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Kritik an Maurer«Solidarität mit Blatter ist völlig unangebracht»

Trotz heftiger Kritik an Sepp Blatter steht Bundesrat Ueli Maurer hinter dem Fifa-Chef. Das sorgt bei Politikern für Unmut.

von
sma
Ueli Maurer spricht während der Eröffnungszeremonie des Fifa-Kongresses am 28. Mai in Zürich.

Ueli Maurer spricht während der Eröffnungszeremonie des Fifa-Kongresses am 28. Mai in Zürich.

Es gehe nicht an, Fifa-Präsident Sepp Blatter als Sündenbock abzustempeln, sagte Bundesrat Ueli Maurer anlässlich eines Podiumsgesprächs am Swiss Media Forum in Luzern. Dass der Sportminister den Fifa-Chef angesichts des Korruptionsskandals in Schutz nimmt, sorgt unter Politikern für Kopfschütteln. Denn während sich etwa der britische Premierminister David Cameron und der französische Präsident François Hollande gegen Blatter stellen und gar einen «Führungswechsel» fordern, stellt sich Maurer vor den Fifa-Chef und sagt: Es dürfe nicht vergessen werden, dass Blatter Hervorragendes für den Fussball geleistet habe.

Für Juso-Chef Fabian Molina sind Maurers Aussagen völlig unpassend. Auf Twitter schreibt er: «Wladimir Putin und Ueli Maurer schützen @SeppBlatter. Who's next? #FIFAgate».

«Dass unser Sportminister Blatter von der ganzen Korruptionsaffäre ausschliesst, halte ich für genauso fragwürdig, wie dessen Teilnahme am Fifa-Kongress überhaupt.» Stattdessen fordert Molina: «Maurer muss Tacheles reden und Blatters Rücktritt fordern.» Weil beide Männer offenbar befreundet seien, fehle dem Bundesrat aber dazu wohl leider der Mut.

«Maurer will sich mit fremden Federn schmücken»

Auch bei der grünen Nationalrätin Aline Trede hinterlässt Maurers Auftritt einen fahlen Beigeschmack: «Seine Solidarität für Blatter ist völlig unangebracht.» Auch sie bedauert, dass sich der Bundesrat nicht getraue, Klartext zu reden. «Nur weil Blatter ein Schweizer ist, sollte er deswegen keine Extrabehandlung bekommen.»

Auch Maurers Schlussfolgerung, dass die Verhaftungen für den Sport schlussendlich gut seien, ist für Trede reinste Heuchelei: «Was genau hat die Schweizer Regierung zu dieser Ermittlung beigetragen?» Schliesslich seien es die Amerikaner gewesen, die den Stein ins Rollen gebracht hätten. «Und Maurer versucht sich jetzt mit fremden Federn zu schmücken.»

Doch nicht nur Politiker ärgern sich über den Sportminister. Auch auf Twitter lassen die User kein gutes Haar an ihm.

«Es liegt nicht an Maurer, Blatter die rote Karte zu zeigen»

Überhaupt nicht problematisch schätzt SVP-Nationalrat Maximilian Reimann Maurers Auftritt ein. Er verteidigt den Bundesrat und meint: «Maurer hat die Schweiz als Sportminister an einer wichtigen internationalen Veranstaltung vertreten und sich nach bestem Wissen und Gewissen geäussert.» Die beiden Männer würden sich schon lange kennen, zwischen ihnen bestehe eine gewisse Nähe, nämlich «swiss connection». «Hätte Ueli Maurer ihm etwa die rote Karte zeigen sollen?» Maurer sei ein Exekutiv-Mitglied, das Fifa-Dossier aber liege bei der Bundesanwaltschaft, Gewaltentrennung sei zu respektieren. «Die Bundesregierung hat sich zum jetzigen Zeitpunkt folglich gar nicht einzumischen.»

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