Aktualisiert 23.04.2014 12:17

Erdogan«Sollen wir ihnen sagen: ‹Sterbt in Syrien›?»

Gemäss der Türkei sind mittlerweile fast eine Millionen Menschen aus Syrien in das Nachbarland geflohen. In Jordanien wird derweilen an einem Riesen-Flüchtlingscamp gebaut.

«Sollen wir unseren Brüdern sagen: Sterbt in Syrien?», fragte der türkische Ministerpräsident Erdogan rhetorisch an einer Fraktionssitzung seiner Partei.

«Sollen wir unseren Brüdern sagen: Sterbt in Syrien?», fragte der türkische Ministerpräsident Erdogan rhetorisch an einer Fraktionssitzung seiner Partei.

Der Bürgerkrieg in Syrien lässt die Zahl der Flüchtlinge in den Nachbarländern rasant ansteigen. In der Türkei haben nach Angaben von Ministerpräsident Recep Tayyip Erdogan inzwischen fast eine Million Syrer Zuflucht gesucht.

Erdogan verteidigte nach Angaben seiner Partei AKP bei einer Fraktionssitzung in Ankara die Aufnahme syrischer Flüchtlinge in der Türkei. Sie haben das Land nach offiziellen Angaben vom Februar schon damals umgerechnet 2,5 Milliarden Dollar gekostet. «Sollen wir unseren Brüdern sagen: ‹Sterbt in Syrien›?», fragte Erdogan.

Die Türkei hat nach Angaben des UNO-Flüchtlingshilfswerks UNHCR nach Libanon die meisten Bürgerkriegsflüchtlinge aus Syrien aufgenommen. Und in Jordaniens Wüste wird Ende des Monats ein neues Riesencamp eröffnet, das künftig bis zu 100'000 Menschen aufnehmen soll.

Insgesamt sind nach Angaben des UNHCR 2,7 Millionen Syrer in den Ländern der Region offiziell als Flüchtlinge registriert. Die USA werfen dem Regime in Damaskus mittlerweile erneut den Einsatz giftiger Chemikalien im Bürgerkrieg vor.

Es handle sich vermutlich um Chlorgas, das diesen Monat gegen das von der Opposition kontrollierte Dorf Kafr Sita eingesetzt worden sei, sagte Jen Psaki, Sprecherin im Washingtoner Aussenministerium, am Montag. Sie forderte eine Untersuchung zur genauen Klärung.

Psaki sprach allerdings nicht ausdrücklich von einem Chemiewaffen- oder Giftgaseinsatz. Zugleich ging sie mit scharfen Worten auf die für den 3. Juni angekündigten Präsidentenwahlen in dem Bürgerkriegsland ein. Es handle sich nicht um eine echte Abstimmung, sondern um eine «Parodie von Demokratie».

Deutscher Ex-Rapper wohl in Syrien getötet

Auch die Vereinten Nationen in New York kritisierten das geplante Votum. Indessen gibt es Gerüchte über den Tod eines deutschen Dschihadisten in den von Rebellen eroberten Gebieten. Offiziell wurde dies zunächst nicht bestätigt.

Wie die oppositionellen Beobachtungsstelle für Menschenrechte erklärte, kam bei einer bewaffneten Auseinandersetzung zwischen zwei islamistischen Gruppierungen – der Al-Nusra-Front und der Miliz Islamischer Staat im Irak und Syrien (ISIS) – im Nordosten des Landes auch ein Kämpfer mit dem Namen Abu Talha Al-Almani ums Leben.

Diesen Namen hatte sich der Salafist und ehemalige Gangsta-Rapper «Deso Dogg» Denis Cuspert gegeben. Auch in Internetforen wurden der Tod des Islamisten vermeldet und Nachrufe veröffentlicht. Die Beobachtungsstelle für Menschenrechte betonte, dass nicht sicher sei, ob es sich bei dem Toten tatsächlich um Cuspert handle.

Aktionsplan gegen Kämpfer aus Frankreich

Nach Angaben der Aktivisten kam es bereits am späten Sonntagabend zu dem Zwischenfall. Zwei Selbstmordattentäter der Al-Nusra-Front hätten in der Ortschaft Ghariba nördlich von Deir as-Saur einen Stützpunkt der ISIS angegriffen. 16 Menschen wurden dabei getötet.

Die französische Regierung will mit einem Aktionsplan verhindern, dass junge Islamisten aus Frankreich in den Bürgerkrieg in Syrien ziehen. Staatschef François Hollande sagte am Dienstag in Paris, es gelte, «mit allen Mitteln» angehende Dschihadisten von ihrem Vorhaben abzubringen, sie an der Umsetzung ihres Plans zu hindern. (sda)

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