Vorlesetag: Soll man auf Hochdeutsch oder Mundart vorlesen?
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VorlesetagSoll man auf Hochdeutsch oder Mundart vorlesen?

Einst als sinnloser Zeitvertreib verpönt, wird Vorlesen heute angepriesen – aus gutem Grund.

von
Fee Riebeling
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Wem als Kind regelmässig vorgelesen wurde, der liest selbst häufiger und intensiver und deshalb auch besser. Das haben Studien gezeigt.

Wem als Kind regelmässig vorgelesen wurde, der liest selbst häufiger und intensiver und deshalb auch besser. Das haben Studien gezeigt.

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Für Kinder ist aber nicht nur das Vorgelesen-Bekommen wichtig, sondern auch das Selbstvorlesen. Ideale Zuhörer sind übrigens Hunde. Sie geben Kindern, die sich mit dem Vorlesen schwertun,  Selbstvertrauen.

Für Kinder ist aber nicht nur das Vorgelesen-Bekommen wichtig, sondern auch das Selbstvorlesen. Ideale Zuhörer sind übrigens Hunde. Sie geben Kindern, die sich mit dem Vorlesen schwertun, Selbstvertrauen.

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So oder so: Vorlesen ist wichtig. Das wissen auch die 20-Minuten-Redaktoren, die auch heute noch spontan ihr Lieblingsvorlesebuch nennen können, wie die nächsten Slides zeigen.

So oder so: Vorlesen ist wichtig. Das wissen auch die 20-Minuten-Redaktoren, die auch heute noch spontan ihr Lieblingsvorlesebuch nennen können, wie die nächsten Slides zeigen.

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Frau Jakob, Lesen und Vorlesen galten einst als sinnlos, heute als essenziell. Was ist passiert?

Die Beschäftigung mit Büchern war den oberen Schichten vorbehalten. Das ist heute – in unseren Breitengraden – anders. Lesen ist wohl die wichtigste Kulturtechnik.

Hinzu kommt: Damals hat man vor allem Unterhaltungsliteratur gelesen. Das diente dem Zeitvertreib. Heute muss man lesen können, um in der Gesellschaft zu bestehen. Wie sollte man sonst an Informationen kommen und sich darin orientieren?

Was hat Vorlesen damit zu tun?

Es sorgt dafür, dass schon die Kleinsten erleben, dass Lesen etwas Spannendes ist. Wer weiss, dass zwischen zwei Buchdeckeln etwas Spannendes stecken könnte, der will das wieder und wieder. So entwickelt sich Lesefreude.

Wie vermittelt man den Spass am Lesen am besten?

Indem man zeigt, dass man selbst Freude daran hat – und dass man grosses Interesse an der Person hat, der man vorliest. Denn Vorlesen funktioniert stark auf der Beziehungsebene.

Was heisst das?

Es gibt verschiedene Arten von Vorlesen. Zum Beispiel das klassische Vorlesen, bei dem man Kindern unkommentiert vorliest. Dabei hören diese mehrheitlich nur zu. Der Genuss der Geschichte steht im Vordergrund. Gespräche finden eher im Anschluss statt.

Beim dialogischen Vorlesen dagegen entdecken Vorleser und Zuhörer eine Geschichte gemeinsam. Das Kind bringt sich ein und wird selbst sprachlich aktiv. Wichtig ist dabei, dass man sich vom Kind und seinen Interessen leiten lässt.

Idealerweise erleben Kinder beide Formen, durch verschiedene Personen, zu Hause und in der Schule. In beiden Fällen ist das Vorlesen eine Art Startrampe für vieles, was man im Leben braucht.

Wofür?

Für die Fantasieentwicklung, das Vorstellungsvermögen und auch die emotionale Entwicklung. Das Kind merkt, es ist mit seinem Gefühl nicht allein. All das plus die sprachliche Herausforderung sind eine kognitive Herausforderung. Das führt dazu, dass Kinder in ganz vielen Bereichen aktiviert werden und vorwärtskommen.

Kann ein gemeinsam geschauter Film das Vorlesen ersetzen?

Nur beschränkt. Ein Film interagiert ja nicht mit dem Zuschauer, genauso wenig wie ein Hörbuch. Man kann zwar alles unterbrechen und dann mit einer anderen Person interagieren, aber das ist alles viel künstlicher als eine spontane Gesprächssituation, die sich aus dem Vorlesen ergibt.

Was muss man beim Vorlesen beachten?

Zentral ist, dass sich der Vorleser für seine Zuhörer interessiert. Beim letzten Vorlesetag hat Gilbert Gress einer Gruppe 10-Jähriger vorgelesen – aus seiner Autobiografie. Da hab ich gedacht: ‹Das wird nix!› Aber es war überhaupt kein Problem. Er las vor, wie er damals barfuss getschuttet hat. Dann hat er die Kinder angeschaut und gefragt: ‹Gell, das kennt ihr nicht. Ihr habt alle Turnschuhe?› Dann hat ein Gespräch begonnen, an dem sich alle beteiligt haben. Gress hat die Kinder richtig abgeholt.

Wie lange sollte man seinem Nachwuchs am Stück vorlesen?

Ein guter Vorleser orientiert sich am Interesse der Kinder. Es gibt zwar Empfehlungen, die sich an der bekannten Aufmerksamsspanne von Kindern orientieren, aber in erster Linie geht es darum, miteinander in Kontakt zu sein. Man darf auch nicht irritiert sein, wenn sich Kinder mittendrin abwenden. Das zeigt nur, dass es für dieses Mal reicht oder dass die Geschichte für das Kind im Moment nicht so spannend ist.

Wie findet man die richtige Lektüre fürs Kind?

Man sucht sie gemeinsam mit dem Kind aus. Kinder können schon relativ früh herausfinden, was ihnen gefällt. Super geeignet sind dafür Bibliotheken.

Und wenn der Nachwuchs immer und immer wieder dieselbe Geschichte hören will?

Das ist ein ganz deutliches Zeichen dafür, dass das Kind noch nicht mit der Geschichte abgeschlossen hat – und dass das Kind bereits Lesekompetenz erlangt hat. Es hat die Geschichte so intus, dass es weiss, wie sie verläuft und sich auf das freut, was kommt.

Sollte man auf Hochdeutsch oder Schweizerdeutsch vorlesen?

Auch hier sollte man sich vom Kind leiten lassen. Häufig sind aber gerade jüngere Kinder bereit, Schriftsprache zu hören, weil sie gemerkt haben, dass die Grossen sie öfter mal benutzen. Das wollen sie dann auch. Die Angst der Erwachsenen, dass die Kleinen das nicht verstehen, ist in der Regel unbegründet. Klar sind einzelne Wörter neu. Aber im Leben eines kleinen Kindes sind jeden Tag viele Dinge neu. Und ohne all die neuen Impulse entwickelt sich ein Kind nicht.

Barbara Jakob ist beim Schweizerischen Institut für Kinder- und Jugendmedien für den Bereich literale Förderung zuständig.

Schweizer Vorlesetag

Wer vorgelesen bekommt, profitiert auf ganzer Linie. Damit sich das herumspricht, hat das Schweizerische Institut für Kinder- und Jugendmedien SIKJM den Schweizer Vorlesetag ins Leben gerufen. In diesem Jahr findet er am 22. Mai 2019 statt.

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