Aktualisiert 24.04.2019 13:25

ForderungSollen E-Skateboards legalisiert werden?

Trendfahrzeuge wie E-Skateboards und Hoverboards gehören für den Strassenverkehr legalisiert, fordern Hersteller. Das Anliegen stösst auf wenig Anklang – nicht einmal bei den Grünen.

von
S. Ulrich
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Die meisten der elektrisch angetriebenen Trendfahrzeuge, darunter E-Skateboards und Hoverboards, haben keine Typengenehmigung und dürfen daher nur auf abgesperrtem Areal benutzt werden.

Die meisten der elektrisch angetriebenen Trendfahrzeuge, darunter E-Skateboards und Hoverboards, haben keine Typengenehmigung und dürfen daher nur auf abgesperrtem Areal benutzt werden.

Youtube/Screenshot
Trotz Verbot im Strassenverkehr geht der Boom der Elektro-Kleinstfahrzeuge ungebremst weiter.

Trotz Verbot im Strassenverkehr geht der Boom der Elektro-Kleinstfahrzeuge ungebremst weiter.

e-longboard.ch
«Seit 2015 konnten wir jährlich eine Absatzsteigerung von rund 30 Prozent verzeichnen», sagt Benjamin Kaufmann, Geschäftsführer der Firma E-Longboard.

«Seit 2015 konnten wir jährlich eine Absatzsteigerung von rund 30 Prozent verzeichnen», sagt Benjamin Kaufmann, Geschäftsführer der Firma E-Longboard.

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Am Karfreitag kam es in Bellmund BE zu einem tragischen Unfall: Ein 42-Jähriger fuhr mit seinem E-Skateboard in Richtung Zentrum, als er bei einer Verzweigung stürzte und sich schwere Verletzungen zuzog – so schwer, dass er später im Spital verstarb.

Eigentlich hätte der Mann in diesem Gebiet mit seinem Gefährt gar nicht unterwegs sein dürfen: Die meisten der elektrisch angetriebenen Trendfahrzeuge, darunter E-Skateboards, Hoverboards, Smartwheels oder Monowheels, haben keine Typengenehmigung und dürfen daher nur auf abgesperrtem Areal benutzt werden. Erlaubt sind bestimmte E-Trottinette und Stehroller (Segways).

Wie viele Unfälle sich jährlich mit Elektrofahrzeugen ereignen, die unerlaubterweise im Strassenverkehr benutzt werden, ist nicht bekannt. Die Kantonspolizeien Bern und Freiburg führen diesbezüglich keine Statistiken. Auch deshalb nicht, weil die offizielle Zuordnung zu einer Fahrzeugkategorie fehlt. Der Suva wurden zwischen 2012 und 2016 im Jahresdurchschnitt rund 220 Unfälle mit E-Trottinetten, Segways und Monowheels gemeldet, wie sich angibt.

Deutschland führt Test mit E-Skateboards durch

Fakt ist: Elektrisch angetriebene Fahrzeuge boomen – trotz Verbot im Strassenverkehr. «Seit 2015 haben wir unseren Absatz jedes Jahr um rund 30 Prozent gesteigert», sagt Benjamin Kaufmann, Geschäftsführer der Firma E-Longboard, die E-Skateboards und -Longboards zahlreicher internationaler Hersteller wie auch eine eigene Linie vertreibt. Fast monatlich kämen neue Produkte auf den Markt.

Dass die E-Skateboards nicht für den Strassenverkehr zugelassen sind, ärgert Kaufmann. «Sie sind sicherer als ein reguläre Skateboards», sagt er. Mit der E-Variante könne man sehr genau bremsen. Bei einer Geschwindigkeit von 30 km/h ergebe sich ein Bremsweg von zwei bis drei Metern, so Kaufmann. «Bei regulären Boards sind es zehnmal mehr.» Die E-Skateboards seien zudem sehr wendig, was das Ausweichen erheblich erleichtere.

Schliesslich spreche auch ein Blick über die Landesgrenze für eine Zulassung: In Deutschland können E-Skateboarder voraussichtlich ab Mai im Rahmen eines Testversuchs legal auf den Strassen herumkurven. «Deutschland nimmt bei der E-Mobilität eine Vorreiterrolle ein und verfügt über eine längere Erfahrung als die Schweiz», sagt Kaufmann. Der Board-Fachmann schätzt, dass hierzulande bereits heute um die 3000 E-Skateboarder durch Strassen rollen – Verbot hin und oder.

Auch Manuel Hug, Mitbegründer des Schweizer E-Skateboard-Herstellers Soflow, hält die Mikromobilität in modernen Verkehrskonzepten für unverzichtbar. Die Verkehrsprobleme in den Städten führten vermehrt zu Einschränkungen des Autoverkehrs. «Gerade in Kombination mit öffentlichen Verkehrsmitteln ist man mit E-Skateboards und E-Trottinetten einfach enorm flexibel», sagt Hug.

«Konfliktpotenzial und Unfallgefahr würden steigen»

Die Beratungsstelle für Unfallverhütung (BfU) steht einer erweiterten Zulassung von Trendfahrzeugen dagegen kritisch gegenüber. «Das Konfliktpotenzial und die Unfallgefahr würden sich erhöhen, weil sich mehr Verkehrsteilnehmer dieselbe Fläche teilen müssten», sagt Sprecher Marc Kipfer. Ausserdem würden sich die Trendfahrzeuge in ihrer Dynamik von den anderen Verkehrsmitteln unterscheiden. «Das wäre insbesondere auf dem Trottoir gefährlich, auf denen auch Kinder und ältere Menschen unterwegs sind», mahnt Kipfer.

Aber auch auf dem Velostreifen müsste laut BfU mit einer Zunahme an kritischen Verkehrssituationen gerechnet werden. «Dort sind heute schon neben den Fahrrädern immer mehr langsame und schnelle E-Bikes unterwegs», sagt Kipfer. Das BfU sagt daher klar: E-Skateboards, Hoverborards und Co. müssen im Strassenverkehr aussen vor bleiben.

Die Kapo Freiburg mahnt zudem, dass bei solchen Fahrzeugen aufgrund der fehlenden Zulassung die gesetzlich vorgeschriebenen, technischen Mindestanforderungen fehlen. «Daher könnten die elektrisch angetriebenen Trendfahrzeuge unter Umständen qualitative Mängel aufweisen», sagt ein Sprecher.

Selbst die Grünen können sich für eine Legalisierung im Strassenverkehr derzeit nicht erwärmen. Kilian Baumann, Grossrat und Mitglied der Verkehrskommission, begrüsst zwar grundsätzlich den E-Trend im Strassenverkehr. Eine Zulassung von E-Skateboards und Smartwheels hält aber auch er für verfrüht. «Wir haben derzeit noch zu wenig Velobahnen, wo solche Geräte ohne zusätzliche Konflikte zirkulieren können», so der Politiker. Umso mehr gelte es, die Infrastruktur nun schnellstmöglich für sie zu erweitern.

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