CEO im Interview: Soll Orange wie Apple werden, Herr Andsjö?
Aktualisiert

CEO im InterviewSoll Orange wie Apple werden, Herr Andsjö?

Der Chef von Orange Schweiz verspricht besseren Handy-Empfang auf dem Land. Ausserdem verrät der Schwede, was er vom bekanntesten Partner des Unternehmens hält.

von
Daniel Schurter
«Ich hoffe, Sie ertragen meinen schwedisch-spanischen Akzent.» Johan Andsjö kündigte in Zürich die LTE-Offensive des drittgrössten Schweizer Providers an.

«Ich hoffe, Sie ertragen meinen schwedisch-spanischen Akzent.» Johan Andsjö kündigte in Zürich die LTE-Offensive des drittgrössten Schweizer Providers an.

iPhone oder Android-Smartphone? Bei dieser Frage steht der CEO von Orange Schweiz auf verlorenem Posten. Zumindest privat. Sowohl seine Frau als auch seine Kinder im Teenager-Alter hätten sich für das Apple-Handy entschieden, verrät der Topmanager im Gespräch mit «20 Minuten».

Johan Andsjö kommt aus dem Land, das 2009 das weltweit erste LTE-Netz in Betrieb nahm. Seine Brötchen verdient der Schwede seit Jahren im Ausland, nun treibt er als Chef des drittgrössten Schweizer Providers die Verbreitung der ultraschnellen Mobilfunkverbindung voran. Bis Ende 2013 will er die Marktführerin Swisscom überholen, was die LTE-Abdeckung betrifft. Der am Dienstag vorgestellte Masterplan sieht den schnellsten Netzaufbau in der Geschichte des Telekom-Unternehmens vor. Bis Ende Jahr sollen 71 Prozent der Schweizer Bevölkerung mit LTE surfen können – laut Ankündigung wäre das ein Prozent mehr als die Swisscom.

Herr Andsjö, Sie wollen hierzulande mit Orange LTE-Marktführer werden. Wie stechen Sie die Konkurrenz aus?

Johan Andsjö: Wir stehen für ein anderes Bezahlmodell ein und bieten grundsätzlich all unseren Kunden eine 4G-Verbindung ohne Aufpreis an. Man soll nur für das bezahlen, was man auch tatsächlich beansprucht. Die Herausforderung ist es, diesen neuartigen Ansatz in den Köpfen der Konsumenten zu verankern.

Swisscom hat bei der Übertragungsgeschwindigkeit vorgelegt. Wann können Orange-Kunden mit 150 Megabit pro Sekunde mobil surfen?

Wir werden das höhere Tempo anbieten, wenn die Geräte so weit sind. In der Schweiz gibt es bislang praktisch keine Smartphones oder anderen Mobilgeräte, die dafür ausgelegt sind. Offen gesagt dürften die meisten Leute den Unterschied zwischen 100 und 150 Mbit pro Sekunde auch gar nicht bemerken.

Aber Sie könnten einfach den Schalter umlegen?

Ja, es handelt sich nur um Software-Anpassungen.

Von Kundenseite wird immer wieder die schlechte Netzabdeckung in ländlichen Gebieten kritisiert. Zum Teil fehlt gar eine vergleichsweise langsame Edge-Verbindung.

Diese Kritik muss ich persönlich akzeptieren. Als wir 2012 unser Netz modernisierten, hatten wir nicht genügend Zeit und Kapazität, um das Problem zu lösen. Bis Ende August werden wir aber alle Mobilfunk-Anlagen entsprechend aufrüsten, so dass überall zumindest eine Edge-Verbindung möglich sein wird.

Apple ist ein wichtiger Partner für Orange, steht nun aber wegen seiner Verkaufsstrategien, respektive dem Umgang mit Mobilfunk-Providern, unter Beobachtung der EU. Wie beurteilen Sie das Verhältnis?

Ich weiss, dass die Meinungen zu Apple geteilt sind. Aus Sicht eines Dienstleitungs-Unternehmens wie Orange ist es aber ganz einfach: Wenn unsere Kunden das Apple-Handy kaufen wollen, sind wir verpflichtet, dies zu ermöglichen und den besten Service anzubieten.

Soll Orange wie Apple werden?

Apple unternimmt – wie wir auch – grosse Anstrengungen, um eine emotionale Bindung zu schaffen. Ausserdem wird kräftig in die Forschung und Entwicklung neuer Technologien investiert – da ist es nichts als fair, wenn sich das auszahlt. Es geht um das Fördern von Innovationen, damit habe ich überhaupt kein Problem.

Dazu passt auch die neue Qualitätsoffensive von Orange.

(lacht) Jemand hat mir mal gesagt, Orange sei das Apple unter den Providern. Ich weiss nicht, ob das stimmt. Es wäre aber auf jeden Fall ein erstrebenswertes Ziel.

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