Aktualisiert 07.06.2006 14:00

Somalia: Geistlicher sagt «Ungläubigen» den Kampf an

Nach dem Sieg islamistischer Milizen im Kampf um die somalische Hauptstadt Mogadischu verlieren die Fundamentalisten keine Zeit: Der höchste Geistliche des Landes rief zum Kampf gegen alle «Ungläubigen» auf.

«Das ist ein Kampf zwischen den Anhängern des Islams und gottlosen Eroberern und jenen, die sie unterstützen», sagte Scheich Nur Barud in einer Radioansprache mit Blick auf die Unterstützung einer Gruppe von Warlords durch die USA. Er forderte seine Landsleute zur Verteidigung der islamischen Gerichte auf.

In seiner Rede betonte Nur Barud, dass die heftigen Kämpfe in Mogadischu in den vergangenen Tagen aus seiner Sicht keine Auseinandersetzungen zwischen verschiedenen Clans seien: «Das ist ein Krieg gegen die Ungläubigen», sagte er.

Mit dem Aufruf erschien ein Wiederaufflammen der Gefechte zwischen islamistischen Kämpfern und der Milizen-Allianz ARPCT wahrscheinlich. Das von den USA unterstützte Bündnis von Warlords hatte am Montag nach monatelangen Kämpfen um die Vorherrschaft in Mogadischu eine schwere Niederlage erlitten.

Ein Unterclan des Hawiye-Stammes, der den nördlichen Teil Mogadischus kontrolliert, hatte allerdings Widerstand gegen den wachsenden Einfluss der Islamisten angekündigt.

Neue Kämpfe drohten auch in Jowahr, der 90 Kilometer nördlich von Mogadischu gelegenen letzten grossen Bastion der ARPCT. «Wir werden unsere Stadt bis zum Tod verteidigen», sagte Jendayi Dheere, ein Bruder des Kriegsherren und ARPCT-Gründungsmitgliedes Mohamed Dheere.

US-Einmischung nicht dementiert

Für die USA sei es am wichtigsten, «dass Somalia kein Zufluchtsort von El Kaida wird», sagte US-Präsident George W. Bush am Dienstag in Laredo im US-Bundesstaat Texas. Deshalb beobachte die US-Regierung genau, wie sich die Lage in dem ostafrikanischen Land entwickele.

Washington hat seine Hilfe für die ARPCT offiziell weder bestätigt noch dementiert. US-Regierungsmitarbeiter räumten gegenüber der Nachrichtenagentur AFP allerdings ein, dass das Bündnis Geld und Geheimdienstinformation erhalten habe. Damit sollte eine Übernahme der Macht durch die Islamisten verhindert werden. (sda)

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