St. Gallen: Solidaritätswelle für Facebook-Verurteilte
Aktualisiert

St. GallenSolidaritätswelle für Facebook-Verurteilte

Grosse Unterstützung für die 19-jährige S.S.*, die am Montag wegen den Worten «Seckel» und «truuige Mensch» verurteilt wurde. Jetzt wird Geld für sie gesammelt.

von
Marlene Kovacs
Kugl-Chef Daniel Weder und die verurteilte 19-jährige S.S. Foto: tob/mko

Kugl-Chef Daniel Weder und die verurteilte 19-jährige S.S. Foto: tob/mko

Das Urteil im Cyber-Mobbing-Prozess des Kreisgerichts St. Gallen Anfang Woche hat eine Welle der Solidarität ausgelöst. «Ich habe etliche Mails, SMS und Anrufe von Freunden und Bekannten bekommen. Alle unterstützen mich», sagte S.S. gestern zu 20 Minuten, «das hätte ich nie erwartet.» Die Lehrtochter hatte wegen der Ausdrücke «Seckel» und «truurige Mensch» in der Facebook-Gruppe «Gegen die Schliessung des Kugl» eine bedingte Geldstrafe von insgesamt 210 Franken kassiert. Die Probezeit beträgt zwei Jahre. Auch die Gerichtskosten von 1250 Franken muss sie übernehmen.

«Das Urteil ist eine Sauerei. Wie kann die Justiz gegen eine Lehrtochter, die kurz vor dem Abschluss steht, so hart vorgehen», sagt Arbeitskollege Hansi Dornbierer. In der Firma würde man nun eine Kollekte starten. «Ich selbst spende 100 Franken», so Dornbierer. Auch in der Facebook-Gruppe wird heftig diskutiert. «Das Urteil ist völlig übertrieben. Schlimm, dass sie wegen so einem Blödsinn nun eine Vorstrafe hat», sagt Kugl-Chef Daniel Weder. Er hat deshalb in der Gruppe dazu aufgerufen, für S.S. Geld zu sammeln. «Sie soll nicht selbst für die Strafe aufkommen müssen», so Weder. Er fände es gut, wenn die 19-Jährige das Urteil weiterziehen würde. «Den Fall so stehen zu lassen, wäre schade», sagt Weder. Der Entscheid der Lehrtochter steht noch aus.

*Name der Redaktion bekannt

Cyber-Mobbing: Mehr Anzeigen erwartet

Das Urteil im «Facebook-Beschimpfungs-Fall» der 19-jährigen S.S.* könnte eine Welle neuer Cyber-Mobbing-Klagen auslösen: «Der Fall zeigt Betroffenen, dass Cyber-Mobbing strafbar ist und die Polizei auch dagegen ermittelt», sagt Martin

Boess von der Schweizerischen Kriminalprävention gegenüber dem «DRS Regionaljournal». Wenn jemand im Internet beschimpft oder gemobbt wird, kann er bei der Polizei Anzeige erstatten. Diese leitet den Fall anschliessend an die Staatsanwaltschaft weiter. Bisher wurde bei der Kapo St. Gallen aber kaum Gebrauch davon gemacht: In den letzten drei Jahren seien nur neun Anzeigen wegen Cyber-Mobbing eingegangen, sagt Kapo-Sprecher Hanspeter Krüsi. tob

Deine Meinung