Lohngleichheit: Sollen Firmen alle Löhne offenlegen?

Aktualisiert

LohngleichheitSollen Firmen alle Löhne offenlegen?

Der Ständerat will neue Massnahmen gegen Lohndiskriminierung prüfen. Das heizt die Diskussion um die Lohntransparenz bei Firmen an.

von
D. Krähenbühl

Im Gespräch über die Lohntransparenz.

Frauen verdienen in der Schweiz laut Zahlen des Bundes sieben Prozent weniger als Männer, obwohl sie die gleichen Qualifikationen aufweisen. Bundesrätin Simonetta Sommaruga will Unternehmen darum verpflichten, ihre Mitarbeiter über Lohnunterschiede zwischen den Geschlechtern zu informieren. Firmen mit mindestens 50 Mitarbeitern müssten künftig alle vier Jahre eine Lohnanalyse vornehmen. Sanktionen bei grosser Lohnungleichheit sieht der Gesetzesentwurf aber nicht vor.

Mit dem Vorschlag ist Sommaruga am Mittwoch im Ständerat aufgelaufen: Dieser hat das Gesetz an die vorberatende Kommission zurückgewiesen, um Alternativen zu prüfen. Für CVP-Ständerat Pirmin Bischof wäre eine dieser möglichen Alternativen die Einführung von transparenten Löhnen - ein System, das Deutschland seit Januar 2018 kennt. Firmen müssten also die Lohnbandbreite für die einzelnen Funktionen kommunizieren.

«Diskriminierung muss ein Ende haben»

«So ist es für eine betroffene Frau sofort ersichtlich, wenn sie weniger verdient als ihre männlichen Kollegen», sagt Bischof. Das mache es einfacher, beim Chef eine Lohnerhöhung zu verlangen. Jetzt müsse die Kommission entscheiden, ob seine Forderung mehrheitsfähig sei. «Schlussendlich braucht es auch ein Umdenken, denn viele Frauen würden sich bei Lohnverhandlungen zu schnell zufrieden geben und zu wenig auf einen höheren Lohn pochen», sagt Bischof.

Dass in den Betrieben die Lohnschere zwischen den Geschlechtern nicht schon längst geschlossen ist, stört auch SP-Ständerätin Anita Fetz: «Diese Geschlechterdiskriminierung muss ein Ende haben». Die Einführung der Lohntransparenz sei einer der Wege, um dies zu erreichen. «Aber der Ständerat wird das ganz sicher als wirtschaftsfeindlich abschmettern», sagt Fetz. CVP-Ständerätin Brigitte Häberli-Koller befürwortet den Vorschlag Bischofs. «Allerdings ist es schwierig, mit solchen Ideen Mehrheiten im Parlament zu finden», stimmt sie Fetz zu.

«Der Wirtschaft nicht zu viel aufbürden»

Der Forderung Bischofs nach einer totalen Lohntransparenz will sich SVP-Ständerat Hannes Germann nicht anschliessen. Man solle der Wirtschaft nicht zu viel auf einmal aufbürden. «Transparenz ist gut, aber nur wenn sie zielführend ist und nicht dann noch die Unzufriedenheit bei den Leuten erhöht.»

Die freiwilligen Massnahmen würden greifen, so Germann. «Die Lohndiskrepanz hat sich in den letzten 20 Jahren mehr als halbiert.» Diese vorhandenen Probleme soll man aber gemeinsam mit der Wirtschaft und Sozialpartner lösen. «Und nicht durch ein Staatsdiktat, die nur Bürokratie bringt und keinen Nutzen», sagt Germann.

Im Gespräch mit Vergütungsexperte Philipp Heller:

Im Gespräch mit Vergütungsexperte Philipp Heller:

Würde eine Lohntransparenz etwas bewirken, um die Lohndiskrepanz zwischen den Geschlechtern auszugleichen?

Eine Lohntransparenz kann in Einzelfällen wohl eine positive Wirkung haben. Es ist jedoch zu beachten, dass die Vergleichbarkeit in Unternehmen oft gar nicht gegeben ist, ausser bei Funktionen mit vielen Arbeitnehmern. Wir sind somit eher skeptisch.

Wären Arbeitgeber überhaupt bereit, ihre Löhne offenzulegen? Nur ganz wenige Unternehmen in der Schweiz legen die Löhne komplett offen. Wir gehen nicht davon aus, dass sich dies in absehbarer Zeit ändern wird, jedoch legen Unternehmen immer mehr Wert darauf, ihr Lohnsystem transparent und nachvollziehbar den Mitarbeitenden zu erläutern.

Wären Arbeitgeber überhaupt bereit, ihre Löhne offenzulegen? Nur ganz wenige Unternehmen in der Schweiz legen die Löhne komplett offen. Wir gehen nicht davon aus, dass sich dies in absehbarer Zeit ändern wird, jedoch legen Unternehmen immer mehr Wert darauf, ihr Lohnsystem transparent und nachvollziehbar den Mitarbeitenden zu erläutern.

In den öffentlichen Betrieben werden Lohnklassen ausgewiesen. Trotzdem gibt es auch dort Lohngefälle zwischen Mann und Frau. Wieso?

Es herrscht in öffentlichen Betrieben Transparenz in Bezug auf die Lohnklassen, nicht auf die effektive Vergütung der Mitarbeitenden. Offensichtlich steht auch die Verwaltung vor nicht erklärbaren Lohndifferenzen, welche vielleicht – aber nicht ausschliesslich – durch das Geschlecht erklärt werden könnten.

Deine Meinung