17.07.2020 19:38

Mögliche Verursacher von Prostatakrebs

Sollten auch Buben gegen HP-Viren geimpft werden?

Die häufigste Krebsart bei Männern könnte einen viralen Auslöser haben. So wird Prostatakrebs offenbar durch eine Infektion mit Humanen Papillomaviren verursacht.

von
Fee Anabelle Riebeling
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Prostatakrebs ist in der Schweiz die häufigste Krebsart bei Männern.

Prostatakrebs ist in der Schweiz die häufigste Krebsart bei Männern.

Foto: Getty Images/iStockphoto
Pro Jahr erkranken hierzulande rund 6100 Männer daran. Damit entfallen fast 30 Prozent der Krebsdiagnosen bei Männern auf Prostatakrebs.

Pro Jahr erkranken hierzulande rund 6100 Männer daran. Damit entfallen fast 30 Prozent der Krebsdiagnosen bei Männern auf Prostatakrebs.

Laut einer Studie von australischen Forschern wird Prostatakrebs offenbar durch eine Infektion mit dem Humanen Papillomavirus (HPV) verursacht oder zumindest begünstigt. (Im Bild: HPV im Elektronenmikroskop)

Laut einer Studie von australischen Forschern wird Prostatakrebs offenbar durch eine Infektion mit dem Humanen Papillomavirus (HPV) verursacht oder zumindest begünstigt. (Im Bild: HPV im Elektronenmikroskop)

Foto: Wikimedia Commons/PD

Darum gehts

  • Australische Forscher finden Zusammenhang zwischen HPV-Infektion und Prostatakrebs.
  • Indizien dafür gibt es mehrere. So ist das Virus etwa in auffällig vielen Prostata-Tumoren präsent.
  • Die Forscher halten daher eine HPV-Impfung auch für Buben sinnvoll.

Die Impfung gegen Humane Papillomaviren, kurz HPV oder HP-Viren, wird in der Schweiz Mädchen als Basis- und Buben als ergänzende Impfung empfohlen (siehe Box). Doch laut australischen Forschern ist das zu kurz gedacht. Wie sie im Fachjournal «Infectious Agents and Cancer» schreiben, können HPV-Infektionen die Entstehung bösartiger Tumore in der Prostata direkt oder indirekt auslösen.

Für die Studie hatten James Lawson und Wendy Glenn von der University of New South Wales in Sydney 26 Arbeiten ausgewertet, die seit 1980 zum Thema Prostatakrebs und HPV veröffentlicht wurden. Konkret prüften sie, ob HPV bei bösartigen Prostatatumoren häufiger im Gewebe nachweisbar ist.

Impfung in der Schweiz

Humane Papillomaviren (HPV) sind hochansteckend und werden per Hautkontakt übertragen – selbst dann, wenn Kondome zum Einsatz kommen. Schätzungen zufolge infizieren sich über 90 Prozent der sexuell aktiven Menschen im Laufe ihres Lebens mit HPV. Besonders betroffen sind die 16- bis 25-Jährigen, da sie seltener in festen, dauerhaften Beziehungen leben.

Zwar klingt eine Infektion in den meisten Fällen ohne gesundheitliche Probleme ab. Es kommt jedoch auch vor, dass die Erkrankung andauert, chronisch wird und zu Gewebeveränderungen führt. Aus diesen kann sich Krebs entwickeln. Bei den Frauen ist das vor allem Gebärmutterhalskrebs, bei den Männern sind es – nach bisherigem Kenntnisstand – Tumorerkrankungen an After, Penis und Zunge sowie solche in Mund und Rachen.

Den sichersten Schutz bietet eine Impfung, die im Idealfall vor dem ersten sexuellen Kontakt stattfindet. Das Bundesamt für Gesundheit (BAG) und die Eidgenössische Kommission für Impffragen (EKIF) empfehlen sie daher allen Mädchen im Alter von 11 bis 14 Jahren und als «Nachholimpfung» für junge Frauen von 15 bis 19 Jahren. Für junge Frauen von 20 bis 26 Jahren sowie für Buben und Männer im Alter von 11 bis 26 Jahren wird die HPV-Impfung als ergänzende Impfung empfohlen. Die Impfung gilt als wirksam und sicher und wird durch das kantonale Impfprogramm bis zum Alter von 27 Jahren übernommen.

Auffällige Häufungen

Die Wissenschaftler wurden fündig. Sie stiessen im Prostatagewebe von Tumorpatienten auf eine auffällige Häufung der besonders krebserregenden HPV-Varianten 16 und 18 (siehe Box). Vor allem die Analyse jüngerer Studien war aus Sicht der Forscher ergiebig. So waren 231 der 1071 untersuchten Prostatakrebs-Fälle (21,5 Prozent) HPV-positiv. Bei den 1103 krebsfreien Männern waren dagegen nur 74 Proben HPV-haltig (6,7 Prozent).

