21.11.2020 10:27

Corona-Immunitätsausweis Sollen nur noch Geimpfte an Grossanlässe dürfen?

Die Zeichen stehen gut, dass bald ein Teil der Bevölkerung wirksam gegen das Coronavirus geimpft werden kann. In der Folge stellt sich die Frage nach einem Immunitätsausweis.

von
Katja Fässler
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Fussballspiele live und ich grosser Masse zu verfolgen ist derzeit nur schwer vorstellbar: Ein Zuschauer sitzt auf der Tribühne  während dem Super League Spiel zwischen dem FC Zürich und dem FC Luzern. (7. November 2020)

Fussballspiele live und ich grosser Masse zu verfolgen ist derzeit nur schwer vorstellbar: Ein Zuschauer sitzt auf der Tribühne während dem Super League Spiel zwischen dem FC Zürich und dem FC Luzern. (7. November 2020)

KEYSTONE
Wird künftig nur noch geimpften Personen der Zutritt zu solchen Anlässen gewährt? 

Wird künftig nur noch geimpften Personen der Zutritt zu solchen Anlässen gewährt?

REUTERS
Mit einem wirksamen Impfstoff, der immer mehr in greifbare Nähe rückt, stellen sich solche Fragen. 

Mit einem wirksamen Impfstoff, der immer mehr in greifbare Nähe rückt, stellen sich solche Fragen.

via REUTERS

Darum gehts

  • CVP-Nationalrätin Ruth Humbel könnte sich vorstellen, dass künftig nur noch Personen mit Immunitätsausweis an Grossanlässe dürfen.

  • Eine Studie zeigt, dass ein solcher Ausweis auch in der Genfer Bevölkerung auf Akzeptanz stösst.

  • Er wirft aber auch Fragen nach potenzieller Diskriminierung von Nicht-Geimpften auf.

Die Pharmaindustrie vermeldete jüngst Erfolge bei der Entwicklung eines Corona-Impfstoffes. Der Impfstoff von Biontech und Pfizer hat den nötigen Sicherheitsmeilenstein für eine Notfallgenehmigung erreicht. Auch Moderna meldete kürzlich einen Durchbruch mit der Wirksamkeit von 94,5 Prozent. Die Schweiz hat bei Moderna 4,5 Millionen Impfdosen vorbestellt. In der Politik wird nun diskutiert, wer als erstes geimpft werden soll und ob diese Personen Vorteile gegenüber nicht geimpften haben sollen. Braucht es eine Art «Coronapass»?, fragt diesbezüglich die «Aargauer Zeitung

Die Aargauer CVP-Nationalrätin Ruth Humbel kann sich dies gut vorstellen, wie sie in der Sendung «Sonntalk» von TeleZüri verlauten lässt. Wenn es klar sei, dass eine Ansteckung dank Impfung verhindert werden kann, könnte beispielsweise an Grossanlässen wie Fussballsielen nur immunen Personen Einlass gewährt werden. Es bräuchte also so einen Immunitätsausweis.

Ist das fair? Werden damit Personen diskriminiert, die sich nicht impfen lassen wollen? Berechtigte Fragen, denn ein Impfzwang will niemand, da sind sich Ruth Humbel und die anderen Diskussionspartner Matthias Aebischer, SP-Nationalart Kanton Bern und Markus Somm, ehemaliger BaZ-Chefredaktor, einig.

Sorge um Diskriminierung

Nichtsdestotrotz stösst ein Immunitätsausweis zumindest in einem Teil der Genfer Bevölkerung auf Akzeptanz, wie eine in der Zeitschrift «Swiss Media Weekly» veröffentliche Studie des Universitätsspitals Genf zeigt. Wenn eine Immunität nachzuweisen sei, so gaben 60 Prozent von 1425 Befragten an, dass ein entsprechender Ausweis angeboten werden sollte. 55 Prozent waren sogar für eine obligatorischen Impfung und 49 Prozent für eine obligatorische Impfbescheinigung. 68 Prozent gaben aber auch Bedenken eines potenziellen Diskrimminierungsrisikos an. Etwa ein Drittel fürchtete zudem, dass sich Personen absichtlich mit dem Virus infizieren könnten, um weiterhin uneingeschränkt am gesellschaftlichen Leben teilhaben zu können.

Die Autoren der Studie geben keine Empfehlung für oder gegen einen Corona-Immunitätsausweis ab. Die Frage nach der Ethik und potenzielle Ungleichbehandlung sind auch für Chefarzt und Mitautor Professor Idris Guessous zentral. Er hält fest, dass es im Falle einer Einführung eines Immunitätsausweises flankierende Massnahmen brauche, damit Situation auch für nicht-immune Menschen akzeptabel ist, dass der Nutzen für die ganze Gesellschaft gewährleistet sei.

Hast du oder jemand, den du kennst, Mühe mit der Coronazeit?

Hier findest du Hilfe:

BAG-Infoline Coronavirus, Tel. 058 463 00 00

Dureschnufe.ch, Plattform für psychische Gesundheit rund um Corona

Branchenhilfe.ch, Ratgeber für betroffene Wirtschaftszweige

Pro Juventute, Tel. 147

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