Marignano: Sommaruga warnt vor Missbrauch der Geschichte
Aktualisiert

MarignanoSommaruga warnt vor Missbrauch der Geschichte

Bundespräsidentin Sommaruga warnte zum 500. Jahrestag der Schlacht von Marignano: Die Schweizer Meilensteine seien nicht auf Schlachtfeldern erkämpft worden.

von
fal
1 / 6
Die Rede zur Gedenkfeier: Bundespräsidentin Simonetta Sommaruga warnt im Norden Italiens davor, nicht in der Vergangenheit gefangen zu bleiben. (13. September 2015)

Die Rede zur Gedenkfeier: Bundespräsidentin Simonetta Sommaruga warnt im Norden Italiens davor, nicht in der Vergangenheit gefangen zu bleiben. (13. September 2015)

Keystone/Pablo Gianinazzi
Gut gelaunt im Mailänder Vorort San Giuliano: Bundespräsidentin Sommaruga in Begleitung von Alessandro Lorenzano (l.), dem Bürgermeister der Stadt, und dem Tessiner Staatsratspräsidenten Luigi Pedrazzini.

Gut gelaunt im Mailänder Vorort San Giuliano: Bundespräsidentin Sommaruga in Begleitung von Alessandro Lorenzano (l.), dem Bürgermeister der Stadt, und dem Tessiner Staatsratspräsidenten Luigi Pedrazzini.

Keystone/Pablo Gianinazzi
Das Signet der Stiftung «Pro Marignano» prangt über der Bühne während der offiziellen Gedenkfeier zum 500. Jahrestag der Schlacht von Marignano.

Das Signet der Stiftung «Pro Marignano» prangt über der Bühne während der offiziellen Gedenkfeier zum 500. Jahrestag der Schlacht von Marignano.

Keystone/Pablo Gianinazzi

In ihrer Rede im italienischen Melegnano hielt Simonetta Sommaruga fest, dass die Schlacht von Marignano für die Schweizerinnen und Schweizer zu einem Mythos geworden sei. Zwar seien Mythen für jede Nation wichtig und deren Bedeutung dürfe nicht unterschätzt werden. «Aber bei aller Hingabe, mit der wir die Geschichte beschwören, müssen wir aufpassen, dass wir nicht in der Vergangenheit gefangen bleiben», erklärte die Bundespräsidentin. Denn das Schicksal der heutigen Schweiz sei nicht auf dem Schlachtfeld von Marignano besiegelt worden.

Für viele wichtige Etappen auf dem Weg zur heutigen Schweiz – wie dem Ausbau der Volksrechte, der Emanzipation der Frauen, der Schaffung der Sozialwerke, den Aufbau des Rechtsstaates oder der internationalen Einbettung der Schweiz – gebe es keine Mythen und keine Erinnerungsorte. Diese Meilensteine seien nicht auf Schlachtfeldern erkämpft worden, sondern mit Argumenten und Stimmzetteln.

Nicht der Ursprung der Neutralität

Auch die Schweizer Neutralität habe ihren Ursprung nicht auf diesen Feldern. «Aber nutzen wir die politischen Debatten rund um Marignano, um über uns nachzudenken». So könne die Erinnerung an die Schlacht von Marignano Anlass zu Diskussionen geben, wie die Schweiz ihre Neutralitätspolitik im 21. Jahrhundert interpretieren soll.

Die Schlacht bei Marignano fand am 13. und 14. September 1515 vor den Toren Mailands im heutigen Melegnano statt und endete mit einer herben Niederlage der Schweizer. Rund 12'000 Eidgenossen kamen bei den Kämpfen gegen die Heere des französischen Königs und der Republik Venedig ums Leben.

Die «Schlacht der Giganten» sorgt in jüngster Zeit immer wieder für Diskussionen. Während die einen Marignano als Wendepunkt in der Geschichte der Eidgenossenschaft, als Abwendung von der Grossmachtpolitik und Beginn der Neutralität deuten, kämpfen andere gegen eine nationalkonservative Vereinnahmung des «Mythos von Marignano». (fal/sda)

Deine Meinung