Investoren: Somalische Piraten gründen «Börse»
Aktualisiert

InvestorenSomalische Piraten gründen «Börse»

Nach einigen Monaten relativer Ruhe haben die Seeräuber in den Gewässern vor Somalia wieder Fahrt aufgenommen. Zur Finanzierung ihrer Aktivitäten haben sie eine Art «Börse» gegründet. Zahlreiche «Investoren» machen mit.

von
pbl

Piraterie ist ein lukratives Business, wer sich daran beteiligt, kann dank Lösegeldern in Millionenhöhe ein reicher Mann werden. Luxuriöse Offroader in einst bitterarmen Gegenden Somalias zeugen davon – so auch in Haradere, einer Stadt rund 400 Kilometer nordöstlich von Mogadischu. Ein Reporter der Agentur Reuters hat sich dorthin gewagt und Erstaunliches festgestellt: Die Piraten finanzieren sich über eine Art «Börse».

Gegründet wurde sie vor vier Monaten während der Monsunzeit, in der die Seeräuber ihre Aktivitäten weitgehend eingestellt hatten. «Wir starteten mit 15 'Schifffahrts-Unternehmen'», sagte Mohammed, ein reich gewordener Ex-Pirat. Inzwischen seien es schon 72. Zehn davon seien erfolgreich auf Kapertour gegangen. «Investoren» zu finden sei kein Problem, jeder könne mitmachen, ob mit Geld, Waffen oder sonstigen nützlichen Waren. «Wir haben aus der Piraterie ein Gemeinschafts-Unternehmen gemacht», so Mohammed.

«Handeln oder sterben»

Viele «Aktionäre» bedeutet aber auch, dass der Kuchen grösser werden muss. Das geforderte Lösegeld sei von 2 bis 3 Millionen auf 4 Millionen Dollar gestiegen, bestätigt Mohammed gegenüber dem Reuters-Reporter. Enthalten sei auch eine «Risiko-Prämie», denn wöchentlich gingen Menschen und Material verloren. Abschrecken lassen sich die Piraten weder davon noch von der Präsenz der westlichen Seestreitkräfte, betont Mohammed: «Unser Motto heisst 'Handeln oder sterben'.»

Wie gut die Geschäfte nach wie vor laufen, zeigte sich am letzten Wochenende, als es den Piraten gelungen war, einen griechischen Supertanker mit Öl im Wert von 150 Millionen Dollar zu kapern. Ein fettes Lösegeld ist garantiert.

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