Schneckenschleim: Macht dieser Beauty-Trend in Hautpflege-Produkten Sinn?
Sollte Schneckenschleim Einzug in deine Beauty-Routine halten? Das ist auch eine Frage der Ethik.

Sollte Schneckenschleim Einzug in deine Beauty-Routine halten? Das ist auch eine Frage der Ethik.

Unsplash/Tamara Schipchinskaya
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Klebriges WunderSollte Schneckenschleim zu deiner Beauty-Routine gehören?

Auf Social Media wird Schneckenschleim als Wundermittel für perfekte Haut angepriesen. Wie sehr die Tiere leiden, wird oft verschwiegen. 

von
Malin Mueller

Zugegeben, brandneu ist das Konzept nicht: Alle paar Jahre wieder scheint Schneckenschleim als Zusatz in Beauty-Produkten aus der Versenkung aufzutauchen. Alle ekeln sich kurz, dann wird das Sekret für seine scheinbar Haut-perfektionierenden Eigenschaften in den Himmel gelobt. Ein Phänomen, dass sich aktuell mit 34 Millionen Aufrufen auch auf Tiktok beobachten lässt. Ist also wirklich etwas dran an der Wunderzutat – und können wir die Ingredienz überhaupt mit gutem Gewissen nutzen?

Warum schleimen Schnecken?

Um die Frage zu beantworten, muss zunächst geklärt werden, wieso Schnecken den Schleim überhaupt produzieren: Er dient als Schutzmechanismus bei der Fortbewegung. Sie können dank ihm an Wänden hochkriechen, über Stock und Stein und wenn es sein muss, sogar über eine Rasierklinge schlängeln, ohne Schaden zu nehmen. Auch Bakterien halten sie damit von sich fern. Damit der Schleim möglichst zuverlässig feucht bleibt, enthält er bei vielen Arten Hyaluron – den Stoff, der auch unsere Haut hydriert und prall hält. Und ja, so eine Schutzschicht, die auch noch ungebetenen Krankheiten und Reizen den Kampf ansagt, klingt natürlich ganz gut.

Kann unsere Haut profitieren?

Jein. Natürlich kann unsere Haut durch Hyaluron profitieren und auch die antibakteriellen Eigenschaften des Schleims sind nicht unbedingt schädlich. Allerdings wird laut Peta in vielen Produkten aus Kostengründen lediglich das Sekret der Gartenschnecke genutzt, das keine wertvollen Wirkstoffe für die Haut enthält. Das gereinigte, gefilterte Schneckensekret spezieller Arten enthält zwar Wirkstoffe – inwiefern diese in unsere Haut eindringen können, ist bisher aber noch nicht ausreichend untersucht.

Hyaluron kommt natürlicherweise in der Haut und in vielen Beautyprodukten vor – nicht nur in solchen mit Schneckenschleim.

Hyaluron kommt natürlicherweise in der Haut und in vielen Beautyprodukten vor – nicht nur in solchen mit Schneckenschleim.

Pexels/Cottonbro

Wie wird der Schleim gewonnen?

Und nun zur wahren Krux an der Geschichte: Um den Schleim herzustellen, braucht eine Schnecke enorm viel Energie. Unter anderem deshalb ist sie so langsam unterwegs. Muss nun aber der Stoff in grossen Mengen her, müssen die Tiere leiden. Einige werden «nur» über einen dicht gewebten Netzstoff kriechen gelassen, um den Schleim abzufangen. Andere werden mit Salzwasser dehydriert oder durch Stromschläge, Stöcke oder Zentrifugen so sehr gestresst, dass sie als Schutzfunktion mehr des Sekrets produzieren. Als wirbellose Tiere fallen Schnecken nicht unter das Tierschutzgesetz und erleiden durch die Methoden üblicherweise nicht den Tod. Welche Methoden genau genutzt werden, muss daher nicht offengelegt werden.

Gibt es eine Alternative?

Neben den unzähligen Produkten auf dem Markt, die mit Hyaluron angereichert sind, ohne sich dabei an einer Schnecke bedient zu haben, wird aktuell auch an Phytomucin geforscht. Das ist eine vegane Alternative zum Schleim, die aus wildem Yams, Seegras oder Okrawurzeln gewonnen wird. Gegenüber dem Beautymagazin «Allure» verrät die Chemie-Kosmetikerin Ginger King, dass damit zu rechnen ist, dass der Stoff im nächsten Jahr auf dem Markt Einzug hält. Kleine Info den Schnecken zu Liebe: In nicht einmal neun Monaten ist 2023 schon da.

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