Interview: «Soll mich Ke$ha doch kopieren»
Aktualisiert

Interview«Soll mich Ke$ha doch kopieren»

Uffie war 2006 mit «Pop the Glock» das heisseste Girl von Paris. Nun meldet sich das Elektro-Baby endlich mit ihrem ersten Album zurück.

von
Martin Fischer

Friday: Uffie, vor über drei Jahren warst du mit deinem Hit «Pop the Glock» das sexy Hipster-Partygirl der Stunde. Warum kommt dein Debütalbum erst jetzt?

Uffie: Das ist eine Marketing-Idee, um zu sehen, ob die Leute mich immer noch mögen. (lacht)

Ah, du willst unsere Treue testen?

Genau! Nein, im Ernst jetzt. Ich war die ganze Zeit auf Tour. Dann bin ich ja auch noch Mutter geworden. Und überhaupt: «Pop the Glock» war der erste Song, den ich in meinem Leben geschrieben habe. Ich musste erst mal meinen Stil finden.

Und? Gefunden?

Yes, mission accomplished! Ich hoffe, man hörts dem Album an.

Das Spex-Magazin nennt dich «den Hype von vor drei Jahren». Ist das nicht ein wenig frustrierend?

Nein. Es hat was.

War es cool, ein Hype zu sein?

Ich habe das zuerst gar nicht gecheckt. Bis ich ein Time-out nahm und einfach mal nichts gemacht habe. An einem Nachmittag habe mich gegoogelt und gesehen: Wow, das lief ja richtig gut!

Du bist ein Bühnentier. Brauchst du die Aufmerksamkeit?

Nein, im Gegenteil. Eine oder zwei Wochen lang ist es ja ganz lustig, überall erkannt zu werden. Aber wenn ich zum Beispiel an ein Konzert gehe und es kommen dauernd fremde Leute zu mir, dann finde ich das sehr unangenehm. Ich bin dann echt so: Pleeease go away!

Warum singst du die ganze Zeit über dich selbst?

Ich will den Leuten etwas erzählen, das sie ihren eigenen Scheiss für eine Weile vergessen lässt. Bei meinen Songs können sie sich auf meinen Scheiss konzentrieren.

Uffie, die kleine Glücklich-Macherin?

Ja, wahrscheinlich. Ich bin hier, damit andere Spass haben können.

Das klingt jetzt ein bisschen nach Ke$ha.

Hey, das ist fies!

Ke$ha hat aber offensichtlich bei dir abgeschaut. Hast du sie schon mal getroffen?

Nein, das Vergnügen hatte ich noch nicht.

Ist es für dich komisch, ihre Musik zu hören?

Sie kopiert meinen alten Style. Soll sie doch. Das ist mir egal. Ich habe mich weiterentwickelt.

Wie ist es für ein Partygirl wie dich, plötzlich Mami zu sein?

Es hat mich sehr verändert. Ein Kind ist das Einzige, was man mehr lieben kann als sich selbst. Ich schaue viel besser zu mir, seit ich Henrietta habe.

Verbringst du viel Zeit mit ihr? Kommt sie mit auf Tour?

Nein, ich sehe sie nicht so oft, wie ich möchte. Nur so die Hälfte der Woche. Aber als Single Mom muss ich halt arbeiten und mein eigenes Geld verdienen! Ich habe eine tolle Nanny.

Du machst noch immer Partymusik. Noch nicht partymüde?

Es gibt Ups und Downs. Klar, ich kann mich nicht beklagen, dass ich mit Partymachen mein Geld verdiene. Aber manchmal habe ich echt keinen Bock. Letzten Samstag zum Beispiel wollte ich einfach nur nach Hause. Aber ich konnte natürlich nicht.

Und wie bringst du dich dann in Feierlaune? Mit ein paar Drinks?

Nein, die Zeiten sind vorbei. Ich denke, jeder hat mal seine Trinkerphase. Ich bin heute eher für ein Glas Champagner als für eine Flasche Whisky.

Wie gehts eigentlich deinen Ohren?

Überraschend gut, danke!

Hast du als Partyprofi ein wirkungsvolles Anti-Kater-Rezept?

Vitamine! Der Trick sind Vitamine. Ich habe gerade in Los Angeles für 500 Dollar Vitamine gekauft.

Wie kaufst du die? Als Drinks? Oder als Tabletten?

Tabletten. Und dazu viel, viel Wasser trinken, das hilft immer. Dann das Abschminken vor dem Schlafen gehen nicht vergessen, etwas Feuchtigkeitscrème fürs Gesicht ist auch gut. Und ich nehme immer noch ein Aspirin, bevor ich ins Bett gehe.

Klingt hilfreich.

Und noch was: Eine Stunde Schlaf ist besser als gar nicht schlafen! Egal zu welcher Zeit es dann auch ist.

Vergangenen Sommer hast du dich scheiden lassen. Hast du zurzeit einen Freund?

Ja. Ich bin total verrückt nach ihm. Aber ich will es langsam angehen. Ich bin noch nicht sicher, ob ihm mein Lifestyle passt.

Wie ist dein Leben in Paris? Verrätst du mir noch den neusten Trend?

Paris ist gerade ein bisschen lahm. Hauspartys sind voll angesagt. Da kommt man aber nur auf Einladung und meistens mit komischer Verkleidung rein. Das nervt.

Und was machst du am liebsten mit

deinen Promi-Freunden wie Steve Aoki und den Justice-Jungs?

Wir hängen einfach ein bisschen rum, rennen durch die Stadt oder lassen uns tätowieren.

Was habt ihr euch tätowiert?

Ich lasse mir die Tattoos gerade wieder entfernen! Zum Beispiel den Namen meines Ex-Mannes.

Eine Schüssel bunter Dance-Bonbons

Uffies 14-Song-Debüt ist eine Schüssel voller bunter Dance-Bonbons. Das Szene-Girl rappt sich relaxt durch ihre ironischen Texte. Pariser Elektro-Cracks wie ihr Ex DJ Feadz und Mirwais haben das Album produziert. Natürlich hat Uffie auch ihren Web-Hit «Pop the Glock» draufgepackt. Anspieltipps: «MCs Can Kiss», «Difficult» und «ADD SUV» mit Pharrell Williams.

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