Armee-Video: Soldaten zu Schüssen auf Freundin aufgefordert
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Armee-VideoSoldaten zu Schüssen auf Freundin aufgefordert

In einem Video fragt ein Vorgesetzter seine Soldaten, wie sie reagieren würden, wenn sie ihre Freundin mit einem anderen im Bett erwischen würden. Diese ballern los.

von
duf

Ein Vorgesetzter plädiert für einen zivilen Waffeneinsatz bei einer Übung der Schweizer Armee.

«Ihr kommt nach Hause und erwischt eure Freundin mit einem anderen im Bett. Wie reagiert ihr?», schreit ein Vorgesetzter in einem Video seinen Soldaten zu. Diese zögern keinen Moment – und schiessen.

Das Video stammt von einer Schiessübung der Schweizer Armee. Sprecher Daniel Reist ist empört: «Dieses Video – wenn es denn echt und nicht von irgendwem mit Voice-Over nachvertont wurde – ist aus Sicht Verteidigung und Armeeführung geschmacklos und absolut nicht tolerierbar», sagt er auf Anfrage von 20 Minuten.

Die Militärjustiz hat eine Untersuchung eröffnet. Wie Sprecherin Daniela Cueni auf Anfrage bestätigt, sei der fehlbare Vorgesetzte zwischenzeitlich ermittelt worden. «Die Ermittlungen haben ergeben, dass das Video von letzter Woche stammt und echt ist. Wo das Video aufgenommen wurde, können wir aus ermittlungstaktischen Gründen aber nicht bekanntgeben», so Cueni. Auch welche Konsequenzen dem Vorgesetzten drohen, konnte Cueni noch nicht sagen.

Nur nützliche Szenarien üben

Lewin Lempert, Sekretär der Gruppe für eine Schweiz ohne Armee (GSoA), sagt zur im Video festgehaltenen Aktion: «Sie zeigt einmal mehr, dass in der Schweizer Armee vieles schief läuft.» Er erwartet, dass bei solchen Vorfällen eine Nulltoleranz zur Anwendung kommt und die Verantwortlichen entsprechend sanktioniert werden. «Leider ist aber die Militärjustiz bei solchen Vorfällen oft viel zu lasch und bestraft milder als zivile Stellen und Gerichte.»

Auch SP-Nationalrätin Chantal Galladé hat das Video gesehen. «Ich finde das verwerflich und finde, die Armee sollte nur Szenarien üben, die im Militär-Alltag auch wirklich von Nutzen sein können.» Gerade weil immer wieder über den zivilen Gebrauch von Armeewaffen diskutiert werde, seien solche Aktionen problematisch. «Man stelle sich vor, jemand würde tatsächlich in eine solche Situation geraten.»

Nicht der erste Zwischenfall

Die Armee stand in letzter Zeit immer wieder wegen Vorfällen mit Soldaten in der Kritik. Ende November 2016 stand eine Gruppe von Soldaten vor Gericht, weil sie in der Truppenunterkunft Elm zwei ihrer Kollegen gefesselt und gequält haben sollen. Im Januar dieses Jahres ermittelte die Polizei zudem wegen Armeeangehörigen, die ein Hakenkreuz in den Schnee zeichneten und den Hitlergruss zeigten.

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