Hopp schwitz?: Sommer, Sonne, Schweissgeruch
Aktualisiert

Hopp schwitz?Sommer, Sonne, Schweissgeruch

Das Bier, so manche Träne, aber vor allem der Schweiss wird während der Fussball-WM fliessen - Letzterer leider nicht immer geruchlos: Wer einige Tipps und Tricks befolgt, gerät beim Public Viewing nicht ins Müffel-Abseits.

von
Runa Reinecke

Die Fussball-WM: Spass pur, möchte man meinen. Doch beim eifrigen La-Ola-Wellen-Einsatz täten einige Tribünen-Gäste gut daran, die Arme lieber dicht am Körper zu belassen. Der Grund dafür liegt auf der Hand oder besser gesagt, unter den Achseln: Ätzender, ja geradezu beissender Schweissgeruch. Doch wie kommt es überhaupt zu einer solch unangenehmen Ausdünstung? Zunächst ist die aus unseren Poren austretende Flüssigkeit geruchsneutral - der Gestank wird erst später verursacht: «Dafür sind Bakterien verantwortlich, die durch ihre Enzyme die Bestandteile des Schweisses auf unserer Haut zersetzen», weiss Natalie Maile, Dermatologin aus Zürich.

Diesen Schweiss zersetzenden Keimen geht die Arbeit so schnell nicht aus, denn im Schnitt verlieren wir durch unsere Poren täglich rund einen Liter Flüssigkeit. Je nach Luftfeuchtigkeit, körperlicher Belastung und Temperatur können es drei, im Extremfall sogar bis zu zehn Liter werden.

Um dem drohenden Gemüffel Herr zu werden ist es also ratsam, das Problem bei der Wurzel, in diesem Fall bei der Pore anzupacken und dafür zu sorgen, dass erst gar nicht zu viel Schweiss produziert wird. Erreichen lässt sich das durch die Anwendung eines Deodorants, welches das gesundheitlich leider nicht ganz unbedenkliche Aluminiumchlorid enthält. Dabei handelt es sich um ein Metallsalz, das die Schweissproduktion hemmt. «Bei längerfristiger Anwendung kann sich der Körper aber an diesen Stoff gewöhnen – das Aluminiumchlorid verliert seine Wirkung», erklärt Maile.

Ab unter die Dusche!

Auch die Hygiene spielt eine massgebende Rolle - im Klartext: tägliches Duschen ist ein Muss. Unter den Achselhöhlen befinden sich besonders viele Schweissdrüsen. Wer stark schwitzt, sollte für die Körperpflege eine antibakteriell wirkende Seife verwenden und sich die Achselhaare abrasieren. Hier sind besonders die Herren gefragt, denn der zersetzte Männerschweiss ist häufig besonders geruchsintensiv. Die Dermatologin weiss, warum: «Im Schweiss sind Pheromone enthalten. Diese Botenstoffe bestehen zu einem gewissen Anteil aus Androgenen, also Sexualhormonen, die in den Achselhöhlen von Männern in grösseren Mengen nachweisbar sind als bei Frauen.»

Wenn alle Bemühungen nichts nützen, könnten auch eingenommene Medikamente oder eine Erkrankung für die unangenehmen Ausdünstungen verantwortlich sein, wie Maile betont: «Arzneien können sowohl Farbe als auch Geruch des Schweisses verändern.» Auch bei manchem Zuckerkranken lässt sich das Leiden regelrecht erschnüffeln, wie die Expertin erklärt: «Diabetiker sondern durch das Transpirieren einen besonders hohen Anteil an Zucker ab – sozusagen die Leibspeise der Bakterien.» Das führt auf der Haut zu einer starken Vermehrung schweisszersetzender und unangenehm riechender Mikroben. Aber auch Erkrankungen der Nieren und der Leber können zu ähnlichen Beeinträchtigungen führen.

Alle merken es, nur einer nicht ...

Zugegeben, jedes Deo kann mal versagen. Doch warum wird beissender, stechender Schweissgeruch bei gewissen Mitmenschen zum ständigen Begleiter? Hautärztin Maile kennt die Antwort: «Personen, die keinen allzu grossen Wert auf Körperhygiene legen, gewöhnen sich an ihren auf die Umwelt störend wirkenden Eigengeruch.»

Doch manchmal ist auch nicht die Achselhöhle das Problem, sondern die Kleidung. Tatsächlich kann es vorkommen, dass sich Schweissgeruch durch das Waschen bei niedrigen Temperaturen nicht aus den Fasern entfernen lässt. Kein Wunder, denn den meisten Bakterien machen erst Wassertemperaturen ab 60 °C den Garaus. Bei 30 °C-, beziehungsweise 40 °C-Wäsche hilft antibakteriell wirkender Wäschespüler. Dieser muss vor dem Waschgang in die Waschpulver- beziehungsweise in die Weichspülerkammer beigegeben werden. So lässt sich beim Tragen des Lieblings-Trikots während des Public Viewings garantiert jeglichem «Public Smelling» vorbeugen.

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