«Es geht mir richtig schlecht» - Solothurnerin erhält nach Internet-Mobbing Morddrohungen
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«Es geht mir richtig schlecht»Solothurnerin erhält nach Internet-Mobbing Morddrohungen

«Ich weiss wo du wohnst, ich werde dich umbringen:» Solche und ähnliche Nachrichten erhält Jetmira Avdili (27) seit Tagen auf Social Media. Ein Fakeprofil gibt sich auf Tiktok als Avdili aus und hetzt damit gegen ihre Follower.

von
Christina Pirskanen
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Die schweiz-kosovarische Doppelbürgerin Jetmira Avdili (27) ist auf Instagram gut bekannt. Nun werden seit Monaten ihre Videos missbraucht und falsifiziert. «Es geht mir richtig schlecht», sagt die 27-Jährige.

Die schweiz-kosovarische Doppelbürgerin Jetmira Avdili (27) ist auf Instagram gut bekannt. Nun werden seit Monaten ihre Videos missbraucht und falsifiziert. «Es geht mir richtig schlecht», sagt die 27-Jährige.

Instagram: jetaoraofficial
So sah das originale Video aus, das Avdili zuerst auf Instagram und dann auf Tiktok publizierte. Der vermerkte Standort lautet Sofia, Bulgarien.

So sah das originale Video aus, das Avdili zuerst auf Instagram und dann auf Tiktok publizierte. Der vermerkte Standort lautet Sofia, Bulgarien.

Privat
Das Fakeprofil entwendete das Video, bearbeitete es und publizierte es dann ebenfalls auf Tiktok. Nun habe Avdili sich laut Standortvermerk in Belgrad, Serbien aufgehalten. Die albanische Community war nicht erfreut.

Das Fakeprofil entwendete das Video, bearbeitete es und publizierte es dann ebenfalls auf Tiktok. Nun habe Avdili sich laut Standortvermerk in Belgrad, Serbien aufgehalten. Die albanische Community war nicht erfreut.

Privat

Darum gehts

  • Seit einigen Monaten terrorisiert ein Fakeprofil die Solothurnerin Jetmira Avdili (27).

  • Die unbekannte Person bedient sich an Videos von Avdili, bearbeitet diese und stellt sie dann auf Tiktok.

  • Vor einigen Tagen behauptete das Fakeprofil, dass die 27-Jährige sich das Leben nehmen wolle.

  • Nachdem sogar albanische Medien über den möglichen Suizid berichteten, wandte sich die Solothurnerin an die Polizei.

«Ein Fakeprofil auf Tiktok macht mir das Leben kaputt!» Jetmira Avdili (27) wird im Netz gemobbt. Eine Person gibt sich auf Tiktok mittels Fakeprofil als Avdili aus und beleidige damit ihre Follower und Followerinnen - dies schon seit einigen Monaten. Der für Avdili unbekannte Ersteller des Fakeprofils verwende Videos der Instagram- und Tiktokprofile der 27-Jährigen und verändere dann mithilfe von Videoschnitten ihren Kontext.

«Es geht mir richtig schlecht», erzählt die Solothurnerin. In einem Video, welches die 27-Jährige auf Instagram veröffentlicht hatte, vermerkte Avdili ihren Standort: Sofia, Bulgarien. Das Fakeprofil habe dieses Video gestohlen, bearbeitet und eine neue Version auf Tiktok veröffentlicht. Nun sei Avdili laut Standortangabe plötzlich in Belgrad, Serbien gewesen. «Ihr könnt euch vorstellen, wie die albanische Community darauf reagiert hat», so Avdili. Die Lage zwischen Serbien und Kosovo ist auch 20 Jahre nach dem Krieg noch angespannt.

«Jetzt war das Fakeprofil zu weit gegangen»

Avdili publizierte umgehend eine Videobotschaft, in der sie weinend zu erklären versuchte, dass jemand ihre Videos missbraucht. Doch auch dieses Video landete wenig später auf Tiktok, wieder in abgeänderter Form. So sah man nun eine weinende Avdili - in der Beschreibung des Videos stand, dass sie Suizid begehen wolle.

Es dauerte nicht lange, bis das Video Aufmerksamkeit erlangte: «Plötzlich berichteten albanische Medien darüber, dass ich mich umbringen möchte», sagt Avdili. «Jetzt war das Fakeprofil zu weit gegangen.» Sie sei froh, dass sie so stark sei. «Ich würde das sonst nicht überleben. Zum Glück passiert das mir und nicht einer anderen jungen Frau», sagt die 27-Jährige. Bekannt im Kosovo wurde Avdili, als sie auf einem Foto während des Schweizer Militärdiensts mit dem Doppeladler-Symbol posierte. Auch 20 Minuten berichtete damals über den Vorfall.

Was ist Cybermobbing?

Wenn mehrere Täter und/oder Täterinnen eine Person via Internet oder Handy über einen längeren Zeitraum hinweg absichtlich beleidigen, bedrohen, blossstellen oder belästigen, dann spricht man laut Schweizerischer Kriminalprävention von Cybermobbing.

Im Einzelnen geht es dabei um:

  • die Verbreitung von falschen Informationen und Gerüchten

  • die Verbreitung und das Hochladen von peinlichen, verfälschten, freizügigen oder pornografischen Fotos und Videos

  • das Erstellen von (beleidigenden) Fake-Profilen

  • das Beschimpfen, Belästigen, Bedrohen und Erpressen via E-Mail, SMS etc.

  • die Gründung von «Hassgruppen», in denen wie in einem Gästebuch negative Äusserungen über Einzelpersonen gemacht werden können.

Wenn der Verdacht einer strafbaren Handlung besteht oder bei grundsätzlichen Unsicherheiten wird empfohlen, sich auf einem Polizeiposten zu begeben und sich dort beraten zu lassen, so Mediensprecher Bruno Gribi der Kantonspolizei Solothurn.

«Opfer werden blossgestellt und bedroht»

Nachdem die schweiz-kosovarische Influencerin nun Morddrohungen erhielt, habe sie bei der Polizei Anzeige erstattet. Die Kantonspolizei Solothurn bestätigt den Sachverhalt. Aufgrund des laufenden Verfahrens will sie aber kein weiteres Statement zum Fall abgeben.

Mobbing sei eine subtile Form der psychischen Gewalt, Opfer werden blossgestellt und bedroht, sagt Lulzana Musliu, Mediensprecherin von Pro Juventute. «Man kann dem Mobbing nicht entfliehen, sondern zuhause fängt es erst richtig an, wenn man die sozialen Medien oder Whatsapp aufmacht. Das mindert das Selbstgefühl stark und kann schwerwiegende psychische Folgen haben.» Wichtig sei, dass sich betroffene Personen Hilfe holen (siehe Service-Box unten).

Bist du oder ist jemand, den du kennst, von (Cyber-)Mobbing betroffen?

Hier findest du Hilfe:

Pro Juventute, Beratung für Kinder und Jugendliche, Tel. 147

Fachstelle Mobbing (kostenpflichtig)

Elternberatung, Tel. 058 261 61 61

Hilfe bei Mobbing, Fachstelle für Schulen und Eltern (kostenpflichtig)

Dargebotene Hand, Sorgen-Hotline, Tel. 143

Beratungsstellen der Opferhilfe Schweiz

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