01.04.2020 16:28

Lauber-Bericht

Sollte Jugendfreund für Infantino Infos sammeln?

Neben Treffen zwischen Bundesanwalt Lauber und Fifa-Chef Infantino sorgt nun ein weiteres Treffen für Zündstoff.

von
gwa
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Im Bericht der Aufsichtsbehörde über die Bundesanwaltschaft (AB-BA) wird Fifa-Präsident Gianni Infantino schwer belastet, schreibt die «NZZ».

Im Bericht der Aufsichtsbehörde über die Bundesanwaltschaft (AB-BA) wird Fifa-Präsident Gianni Infantino schwer belastet, schreibt die «NZZ».

AP/Markus Schreiber
Hintergrund sei ein Treffen zwischen Bundesanwalt Lauber (Bild) und einem Walliser Oberstaatsanwalt, einem Jugendfreund des Fifa-Präsidenten.

Hintergrund sei ein Treffen zwischen Bundesanwalt Lauber (Bild) und einem Walliser Oberstaatsanwalt, einem Jugendfreund des Fifa-Präsidenten.

Keystone/Peter Klaunzer
Dabei soll der Jugendfreund vorgefühlt haben, ob der Weg für eine Kandidatur Infantinos als Fifa-Präsident frei sei.

Dabei soll der Jugendfreund vorgefühlt haben, ob der Weg für eine Kandidatur Infantinos als Fifa-Präsident frei sei.

AP/Markus Schreiber

Erst kürzlich hatte die Aufsichtsbehörde über die Bundesanwaltschaft (AB-BA) das Disziplinarverfahren gegen Bundesanwalt Michael Lauber abgeschlossen. Darin waren mehrere geschwärzte Stellen enthalten. Was sich hinter den abgedeckten Stellen verberge, sei brisant, berichtet jetzt die «NZZ» (Bezahlartikel), der die vollständige Fassung des Berichts vorliegt.

Denn: Bundesanwalt Lauber soll sich schon im Juli 2015 mit Rinaldo Arnold, einem Walliser Oberstaatsanwalt und Jugendfreund des Fifa-Präsidenten Gianni Infantino, getroffen haben. Dabei soll der Jugendfreund vorgefühlt haben, ob der Weg für eine Kandidatur Infantinos als Fifa-Präsident frei sei. Infantino habe bereits zu diesem Zeitpunkt mit einer Kandidatur geliebäugelt. Deshalb soll er ein Interesse an der Information gehabt haben, ob bei der Bundesanwaltschaft Strafverfahren gegen den damaligen Fifa-Präsidenten Joseph Blatter und den damaligen Uefa-Präsidenten Michel Platini laufen.

Komplott gegen Blatter und Platini?

Bekannt wurde das Treffen erst im Laufe der Ermittlungen. Dabei sei es aber nur um «allgemeine strafrechtliche Fragen» gegangen, hätten Lauber und dessen Kommunikationschef André Marty während Befragungen angegeben. Dem schenke die AB-BA aber keinen Glauben und verweise auf die Umstände zu dieser Zeit: Im Mai 2015 wurden mehrere ranghohe Fifa-Mitglieder im Hotel Baur au Lac in Zürich festgenommen. Für die AB-BA stehe fest, dass es beim Treffen zwischen Lauber und dem Oberstaatsanwalt um die eingeleiteten Verfahren gegen die Fifa-Funktionäre gegangen sei. Arnold habe ein Motiv gehabt, um Informationen etwa zu Blatter und Platini zu erhalten. Dem widersprechen jedoch die Beteiligten. Laut Lauber sei der Bericht spekulativ.

«Um jeglichen Zweifel zu beseitigen und absolut klar zu sein: Gianni Infantino hat im Juli 2015 niemanden damit beauftragt, den Bundesanwalt zu treffen», teilte auch die Fifa der «NZZ» mit. Infantino habe damals zudem gar nicht als Präsident kandidieren wollen, er habe die Kandidatur Platinis unterstützt.

Blatter und Platini fühlten sich durch den AB-BA-Bericht bestätigt, schreibt das Blatt. Beide hatten schon zu einem früheren Zeitpunkt angegeben, dass sie damals durch ein Komplott ausgestochen werden sollten. Denn zwei Monate nach dem Treffen leitete die Bundesanwaltschaft ein Strafverfahren ein: Hintergrund ist eine dubiose Zahlung über zwei Millionen von Blatter an den damaligen Uefa-Präsidenten Platini. Blatter musste danach zurücktreten, auch Platinis Ansehen wurde beschädigt. Davon profitiert habe schliesslich Infantino, der damals noch Uefa-Generalsekretär war.

Lauber kündigt Rekurs an

Bundesanwalt Michael Lauber hat Rekurs gegen die wegen mutmasslicher Amtspflichtverletzungen verfügte Lohnkürzung angekündigt. Er werde die Verfügung mit seiner Rechtsvertretung anfechten, teilte er mit.

Der 54-Jährige betont, dass die Verfügung der Aufsicht über die Bundesanwaltschaft (AB-BA) vom 2. März im Disziplinarverfahren gegen ihn nicht rechtskräftig sei. Er bestreite die gegen ihn erhobenen «Behauptungen und Wertungen» vollumfänglich.

Dem Bundesanwalt wird unter andrem vorgeworfen, Treffen mit dem Fifa-Präsidenten Gianni Infantino nicht protokolliert zu haben. Danach soll er mehrfach die Unwahrheit gesagt und die Untersuchung gegen ihn behindert haben. Die Aufsicht verfügte als Disziplinarmassnahme eine Lohnkürzung von acht Prozent für die Dauer eines Jahres, was rund 24'000 Franken entspricht. (SDA)

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