Ideen der Leser: Soll die Armee die Autoprüfung bezahlen?
Aktualisiert

Ideen der LeserSoll die Armee die Autoprüfung bezahlen?

Ausschlafen, 6000 Franken Sold, bezahlte Autoprüfung: So wollen die Leser das Image der Armee aufpolieren. Ein Psychologe erklärt, was tatsächlich motiviert.

von
pam
1 / 9
Wie kann der Militärdienst wieder attraktiver gestaltet werden? Die 20-Minuten-Leser hätten da einige Vorschläge. Etwa, dass die Armee die Autoprüfung bezahlt. Bisher ist es so, dass angehende Fahrer diese bereits bei der Rekrutierung absolviert haben müssen.

Wie kann der Militärdienst wieder attraktiver gestaltet werden? Die 20-Minuten-Leser hätten da einige Vorschläge. Etwa, dass die Armee die Autoprüfung bezahlt. Bisher ist es so, dass angehende Fahrer diese bereits bei der Rekrutierung absolviert haben müssen.

Keystone/Gaetan Bally
Weitere Vorschläge nimmt Hubert Annen, Dozent für Militärpsychologie und Militärpädagogik an der ETH Zürich, unter die Lupe.

Weitere Vorschläge nimmt Hubert Annen, Dozent für Militärpsychologie und Militärpädagogik an der ETH Zürich, unter die Lupe.

MILAK
Die Armee sollte schon für Rekruten einen Sold in der Höhe von 6000 Franken pro Monat bezahlen.Annen: «Kurzfristig würde ein solcher – notabene luxuriöser – Geldanreiz zu einer Motivationssteigerung führen. Ich bezweifle aber, dass dieser Effekt nachhaltig wäre. Denn es besteht die Gefahr, dass die Jungen dann nur noch des Geldes wegen in die Rekrutenschule eintreten und nach der RS den Dienst quittieren.»

Die Armee sollte schon für Rekruten einen Sold in der Höhe von 6000 Franken pro Monat bezahlen.Annen: «Kurzfristig würde ein solcher – notabene luxuriöser – Geldanreiz zu einer Motivationssteigerung führen. Ich bezweifle aber, dass dieser Effekt nachhaltig wäre. Denn es besteht die Gefahr, dass die Jungen dann nur noch des Geldes wegen in die Rekrutenschule eintreten und nach der RS den Dienst quittieren.»

Keystone/Martin Ruetschi

Das Image der Schweizer Armee ist bei angehenden Rekruten angekratzt: Letztes Jahr verabschiedeten sich laut einer Auswertung des Bundesrats 2872 junge Männer direkt nach der Rekrutierung in den Zivildienst. Das ist ein Drittel mehr als noch 2011.

Diese Entwicklung will Armeechef Philippe Rebord nun korrigieren, indem sich «die Armee der Gesellschaft anpasst». Als Massnahme schlägt Rebord eine «Handy-Viertelstunde» vor. Diese Idee stösst auf wenig Gegenliebe: 66 Prozent der 20-Minuten-Leser finden die Massnahme «absolut lächerlich».

Doch welche Ideen hätten die Leser, um die «beste Armee der Welt» wieder auf Kurs zu bringen? Hubert Annen, Dozent für Militärpsychologie und Militärpädagogik an der ETH Zürich, nimmt die Vorschläge unter die Lupe.

• Die Armee sollte schon für Rekruten einen Sold in der Höhe von 6000 Franken pro Monat bezahlen.

Annen: «Kurzfristig würde ein solcher – notabene luxuriöser – Geldanreiz zu einer Motivationssteigerung führen. Ich bezweifle aber, dass dieser Effekt nachhaltig wäre. Denn es besteht die Gefahr, dass die Jungen dann nur noch des Geldes wegen in die Rekrutenschule eintreten und nach der RS den Dienst quittieren. Unsere Milizarmee ist jedoch darauf angewiesen, dass Soldaten auch weitermachen und Führungsaufgaben übernehmen.»

• Ein Kontingent an Freitagen während der RS

«Grundsätzlich ist das ein Vorschlag, der den Alltag der Armeeangehörigen erleichtern würde. Heute müssen Rekruten, wenn Sie zum Beispiel für einen Prüfungstermin an der Uni ein Urlaubsgesuch stellen, je nachdem viel Geduld aufbringen. Ein Kontingent an Freitagen würde solche Abläufe vereinfachen. Natürlich dürfen es nicht zu viele Joker-Tage sein. Ansonsten ist es für die Führung nicht mehr möglich, die Ausbildung oder Übungen zu planen.»

