Aktualisiert 27.10.2019 20:13

Swiss-CEOSollten Flugtickets im Minimum 100 Fr kosten?

Swiss-CEO Thomas Klühr will, dass Tickets künftig mindestens 100 Franken kosten. Das sei besser für die Umwelt als eine CO2-Abgabe.

von
Raphael Knecht
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Billigairlines machen Thomas Klühr, CEO der Swiss, zu schaffen.

Billigairlines machen Thomas Klühr, CEO der Swiss, zu schaffen.

Keystone/Ennio Leanza
Er schlägt darum vor, dass ein Schweizer Flugticket künftig mindestens 100 Franken kosten soll.

Er schlägt darum vor, dass ein Schweizer Flugticket künftig mindestens 100 Franken kosten soll.

Swiss
Der Airline-Chef argumentiert, dass so eine Massnahme einen grösseren Einfluss auf die CO2-Reduktion haben könnte, als etwa eine Flugticketabgabe.

Der Airline-Chef argumentiert, dass so eine Massnahme einen grösseren Einfluss auf die CO2-Reduktion haben könnte, als etwa eine Flugticketabgabe.

Keystone/Gaetan Bally

Die Billigfliegerei schadet der Flugbranche, monieren Airlines wie die Swiss. Nun hat CEO Thomas Klühr einen Vorschlag – die Branche müsse über einen Schwellenwert nachdenken: «In der Schweiz sollte es keine zweistelligen Ticketpreise geben. Also keine Flüge unter 100 Franken», sagt Klühr zum «Sonntagsblick».

Der Airline-Chef argumentiert, dass so eine Massnahme einen grösseren Einfluss auf die CO2-Reduktion haben könnte als etwa eine Flugticketabgabe. Wenn Passagiere wegen einer hohen Abgabe aufs Fliegen verzichten würden, könnten die Fluggesellschaften mit tiefen Preisen jederzeit neue Passagiere anlocken und ihre Flugzeuge füllen.

Dieser Einschätzung pflichtet Andreas Wittmer, Ökonom an der Universität St. Gallen, bei: «Auch eine CO2-Abgabe kann so eingepreist werden, dass Nonsense-Flüge auf der Kurzstrecke weiterhin stattfinden.» Darum sei ein Mindestpreis von 100 Franken eine sinnvolle Massnahme.

Weniger Passagiere und mehr Transparenz

Experten sind überzeugt, dass die Erhöhung von Ticketpreisen grundsätzlich dazu führt, dass die Nachfrage abnimmt. So sagt etwa Martin Peter, Ökonom beim Forschungsbüro Infras: «Wenn eine Airline die Ticketpreise für einen Flug um beispielsweise zehn Prozent erhöht, dann passen rund zehn Prozent der Passagiere ihr Reiseverhalten an.» Bei Geschäftsreisen sei der Effekt weniger stark als bei Freizeitreisen.

Wittmer von der Universität St. Gallen sieht zudem den Vorteil, dass ein Mindestpreis von 100 Franken mehr Preistransparenz schaffen würde. Denn bei vielen Billigairlines bezahle man aufgrund zusätzlicher Gebühren am Schluss doch mehr als den ursprünglich angegebenen Ticketpreis.

Die Swiss dürfte aber auch einfach ihre eigenen Interessen verfolgen, glaubt Philippe Strässle von Airhelp. Schliesslich hätten die alteingesessenen Konzerne in der Branche besonders grosse Schwierigkeiten mit Preisanpassungen nach unten.

Europa muss sich um Lösung bemühen

«So eine Untergrenze bringt nur etwas, wenn sie in ganz Europa durchgesetzt würde», so Wittmer. Sonst würden Passagiere über Flughäfen im Ausland fliegen – Umwege, die erst recht nicht gut fürs Klima sind. Ob Mindestpreis oder CO2-Abgaben, wichtig sei, dass man auf gesamteuropäischer Ebene eine Lösung finde und nicht jedes Land etwas anderes macht.

Laut Klühr von der Swiss dürfte der EU sowieso noch mehr an einem Mindestpreis gelegen sein. Denn die Schweizer Branche habe es noch nicht so schwierig wie der Rest von Europa. Dies, weil einige der ganz aggressiven Wettbewerber bisher nicht oder kaum ab Schweizer Destinationen fliegen.

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