Aktualisiert 02.03.2019 19:40

Gemeinsam schlafen

Sollen Eltern mit ihren Kindern das Bett teilen?

Nur wenige Kinder schlafen die ersten Jahre bei Mutter und Vater im Bett. Das wäre aber sinnvoll, sagen Experten und Eltern.

von
ehs
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Die Familie von Ellen Girod schläft zusammen in einem Bett. Dazu gehören ihr Mann und die zwei Töchter im Alter von zwei und vier Jahren (Symbolbild).

Die Familie von Ellen Girod schläft zusammen in einem Bett. Dazu gehören ihr Mann und die zwei Töchter im Alter von zwei und vier Jahren (Symbolbild).

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Das gemeinsame Schlafen habe viele Vorteile, sagt Girod. Einerseits sei es bequemer: Wache ein Kind auf und wolle gestillt werden, brauche sie sich nur umzudrehen. «Dadurch schlafen wir alle mehr.»

Das gemeinsame Schlafen habe viele Vorteile, sagt Girod. Einerseits sei es bequemer: Wache ein Kind auf und wolle gestillt werden, brauche sie sich nur umzudrehen. «Dadurch schlafen wir alle mehr.»

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Ein Alterslimit hat sie ihren Kindern nicht gesetzt. «Mit 18 werden sie nicht mehr in unserem Bett schlafen wollen», so die Bloggerin und Journalistin.

Ein Alterslimit hat sie ihren Kindern nicht gesetzt. «Mit 18 werden sie nicht mehr in unserem Bett schlafen wollen», so die Bloggerin und Journalistin.

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Ellen Girod sucht auf Facebook einen Schreiner. Der soll ihr ein Bett zimmern, in dem die ganze Familie Platz hat. Dazu gehören neben ihrem Mann auch zwei Töchter im Alter von zwei und vier Jahren. «Bisher ähnelt unser Bett einem Matratzenlager. Nun suche ich eine Schreinerei, die einen Rahmen dafür zimmert», sagt die Betreiberin des Blogs «Chez Mama Poule» und freie Journalistin.

Das gemeinsame Schlafen habe viele Vorteile. Einerseits sei es bequemer: Wache ein Kind auf und wolle gestillt werden, brauche sie sich nur umzudrehen. «Dadurch schlafen wir alle mehr», sagt Girod.

Subtile Hinweise aufs eigene Bett

Mit dem grosszügigen Familienbett habe sie andererseits genug Platz, so Girod. Ein Alterslimit hat sie ihren Kindern nicht gesetzt. «Mit 18 werden sie nicht mehr in unserem Bett schlafen wollen.» Wenn sie Kinderbücher anschaue, in denen ein Protagonist ein eigenes Bett hat, weise sie ihre ältere Tochter schon heute subtil auf die Möglichkeit des eigenen Nachtlagers hin. «Wir werden bald ein Kinderbett einrichten. Dann hat sie die Wahl, ob sie im eigenen Bett schlafen will oder nicht», so Girod.

Zwingen will sie ihre Töchter nicht: «Es ist wie beim Laufenlernen. Gewisse Kinder können es mit 8 Monaten, andere mit 18», so Girod. «Solange sie bei uns schlafen möchten, gebe ich meinen Töchtern die Geborgenheit gern.»

Macht Schlafen selbständig?

Das gemeinsame Schlafen ist noch eine Seltenheit. In der Schweiz verbringen etwa 5 Prozent der Einjährigen und 13 Prozent der Vierjährigen die Nächte bei den Eltern, danach sinkt der Anteil wieder. Das berichtet das Magazin «Fritz & Fränzi». Das Familienbett werde aber immer beliebter, sagt Girod: «Viele Eltern aus meinem Umfeld setzen nun darauf, erste Schreinereien haben das Familienbett als Geschäft entdeckt.»

Während es in einigen Kulturen in Afrika oder Asien selbstverständlich sei, dass Kinder nicht alleine schlafen, werde in Ländern wie der Schweiz, Deutschland oder Frankreich eine frühe Selbstständigkeit als Tugend angesehen, schreibt «Fritz & Fränzi». Girod sagt, bis Anfang des 20. Jahrhunderts hätten Kinder auch hierzulande bei ihren Eltern geschlafen. «Dass kleine Kinder nicht allein schlafen können, ist auch evolutionsbedingt: Babys, die in der Steinzeit nicht dicht am Körper eines vertrauten Erwachsenen schliefen, wurden von Hyänen gefressen.»

Droht plötzlicher Kindstod?

Moritz Daum, der an der Universität Zürich zu Entwicklungspsychologie forscht, sagt, es gebe Gründe für und gegen das gemeinsame Schlafen. Als positiven Grund nennt er das einfachere Stillen bei Säuglingen. «Die eingenommene Seitenlage verringert oft die durch Geburt entstandenen Schmerzen», sagt er.

«Durch den geringeren Aufwand kommt es zu längeren Schlafzeiten», sagt Daum. «Man wird dadurch nicht unmittelbar vom schreienden Kind aus dem Schlaf gerissen, sondern bekommt

aufkommende Unruhe schon sehr viel früher mit.» Andererseits werde Co-Sleeping häufig mit verschiedenen Risiken in Verbindungen gebracht, etwa das versehentliche Aufliegen mit der ultimativen Folge des plötzlichen Kindstods.

Sex geht auch anderswo

Die Forschung sei sich diesbezüglich allerdings nicht einig, einige Studien belegten sogar eine Verringerung dieser Gefahr durchs gemeinsame Schlafen. Entwarnung gibt der Forscher bezüglich der Unabhängigkeit: Eine Studie zeige, dass Kinder, die früh gemeinsam mit Eltern schliefen, sogar über eine grössere Unabhängigkeit verfügten und mehr soziale Kontakte knüpften.

Es gelte, gewisse Regeln zu berücksichtigen – etwa nicht zu rauchen, nicht zu viel zu trinken oder mit dem Gesicht zum Kind zu schlafen. Eltern, die sich vor einem Verlust der Intimität fürchten, kann der Forscher beruhigen: «Sex kann man auch ausserhalb des Familienbetts haben.»

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