• Ausschlafen nach dem Ausgang

«Die Idee tönt natürlich verlockend. Aber Sinn macht das nur, wenn es als Belohnung gedacht ist. Längeres Ausschlafen, beispielsweise bis 8 Uhr, sollte wenn schon, an eine Leistung geknüpft sein. Vorgesetzte könnten es beispielsweise gewähren, nachdem eine intensive Nachtübung geleistet wurde.

• Normale Büro-Arbeitszeiten wie im Zivildienst

«Weiterhin am Abend Freunde zu treffen oder seinem Hobby nachzugehen, wäre natürlich durchaus eine Motivationsspritze. Gerade zu Beginn der Rekrutenschule ist es ja für viele junge Erwachsene ein grosser Schritt, nur am Wochenende zu Hause zu sein. Aber praktikabel wäre das nicht: Die Ausbildungsinhalte wären während der Bürozeiten wohl kaum zu schaffen.»

• Mehr sinnvolle Einsätze im WK, zum Beispiel am WEF oder an der Ski-WM

«Der Mensch will grundsätzlich etwas Sinnvolles tun, also ginge das schon in die richtige Richtung. Wir sehen, dass etwa Rekruten der Rettungstruppe ihren Dienst als sinnvoll empfinden, weil sie bei Übungen oder bei Naturereignissen direkt ihre Fähigkeiten anwenden können. Aber letztlich stehen die Aufträge der ganzen Armee im Vordergrund. Deshalb besteht die Herausforderung der Führungskräfte neben der Förderung von «sinnvollen» Einsätzen darin, den Nutzen einer Übung – auch wenn sie mal aus nicht so attraktiven Aufgaben oder gar aus Warten besteht – zu vermitteln.»

• Wöchentliche Besuchstage pro Woche für Freundinnen

«Und was machen jene, die keine Freundin haben? Möchten die Freundinnen der Rekruten beispielsweise den Weg von Zürich nach Bière überhaupt auf sich nehmen? Ist in der Kaserne die nötige Infrastruktur vorhanden? Man sieht, die Idee wirft viele Fragen auf. Deshalb denke ich, der Vorschlag würde eher zu Chaos als zu einem Motivationsschub führen.»

• Bezahlte Autoprüfung im Militär

«Ausbildungsinhalte, die auch fürs zivile Leben verwertet werden können, sind ein grosser Motivationsfaktor. Die Grenzen solcher Leistungen sollte die Armee jedoch im Rahmen ihres Ausbildungsauftrags abstecken. Denn sie ist nicht für die zivile Ausbildung der Jugend zuständig, sondern für die Landesverteidigung. Anzumerken ist jedoch, dass es Bestrebungen in diese Richtung gibt und dass bestimmte Ausbildungsinhalte in der Armee ganz besonders gut gelernt und geübt werden können. So kann die Führungsausbildung mittlerweile an diversen Unis oder Fachhochschulen angerechnet werden.»

• Leerläufe vermeiden: Am Montag morgens einrücken und am Freitagnachmittag nach Hause

«Aus Umfragen wissen wir, dass die Rekruten ohnehin wenig motiviert sind, wenn sie einrücken müssen – egal ob Sonntagabend oder Montagmorgen. Deshalb glaube ich, dass eine Anpassung hier kaum einen bedeutsamen Effekt hätte.

• Die Bedrohung kommt nicht mehr von Gewehren, Panzern und Flugzeugen. Cyberattacken können genauso verheerend sein. Deshalb: Ich finde, es ist Zeit, dass etwa Informatikstudenten ihren Militärdienst im IT-Bereich absolvieren können.

«Bereits die heutige Praxis sieht vor, die angehenden Rekruten nach ihren Fähigkeiten und Neigungen einzuteilen. Es besteht aber tatsächlich noch Potenzial, um das zivile Wissen besser zu integrieren – gerade im Informatikbereich. Diesbezüglich hatte sogar der Präsident der ETH Zürich schon Bereitschaft signalisiert, mit der Armee im Hinblick auf eine «Cyber-RS» zusammenzuarbeiten.

Deine Meinung