Aktualisiert 14.09.2018 07:11

Doktor Sex

«Sollen wir die Cuckold-Fantasie ausleben?»

Tom hat mit seiner Frau tollen und abwechslungsreichen Sex. Trotzdem hat er seit einiger Zeit eine Idee, die ihn nicht mehr loslässt.

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Wichtig ist es, Fantasien nicht mit Wünschen zu verwechseln.

Wichtig ist es, Fantasien nicht mit Wünschen zu verwechseln.

Frage von Tom (36) an Doktor Sex: Ich bin seit 13 Jahren mit meiner Frau zusammen. Wir sind verheiratet und haben zwei wunderbare Kinder. Das Sexleben ist super und dank unseren Fantasien tauchen wir immer wieder in andere, aufregende Welten ein. Seit einiger Zeit stelle ich mir vor, dass meine Frau in meiner Gegenwart mit einem anderen Mann schläft.

Ich habe mit ihr darüber gesprochen und mich im Internet informiert. Die Sache lässt mich nicht mehr los und aus der Fantasie ist mittlerweile ein Wunsch geworden. Meine Partnerin ist nicht abgeneigt, hat aber etwas Angst, mich dabei zu verletzen. Aber wir lieben uns sehr und wissen, dass es rein körperlich sein würde und nicht emotional.


Wenn wir uns beim Sex vorstellen, es wäre noch ein anderer Mann dabei, ist es jedes Mal der Hammer. Trotzdem sind wir uns nicht sicher, ob wir das mal in der Realität ausleben sollen. Wir vermuten, dass es halt nur in der Fantasie so toll ist und in der Realität nur halb so schön sein könnte. Was denkst du?

Antwort von Doktor Sex

Lieber Tom

Unsere Fantasien halten sich nicht an moralische Vorstellungen. Im Gegenteil: Gerade was verboten oder schräg ist, läuft bevorzugt im Programm des Kopfkinos. Für Menschen, die sich strikt an gesellschaftliche Regeln halten, können diese daher sehr unangenehm sein. Manche fühlen sich davon bedrängt, andere fürchten sich gar davor. Schön, dass ihr sie geniessen könnt.

Ein Mann, den der sexuelle Kontakt seiner Partnerin mit einem Fremden aufgeilt, wird auch als Cuckold bezeichnet. Je nach Vorliebe der Beteiligten kann die Rolle des zweiten Mannes dominant, voyeuristisch, masochistisch und/oder devot sein. Der emotionale Mix aus Aufregung, Eifersucht und Geilheit dient dabei der Luststeigerung.

Cuckolding geschieht im gegenseitigen Einverständnis und ist daher nicht Fremdgehen. Und da es allein um den Kick beim Sex geht und keine Gefühle im Spiel sind, handelt es sich auch nicht um Polyamorie. Am ehesten vergleichbar ist diese Spielart mit dem Swingen, wobei dort meist beide Partner sexuelle Kontakte mit anderen Personen haben.

Beginnt damit, frei und ohne Vorbehalte eure konkreten Wünsche und Erwartungen zu diesem Abenteuer auszusprechen – im Wissen darum, dass nicht alles, was im Kopf abgeht, auch tatsächlich umgesetzt werden muss. So könnt ihr im geschützten Rahmen eine mögliche Umsetzung skizzieren.

Auch wenn ihr euch liebt und sicher fühlt, ist es notwendig, je individuell festzulegen, wie weit ihr zu gehen gedenkt, aber auch, was ihr glaubt, vom Partner oder von der Partnerin akzeptieren zu können. Diese Erkenntnisse tauscht ihr dann zusammen aus. Falls ihr danach die Umsetzung beschliesst, könnte es sinnvoll sein, beim ersten Mal nicht gleich aufs Ganze zu gehen und das Erlebnis danach sorgfältig und ehrlich auszuwerten.

Wichtig ist es, Fantasien nicht mit Wünschen zu verwechseln. Oft ist es nämlich gerade der Umstand, dass ein Gedankenspiel nicht ausgelebt werden kann oder soll, der seine Faszination ausmacht. Dem bewussten Entscheid, wo die Grenze zwischen Vorstellung und Wirklichkeit gezogen werden soll, kommt daher besondere Bedeutung zu. Wie du schreibst, beflügelt euch ja allein schon die Vorstellung, es zu tun. Vielleicht braucht es ja gar nicht mehr? Alles Gute!

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