Aktualisiert 01.03.2020 07:11

Coronavirus-Gefahr

Soll man jetzt noch Zug fahren?

Während Veranstaltungen mit über 1000 Personen schweizweit verboten sind, gelten an Bahnhöfen oder in Zügen keine Einschränkungen. Pendler sind verunsichert.

von
daw
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Nach einem Hinweis wurde im deutschen Bundesland Rheinland-Pfalz ein Regionalzug gestoppt. Der Grund: Coronavirus-Verdacht (26. Februar 2020).

Nach einem Hinweis wurde im deutschen Bundesland Rheinland-Pfalz ein Regionalzug gestoppt. Der Grund: Coronavirus-Verdacht (26. Februar 2020).

Foto Hosser
Auch ein Zug der ÖBB kam mit mehreren Stunden Verspätung in München an. Der Zug war am Brenner wegen zweier Verdachtsfälle gestoppt worden. (24. Februar 2020)

Auch ein Zug der ÖBB kam mit mehreren Stunden Verspätung in München an. Der Zug war am Brenner wegen zweier Verdachtsfälle gestoppt worden. (24. Februar 2020)

Lino Mirgeler
Der Zug war in Venedig losgefahren.

Der Zug war in Venedig losgefahren.

Expa/johann Groder

Trotz der Corona-Fälle in der Schweiz läuft im öffentlichen Verkehr alles wie gehabt. Gesundheitsminister Alain Berset machte am Freitag an einer Pressekonferenz klar, dass sich das Verbot auf Grossveranstaltungen mit mehr als 1000 Teilnehmern erstrecke. Züge, Kinos oder Grossraumbüros seien damit nicht gemeint.

Dennoch fragen sich viele ÖV-Nutzer, ob sie jetzt noch zur Rushhour in vollbesetzte Busse, Trams oder Züge steigen sollen. Laut dem Bundesamt für Gesundheit (BAG) besteht vor allem dann eine Gefahr, sich anzustecken, wenn man während mehr als 15 Minuten weniger als zwei Meter Abstand zu einer erkrankten Person hat. Auf Twitter wird die Ausklammerung des ÖV denn auch kontrovers diskutiert:

Wer drückt den Knopf?

Einige gruselt allein der Gedanke, den Türknopf aufzudrücken oder in der Nähe eines hustenden Passagiers zu sitzen. Andere wiederum freuen sich bereits auf halbleere Züge.

Erste Pendler steigen aufs Auto um

Pro Bahn, die Interessengemeinschaft der ÖV-Passagiere, gibt derzeit keine Empfehlung für Pendler ab und appelliert an die Selbstverantwortung: «Ich höre, dass einige ÖV-Passagiere jetzt aufs Auto umsteigen, weil es ihnen wohler ist», sagt Präsidentin Karin Blättler. Andere machten sich weniger Sorgen oder hätten gar keine Alternative zum ÖV. Sie selbst werde weiterhin in den Zug steigen, solange die Behörden keine weiteren Massnahmen verfügten.

«Was auch immer auf uns zukommt, wir werden das Virus kaum aufhalten können. Eine absolute Sicherheit gibt es nicht», sagt Blättler. Wichtig sei, dass auch Pendler die Hygienemassnahmen befolgten. Und: «Sinnvoll wäre es, wenn man im Wagen bleiben würde, in dem man einsteigt. Das ist aber, wenn man einen Platz sucht, illusorisch.»

Gibts mehr Platz in den Zügen?

Bundesrat Alain Berset sagte am Freitag vor den Medien, dass sich im ÖV, in Kinos oder Supermärkten zwar viele Menschen begegneten. Die Begegnungen seien aber kurz, im Zug sitze man nur mit wenigen Personen in einem Abteil. Die Situation sei zu vergleichen mit einem Grossraumbüro. Auch könnten ÖV-Passagiere die Hygieneregeln noch befolgen. Im Gedränge einer Fasnachtsveranstaltung sei das schwieriger.

Die SBB gibt keine Prognose ab, ob nun weniger Leute den Zug nehmen werden. «Es gibt aber Anfragen, ob bereits gebuchte Auslandreisen wieder annulliert werden können», sagt SBB-Sprecher Martin Meier. «Die betroffenen Kundinnen und Kunden können sich in diesen Fällen an die SBB wenden». Die geplanten Extrazüge an Grossveranstaltungen wie den Auto-Salon entfallen. Kunden können sich für die Rückerstattung der Tickets an die SBB wenden. Spezielle Massnahmen wie Desinfektionsmittel in Zügen seien nicht vorgesehen, sagt Meier: «Wir empfehlen den Reisenden die Hygienemassnahmen des BAG.»

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