Aktualisiert 14.09.2016 09:44

1 bis3 Millionen Schaden

Soll man den Biber abschiessen?

Kaputte Strassen und ausgehöhlte Böden: Der Bund soll für durch Biber verursachte Schäden zahlen, so eine Initiative. Auch Abschüsse werden erwogen.

von
lz
1 / 6
Im Thurgau ärgern sich die Bauern und Gemeinden über Schäden durch Biberdämme. Darum kommt am Mittwoch eine neue Initiative im Nationalrat zur Debatte.

Im Thurgau ärgern sich die Bauern und Gemeinden über Schäden durch Biberdämme. Darum kommt am Mittwoch eine neue Initiative im Nationalrat zur Debatte.

iStock/ Stanley45
Für Schäden an Ernte und Feld kommt der Bund heute schon auf. Wenn aber Biber Strassen aushöhlen, müssen die Bauern und Gemeinden das selbst berappen.

Für Schäden an Ernte und Feld kommt der Bund heute schon auf. Wenn aber Biber Strassen aushöhlen, müssen die Bauern und Gemeinden das selbst berappen.

Paul Koch
«Das Jagdgesetz ist viel zu alt.»Es habe Schäden an Herden durch Raubtiere, aber nicht solche durch Biber bedacht, meint der Initiant der Vorlage, Kantonsrat und Revierförster Paul Koch (SVP).

«Das Jagdgesetz ist viel zu alt.»Es habe Schäden an Herden durch Raubtiere, aber nicht solche durch Biber bedacht, meint der Initiant der Vorlage, Kantonsrat und Revierförster Paul Koch (SVP).

epa/Sasa Stankovic

Im Thurgau ärgern sich die Bauern über die Biber. Sie überschwemmen nicht nur ihre Felder, sie untergraben auch wassernahe Scheunen und Wege, die dann einstürzen. Für Letzteres müssen die Bauern und Gemeinden selbst aufkommen. Bund und Kantone zahlen nur für Schäden an Ernte oder Feldern. Wird Infrastruktur beschädigt, bleibt die Kasse dagegen zu. Im Kanton Thurgau belaufen sich die Infrastrukturschäden auf bis zu 200'000 Franken. Für die gesamte Schweiz schätzt die Ständeratskommission die Schäden auf ein bis drei Millionen Franken. Am Mittwoch debattiert der Nationalrat über eine Standesinitiative, die diese Situation ändern möchte.

«Das Jagdgesetz ist viel zu alt. Als es in Kraft getreten ist, waren die bundesweit geschützten Arten meist grosse Raubtiere», sagt Initiant und Thurgauer Kantonsrat Paul Koch (SVP). Diese würden gemäss dem Förster zwar landwirtschaftliche, aber keine Infrastrukturschäden verursachen. Deshalb sei im Gesetz für diese Schäden auch keine Kompensation vorgesehen .«Der Biber ging damals vergessen.»

Soll man den Biber abschiessen?

Die Biber umzuplatzieren ist für Koch keine Lösung, weil sie meist zurückkämen. «Der Biber hat grosse Lebensräume für sich erschliessen können.» Nun müsse man darauf achten, dass er nicht in die Kulturlandschaft und Dörfer eindringe. «Die Akzeptanz der Biber in der Bevölkerung ist noch gross, das könnte sich aber ändern», sagt Koch.

Die Biberpopulation wachse und könne bald aus den geschützten Arten austreten. Dies liege daran, dass ohne Raubtiere der Mensch sein einziger natürlicher Feind sei. Koch sagt: «Wenn die Population in Zukunft überhandnimmt, ist eine Jagderlaubnis für Biber nicht auszuschließen. In Bayern gibt es die jetzt schon.»

«Entschädigung ist unnötig»

Die Ständeratskommission hält eine Entschädigung für unnötig. Die meisten Biberschäden würden gerade mal zehn Meter vom Wasser entfernt entstehen. «Wenn zukünftig die vorgeschriebenen Gewässerräume eingehalten würden, sänken die Schäden massiv», sagt der Sprecher der Kommission, Werner Luginbühl (BDP).

Initiant Koch hält diese Massnahmen für unnütz: «Auf diesen Gebieten hat es auch Strassen, und die kann man nicht einfach verschieben.»

Auch dies ist für die Kommission kein Grund für weitere Kompensationen. Die meisten Strassen in Wassernähe seien landwirtschaftliche Wege und keine befestigten Strassen. Darüber hinaus setze eine Zahlung falsche Anreize. «Wer für einen eingestürzten Weg entschädigt wird, der repariert diesen einfach, anstatt ihn weit genug weg zu verlegen», so Luginbühl.

«Biber sind die Kosten wert»

Die Naturschutzorganisation Pro Natura lehnt eine Entschädigung für beschädigte Infrastruktur im Grunde nicht ab. «Die Kompensation darf aber nicht als Vorwand genutzt werden, keine Schadensprävention zu machen», so ihr Sprecher Roland Schuler. Es gebe ja auch andere Massnahmen, um Biberschäden zu vermindern. Man könne zum Beispiel Gitter anbringen, um die Biber daran zu hindern, Strassen auszuhöhlen.

Ein Szenario, das den Abschuss erfordert, ist für Schuler nicht vorstellbar. Es sei ein Glück, dass die Biber in der Schweiz wieder einen Lebensraum gefunden haben. «Der Biber ist ein besonderes Tier, er schafft Lebensräume für zahlreiche bedrohte Arten.» Den Schaden, der dabei zustande komme, mache der Biber durch seine Arbeit für die Biodiversität mehrfach wett.

Biberjagd in Kanada

In Kanada ist das Jagen von Bibern legal und hat lange Tradition. Schon kurz nach der Besiedlung Nordamerikas begann ein reger Handel mit Biberpelzen nach Europa. Das Fell war für Hüte beliebt, weil es sich besonders gut zum Filzen eignet.

Auch andere Teile des Bibers sind verwertbar. Ihr Fleisch ist essbar und soll ähnlich wie Rind schmecken. Sie besitzen auch eine spezielle Öldrüse, die einen Stoff mit dem Namen «Bibergeil» produziert. Dieser Stoff wird in der Parfumherstellung und als Lebensmittelzusatz verwendet.

Deine Meinung

Fehler gefunden?Jetzt melden.