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Neues ModellSollen Steuern vom Lohn abgezogen werden?

Im Kanton Basel-Stadt könnten die Staatsabgaben bald automatisch vom Lohn abgezogen werden. Was halten Sie von diesem System?

von
bz
Das Modell sieht vor, bei im Kanton wohnhaften Arbeitnehmern einen Steuerabzug von 10 Prozent des Bruttolohns vorzunehmen und die abgezogenen Beträge an die Steuerverwaltung zu überweisen.

Das Modell sieht vor, bei im Kanton wohnhaften Arbeitnehmern einen Steuerabzug von 10 Prozent des Bruttolohns vorzunehmen und die abgezogenen Beträge an die Steuerverwaltung zu überweisen.

Keystone/Gaetan Bally

So regelmässig wie die Steuerrechnung in die Briefkästen flattert, versendet die Basler Steuerverwaltung Betreibungen aufgrund von Steuerschulden. Jährlich handelt es sich um 15'000 bis 20'000 in der Gesamtsumme von total 80 Millionen Franken. Doch bald könnte die traditionelle Schweizer Steuerpraxis auf den Kopf gestellt werden.

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Laut der NZZ steht im Kanton Basel-Stadt ein neues Modell vor dem Durchbruch: Steuern sollen automatisch vom Lohn abgezogen werden können und vom Arbeitgeber direkt an die Steuerverwaltung überwiesen werden. Ähnliche Vorschläge sind auch in anderen Kantonen wie Zürich ein Thema.

Seit Montag setzt sich die Wirtschafts- und Abgabenkommission des Basler Kantonsparlaments mit einer entsprechenden Gesetzesvorlage auseinander. Diese soll die Basler Arbeitgeber dazu verpflichten, bei im Kanton wohnhaften Arbeitnehmern «einen Steuerabzug von 10 Prozent des Bruttolohnes vorzunehmen und die abgezogenen Beträge an die Steuerverwaltung zu überweisen». Bis Ende Jahr erwarte er vorbehaltlich Referendum einen rechtskräftigen Beschluss, sagt Rudolf Rechsteiner, SP-Grossrat in Basel-Stadt. zu 20 Minuten.

Arbeitnehmer können sich wehren

Das Basler Modell sieht laut NZZ ein freiwilliges Modell vor. Arbeitnehmer, die ihre Steuern weiterhin nach bisheriger Praxis bezahlen wollen, sollen sich mit einem Schreiben gegen den Lohnabzug wehren können. Die Arbeitgeber hingegen müssen den geforderten Betrag überweisen, sollte der Arbeitnehmer keinen Widerspruch einlegen. Laut Rechsteiner bleibt das Steuersystem vom Modell unberührt, denn rechtlich gesehen wird mit dem Abzug nicht die Steuerschuld selbst beglichen, sondern bloss eine Vorauszahlung geleistet, die mit der tatsächlich geschuldeten Steuer verrechnet wird.

Mit dem Modell würde ein urschweizerisches Prinzip verletzt, denn bisher zwackt der Staat den Bürgern nicht direkt das Geld vom Lohn ab. Stattdessen erhalten die Bürger eine Rechnung, die sie mit ihrer selbst erstellten Steuererklärung begleichen. Dieses Vertrauen des Staates in die Steuerzahler trägt zur im internationalen Vergleich hohen Steuermoral bei.

«Steuern eintreiben ist nicht Aufgabe der Arbeitgeber»

Ein verhaltensökonomisches Kurzgutachten des Zürcher Beratungsbüros Fehr Advice kommt zum Schluss, dass sich die Einführung eines automatisierten freiwilligen Direktabzugs aus volkswirtschaftlicher Sicht lohnt. Bei den Steuerzahlern verringere sich die Verschuldung, während für den Staat Mehreinnahmen entstünden. Rudolf Rechsteiner ist der Ansicht, dass das Modell verhindert, dass Leute betrieben werden, und deshalb Schwierigkeiten bei der Wohnungs- und Jobsuche erhalten. Viele Leute seien «kognitiv nicht so strukturiert, dass sie die Steuerzahlung planen können».

Die Bürgerlichen hingegen befürchten einen administrativen Leerlauf ohne Nutzen. Die Bürger sollten zudem nicht zu Erfüllungsgehilfen der Steuerverwaltung gemacht werden. «Es ist nicht die Aufgabe der Arbeitgeber, für den Staat Steuern einzutreiben. Vor allem für kleinere und mittlere Unternehmen wäre der Zusatzaufwand erheblich», sagt Barbara Gutzwiller, Präsidentin des kantonalen Arbeitgeberverbandes. Es sei stossend, wenn die Eigenverantwortung wegen Problemen einer Minderheit geschwächt werde. Der Staat schiebe sich in eine Vorrangstellung. Sie warnt davor, dass auch Krankenkassen- oder Versicherungsprämien direkt vom Lohn abgezogen werden.

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