Aktualisiert 04.10.2019 07:41

Vaterschaftsurlaub

Soldaten und Rekruten erhalten keine Papi-Zeit

Das Parlament hat zwei Wochen Vaterschaftsurlaub zugestimmt. Wer aber im WK oder in der RS ist, wird davon nicht profitieren.

von
kat
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Weil der gesetzlich festgeschriebene Vaterschaftsurlaub sich nur auf die Erwerbsarbeit bezieht, können einzig Berufsmilitärs künftig davon profitieren. Bild: Ein Ausbildner sitzt mit seiner Tochter auf einem Panzer am Besuchstag für Familienangehörige auf dem Waffenplatz in Thun. (17. August 2019)

Weil der gesetzlich festgeschriebene Vaterschaftsurlaub sich nur auf die Erwerbsarbeit bezieht, können einzig Berufsmilitärs künftig davon profitieren. Bild: Ein Ausbildner sitzt mit seiner Tochter auf einem Panzer am Besuchstag für Familienangehörige auf dem Waffenplatz in Thun. (17. August 2019)

Keystone/Peter Klaunzer
Wie die Armee laut Bericht verlauten lässt, «könne es nicht darum gehen, frisch gewordene Väter bei der Erfüllung der Militärdienstpflicht zu privilegieren».

Wie die Armee laut Bericht verlauten lässt, «könne es nicht darum gehen, frisch gewordene Väter bei der Erfüllung der Militärdienstpflicht zu privilegieren».

Keystone/Peter Klaunzer
«Zwei Wochen reichen nicht. Die Schweiz befindet sich gleichstellungspolitisch immer noch in der Steinzeit», sagt Daniel Bekcic, Leiter Politik des Dachverbands der Schweizer Männer- und Väterorganisationen.

«Zwei Wochen reichen nicht. Die Schweiz befindet sich gleichstellungspolitisch immer noch in der Steinzeit», sagt Daniel Bekcic, Leiter Politik des Dachverbands der Schweizer Männer- und Väterorganisationen.

Keystone/Gaetan Bally

Lange wurde darüber debattiert, dann endlich wurde es beschlossen: Väter sollen zwei Wochen bei ihren neugeborenen Kindern bleiben dürfen. Nach dem Ja des Parlaments freuten sich die einen, die anderen ärgerten sich, dass nicht vier Wochen gesetzlich verankert werden.

Hingegen gar nichts zu jubeln haben Soldaten und Rekruten, denn das Militärrecht kennt keinen Vaterschaftsurlaub. 120'000 junge Schweizer Männer rücken jährlich in einen WK ein. Dieser dauert drei bis vier Wochen. Auch wenn sie gerade Vater geworden sind, wird das Parlaments-Ja nichts ändern, schreibt CH Media.

Wie die Armee laut Bericht verlauten lässt, «könne es nicht darum gehen, frisch gewordene Väter bei der Erfüllung der Militärdienstpflicht zu privilegieren». Und ein Anrecht auf persönlichen Urlaub bestehe grundsätzlich nicht, kann jedoch vordienstlich beantragt werden. (Hier zu den detaillierten Bedingungen.)

Verschiebungsgesuche

Es ist also möglich, für die Geburt seines Kindes eine kurze Auszeit zu beantragen, die aber grob gesagt nicht über die Dauer eines Besuchs im Kreissaal hinausgeht. In der Verordnung über die Militärdienstpflicht steht aber auch, dass Verschiebungsgesuche bewilligt werden, wenn das «private Interesse der gesuchstellenden Person das öffentliche Interesse an der Leistung des Ausbildungsdienstes zur vorgesehenen Zeit überwiegt». Seit ein paar Jahren gehöre dazu auch die Kinderbetreuung, insofern sich kein Ersatz finden lasse. Wenn die Mutter jedoch da ist, scheint das Betreuungsproblem gelöst zu sein.

Weil der gesetzlich festgeschriebene Vaterschaftsurlaub sich nur auf die Erwerbsarbeit bezieht, können einzig Berufsmilitärs künftig davon profitieren. Um eine generelle Gültigkeit zu erlangen, müsste die Militärdienstpflicht-Verordnung geändert werden.

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