Aktualisiert 26.04.2016 16:35

Eklat im Nationalrat

Sommaruga verlässt Saal nach Attacke von Köppel

Als SVP-Nationalrat Roger Köppel Bundesrätin Simonetta Sommaruga im Nationalrat verbal attackiert, verlässt diese den Saal – und mit ihr die gesamte SP-Fraktion.

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the/sda

In der Sondersession des Nationalrates ist es am Dienstag zum Eklat gekommen. Als der «Weltwoche»-Chefredaktor und neugewählte Nationalrat Roger Köppel zur Ausweitung der Personenfreizügigkeit auf Kroatien spricht und dabei Bundesrätin Sommaruga massiv angreift, verlässt diese den Saal. Köppel sagte, Sommaruga setze sich «mit einer frivolen Leichtfertigkeit» über Verfassungsbestimmungen hinweg.

Andere Nationalräte kritisierten Köppel sogleich für seine Aussagen: «Wir sind es uns ja gewohnt, dass Herr Köppel der Meinung ist, dass nur seine Sicht der Dinge der Realität entspricht. Lieber Herr Köppel, es handelt sich nicht um eine Erpressung. Wir haben die Wahl, wie bei all diesen Fragen», sagte GLP-Nationalrätin Tiana Angelina Moser. «Eigentlich wollte ich Herrn Kollege Köppel auffordern, sich bei der Bundesrätin zu entschuldigen, aber ich glaube, es ist besser, derartige Äusserungen einfach zu ignorieren», sagte CVP-Nationalrätin Elisabeth Schneider-Schneiter im Rat.

Roger Köppel habe Bundesrätin Simonetta Sommaruga am Dienstag unter der Gürtellinie angegriffen, erklärte SP-Fraktionschef Roger Nordmann. Deshalb habe die SP-Fraktion ein Zeichen gesetzt und den Saal kurzzeitig verlassen. Bei den verbalen Entgleisungen des «Schreibtischtäters Köppel» mache die SP nicht mit, sagte Nordmann. Sommarugas Medienstelle wollte den Vorfall auf Anfrage nicht kommentieren.

Als Köppel am Nachmittag von der Bundesrätin wissen wollte, warum sie den Saal «fast fluchtartig» verlassen habe, meinte die Bundesrätin nur: «Ich beantwortete gerne Ihre Fragen zu Kroatien, Herr Köppel.»

Die Rede von Köppel im Video:

Auf Twitter schlägt der Vorfall hohe Wellen:

Köppels Attacke im Wortlaut

«Ich staune, ja, ich finde es fast schon wieder bewundernswert, mit was für einer frivolen Leichtfertigkeit Sie sich, Frau Bundesrätin, über Verfassungsbestimmungen hinwegsetzen, die Sie selber bis vor Kurzem noch mit Vehemenz hochgehalten haben.»

«Ich weiss, Frau Bundesrätin, Sie haben es nicht so gern, wenn man die Dinge beim Namen nennt, wenn man sagt, wie es wirklich ist. Sie reden lieber von Plangenehmigungsverfahren statt von Enteignungen, wenn Sie den Leuten die Häuser und die Wohnungen wegnehmen wollen, um dort die von Ihnen ins Land geholten jungen Männer aus Gambia, Somalia oder Eritrea als Asylanten unterzubringen. Und Sie sprechen lieber von Verhandlungen oder von Ausgleichsmassnahmen statt von Erpressung, wenn Sie die offenkundige Tatsache bemänteln wollen, dass Sie und Ihre Kollegen sich bei der Ausdehnung der Personenfreizügigkeit auf Kroatien von der EU haben erpressen lassen.»

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