Aktualisiert 13.06.2017 10:50

Streit um VerhaltenskodexSollen Kinder auch in Krippen «dökterle»?

Kinder dürfen in Krippen laut Verhaltenskodex Doktorspiele machen. Doch viele Krippen hielten sich nicht daran, kritisiert ein Sexualpädagoge.

von
D. Pomper/ A. Schawalder
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Doktorspiele sind laut dem Verhaltenskodex des Verbandes der Kindertagesstätten erlaubt.

Doktorspiele sind laut dem Verhaltenskodex des Verbandes der Kindertagesstätten erlaubt.

«Ich stelle zunehmend fest, dass Nacktheit und Doktorspiele in Krippen verboten sind», sagt Sexualpädagoge Bruno Wermuth. Der Grund: Die Verantwortlichen fürchteten sich vor den Reaktionen der Eltern. «Indem Krippen Kinder daran hindern, ihren Körper kennenzulernen, erfüllen sie ihre Kernaufgaben nicht – nämlich den Kindern eine ungestörte Entwicklung zu ermöglichen, in der alle Sinne erlebt und erweitert werden können.»

«Ich stelle zunehmend fest, dass Nacktheit und Doktorspiele in Krippen verboten sind», sagt Sexualpädagoge Bruno Wermuth. Der Grund: Die Verantwortlichen fürchteten sich vor den Reaktionen der Eltern. «Indem Krippen Kinder daran hindern, ihren Körper kennenzulernen, erfüllen sie ihre Kernaufgaben nicht – nämlich den Kindern eine ungestörte Entwicklung zu ermöglichen, in der alle Sinne erlebt und erweitert werden können.»

Doktorspiele, bei denen Kinder gegenseitig ihren Körper erforschen, sind auch in der Krippe von Nadja Pieren verboten: «Wenn Kinder versuchen, sich gegenseitig im Intimbereich zu berühren, dann stoppen wir das», sagt die SVP-Nationalrätin. Die körperliche Intimsphäre der Kinder müsse respektiert werden. Dass sie mit einem Verbot die Entwicklung der Kinder hemme, glaubt Pieren nicht: «Solche Spiele können im Elternhaus stattfinden. Die Krippe ist nicht der richtige Ort dazu.»

Doktorspiele, bei denen Kinder gegenseitig ihren Körper erforschen, sind auch in der Krippe von Nadja Pieren verboten: «Wenn Kinder versuchen, sich gegenseitig im Intimbereich zu berühren, dann stoppen wir das», sagt die SVP-Nationalrätin. Die körperliche Intimsphäre der Kinder müsse respektiert werden. Dass sie mit einem Verbot die Entwicklung der Kinder hemme, glaubt Pieren nicht: «Solche Spiele können im Elternhaus stattfinden. Die Krippe ist nicht der richtige Ort dazu.»

Carlo Reguzzi

Weil ein fünfjähriger Bub versucht haben soll, einen anderen Buben zu penetrieren, hat die Kesb ein psychiatrisches Gutachten in Auftrag gegeben. Dabei ist es laut Sexualpädagogen typisch, dass Kinder in diesem Alter Doktorspiele spielen. Sie seien wichtig für die sexuelle Entwicklung der Kinder und entstünden aus Neugier. So heisst es denn auch im Verhaltenskodex des Schweizerischen Verbandes der Kindertagesstätten unter der Überschrift «Dökterle»:

«Das Entdecken des eigenen Körpers gehört zur normalen Entwicklung eines Kindes. Das Spiel wird zugelassen und soll an einem dafür bestimmten Ort stattfinden. Es ist ein Spiel zwischen Kindern. Erwachsene nehmen nicht teil an den kindlichen Handlungen. Das Spiel wird unauffällig beobachtet. Es wird nur eingegriffen, wenn ein Machtgefälle entsteht. Die Kinder sollen in etwa dem gleichen Alter sein.»

«Doktorspiele sind immer öfter verboten»

Allerdings wird diese Empfehlung laut Sexualpädagoge Bruno Wermuth von Krippen oft nicht befolgt. «Ich stelle zunehmend fest, dass Nacktheit und Doktorspiele in Krippen verboten sind.» Der Grund: Die Verantwortlichen fürchteten sich vor den Reaktionen der Eltern. «Indem Krippen Kinder daran hindern, ihren Körper kennenzulernen, erfüllen sie ihre Kernaufgaben nicht – nämlich den Kindern eine ungestörte Entwicklung zu ermöglichen, in der alle Sinne erlebt und erweitert werden können», sagt Wermuth, der auch für 20 Minuten als Dr. Sex tätig ist.

Doktorspiele, bei denen Kinder gegenseitig ihren Körper erforschen, sind auch in der Krippe von Nadja Pieren verboten: «Wenn Kinder versuchen, sich gegenseitig im Intimbereich zu berühren, dann stoppen wir das», sagt die SVP-Nationalrätin. Die körperliche Intimsphäre der Kinder müsse respektiert werden. Dass sie mit einem Verbot die Entwicklung der Kinder hemme, glaubt Pieren nicht: «Solche Spiele können im Elternhaus stattfinden. Die Krippe ist nicht der richtige Ort dazu.»

«Eltern wollen, dass der Intimbereich privat bleibt»

Einen generellen Trend hin zum Dökterli-Verbot in Krippen kann Nadine Hoch, Geschäftsleiterin des Krippenverbandes, nicht bestätigen: «Ich erhalte keine Rückmeldungen zum Thema Doktorspiele von den Betrieben.»

Brigitte Fleuti, Präsidentin des Zürcher Kindergartenverbandes, stellt dagegen fest: «Vor 30 Jahren war es noch cool, wenn Buben im Chindsgi mit dem Bisi ein kleines Feuer gelöscht haben. Heute wäre das undenkbar.» Viele Eltern wollten, dass der Intimbereich privat bleibe. «Ich weiss von Fällen, wo Eltern empört reagiert haben, als sie von den Doktorspielen ihrer Kinder im Kindergarten erfuhren.»

In den 70er-Jahren sei das Verhältnis zum Körper viel entspannter gewesen. Auch das Thema Pädophilie sei noch nicht so präsent gewesen. Und: «Heute leben Kinder bei uns, die aus ganz anderen Kulturen stammen, in denen Nacktheit zum Teil ein totales Tabuthema ist.» Das müsse man respektieren, sonst könnten sich die Eltern brüskiert fühlen. Deshalb empfiehlt Fleuti, dass die Kindergartenkinder beim Spielen die Kleider anbehalten sollen. Wollten zwei Kinder miteinander dökterlen, werde ihnen vorgeschlagen, das doch bei einem Kind zuhause zu tun.

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