«Beweise für den Zusammenhang von Hochrisiko-HPV-Typen und Prostatakrebs haben wir in mehreren Studien gefunden, die in verschiedenen Ländern durchgeführt wurden und verschiedene Methoden zur Identifizierung von HPV verwendeten», so Glenn zu Theaustralian.com.au.

Mehr als 200 HP-Viren

Es sind mehr als 200 verschiedene Virus-Typen bekannt, die unterschiedliche Krankheiten auslösen können. Am gefürchtetsten sind HPV-16 und -18, die Krebs im Genital- sowie im Hals-Rachen-Bereich auslösen können. Ebenfalls häufig sind HPV-6 und -11. Sie verursachen Genitalwarzen.

Die beiden derzeit in der Schweiz verfügbaren Impfstoffe beugen Infektionen mit den Hochrisiko-Typen HPV-16 und -18 vor. Einer der beiden ist zudem gegen die Warzen verursachenden HPV-6 und -11 sowie gegen fünf weitere Papillomavirus-Typen gerichtet (HPV 31, 33, 45, 52 und 58).

«Kausaler Zusammenhang sehr wahrscheinlich»

Weiter zeigte die Auswertung, dass HPV-Infektionen die Entstehung von bösartigen Tumoren in der Prostata direkt oder indirekt über Elemente des Immunsystems auslösen können. «Die Hochrisiko-Typen HPV-16 und 18 haben die Fähigkeit, normale Prostatazellen in Krebszellen umzuwandeln», zitiert Scinexx.de Lawson und Glenn. Das bestätigten auch weitere Untersuchungen, laut denen Männer, in deren Prostatageweben diese Viren nachgewiesen worden waren, zehn Jahre später häufiger an Prostatakrebs erkrankten.

Auch die Daten zur Sterblichkeit durch Gebärmutterhals- und Prostatakrebs in mehreren Ländern sprachen laut den Forschern eine deutliche Sprache: So zeigte sich, dass in den Ländern, in denen die Sterblichkeit durch Gebärmutterhalskrebs hoch war, auch die Sterblichkeit durch Prostatakrebs erhöht war, während in Ländern, in denen die Sterblichkeit durch Gebärmutterhalskrebs niedrig war, die Sterblichkeit durch Prostatakrebs ebenfalls niedrig ausfiel.

Nach Ansicht der Forscher gibt es damit Grund genug anzunehmen, dass es einen kausalen Zusammenhang zwischen HPV und Prostatakrebs gibt: «Eine kausale Rolle der HPV beim Prostatakrebs ist sehr wahrscheinlich.»

Offene Fragen

Allerdings ist diese noch nicht erwiesen, wie unter anderem Peter Hammerer, Leiter der Urologischen Klinik am Städtischen Klinikum Braunschweig, sagt: «Die genauen Mechanismen sind nicht vollständig geklärt. Inwieweit weitere genetische Voraussetzungen vorhanden sein müssen, ist aktuell noch unklar.» Dennoch sei es wichtig, auf einen Zusammenhang zwischen Virusinfektion und Krebsrisiko hinzuweisen, so Hammerer zu Focus.de.

Dass bis zur endgültigen Klärung der Frage noch weitere Untersuchungen nötig sind, dessen sind sich auch Lawson und Glenn bewusst: Zwar seien HPV nur eine Gruppe von Krankheitserregern, die eine Rolle bei Prostatakrebs spielen könnten, aber es seien die einzigen, gegen die es einen Impfstoff gebe. Entsprechend sei es wichtig, den Zusammenhang näher zu untersuchen. Sollten die Papillomaviren aber tatsächlich entscheidend zum späteren Prostatakrebs-Risiko beitragen, könnte diese Impfung viele Krebsfälle verhindern.

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55 Kommentare
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wollt ihr das

18.07.2020, 19:09

Neben dem Impfstoff sind in jeder Impfdosis ausserdem belastende Konservierungsstoffe und etwa 500 Mikrogramm Aluminium enthalten. Diese Hilfsstoffe können Autoimmunreaktionen auslösen. Aluminiumhydroxid hat ferner neurotoxisches Potential und kann das Nervensystem schädigen.

aua

18.07.2020, 19:05

Das Vaccine Adverse Event Reporting System (VAERS), ein grosses Impf-Meldesystem in den USA, hat seit der Einführung der HPV-Impfung bis 2011 bei 35 Millionen Impfungen rund 18.700 Verdachtsfälle möglicher Nebenwirkungen erfasst, wobei 8 Prozent davon als schwer eingestuft werden.

sitzendpinkeln

18.07.2020, 09:01

man konnte wissenschaftlich beweisen, dass Hodenkrebs bei Männer die im stehen pinkeln viel mehr vorkommt, als bei Männer, die im sitzen pinkeln. liebe Männer, sitzt doch einfach ab beim pinkeln.