eine Kontaktaufnahme im Formular unten. Wir behandeln Ihre Angaben vertraulich.

Fehler gefunden?Jetzt melden.