Syrien: Sommerliche Unbeschwertheit im Krieg
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SyrienSommerliche Unbeschwertheit im Krieg

Schnappschüsse aus Latakia und Tartus vermitteln ein idyllisches Bild. Und das, obwohl im Rest des Landes Krieg herrscht.

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cfr
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Nach unbeschwerten Sommerferien sieht dieses Bild aus dem syrischen Latakia aus. Dass um sie herum der Bürgerkrieg tobt, wollen diese Syrer möglichst vergessen. Viele von ihnen gehören wie Machthaber Baschar al-Assad zu der religiösen Gruppe der Alawiten.

Nach unbeschwerten Sommerferien sieht dieses Bild aus dem syrischen Latakia aus. Dass um sie herum der Bürgerkrieg tobt, wollen diese Syrer möglichst vergessen. Viele von ihnen gehören wie Machthaber Baschar al-Assad zu der religiösen Gruppe der Alawiten.

An der syrischen Mittelmeerküste bei Latakia und Tartus hängen sie am Pool ab...

An der syrischen Mittelmeerküste bei Latakia und Tartus hängen sie am Pool ab...

...gehen am Strand spazieren....

...gehen am Strand spazieren....

Sie machen Rückwärtssaltos ins Meer, hängen am Pool ab und ruhen sich unter dem Sonnenschirm aus: Alles sieht nach einem unbeschwerten Tag am Meer aus, den junge Syrer in Schnapschüssen festhalten und auf Instagram hochladen.

Ihre Bilder aus den syrischen Hafenstädten Latakia und Tartus sehen idyllisch aus – wäre da nicht der Bürgerkrieg. In großen Teilen Syriens bekriegen sich Oppositionelle und das Assad-Regime, die Terrorgruppe Islamischer Staat verbreitet Angst und Schrecken, Millionen Syrer sind auf der Flucht.

Flüchtlinge aus dem ganzen Land

Die Mittelmeerküste Syriens ist derweil noch weitgehend von den Luftangriffen des Assad-Regimes, den öffentlichen Exekutionen der IS-Terrormiliz und dem Elend der Bevölkerung verschont geblieben. Ganz normal verläuft das Leben aber auch in den beiden Küstenstädten nicht mehr.

Menschen kommen zwar aus allen Teilen des Landes nach Latakia und Tartous, da sie als relativ ruhig gelten. «Wir können die Auswirkungen des Kriegs definitiv spüren», sagt Philip Hanna, ein 19-jähriger Bauingenieur-Student aus Latakia. Das amerikanische Onlinemagazin «vocativ» hat ihn über die Ortsangabe auf seinen Instagram-Fotos aufgespürt. «Mittlerweile leben sehr viele Menschen hier, doch es fehlt an vielem.»

«Wir müssen das Land am Leben halten»

Latakia liegt nur ungefähr 130 Kilometer von Idlib entfernt, der Stadt die der IS kürzlich eroberte. «Die Flüchtlinge sind natürlich willkommen», sagt al-Fadel. «Aber es ist eine Belastung für unsere kleine Stadt.»

Aber auch trotz fünf Jahren Bürgerkrieg müsse das Leben weitergehen, sagt Hanna zu «vocativ». «Zuerst hatten die Leute Angst. Jetzt wissen wir, dass wir innerlich sterben, wenn wir uns weiterhin verstecken. Kinder müssen zur Schule gehen, Erwachsene arbeiten. Wir alle haben eine Verantwortung, das Land am Leben zu halten.»

Ab und zu schlagen Bomben ein

Al-Sharif Ali al-Fadel (25), Wirtschaftsstudent in Latakia, stimmt zu. «Das Leben hier oder in Tartus ist nicht normal. Natürlich ist es besser als anderswo in Syrien, aber man weiß nie, was noch passieren wird.» Manchmal schlage eine Bombe in der Stadt ein. Elektrizität gäbe es nur für rund 15 Stunden täglich. Das ist mehr als in weiten Teilen Syriens: Vor einigen Wochen zeigten Satellitenaufnahmen, dass in 83 Prozent des Landes wegen des Krieges die Lichter erloschen sind.

«Ich bin nicht optimistisch, was die Zukunft angeht», sagt al-Fadel. «Keiner weiß, was passieren wird. Aber das Leben geht weiter. Und wir haben immer noch Kunst, Schönheit, Höflichkeit und vor allem Liebe.»

Die Hafenstädte Latakia und Tartus an der westsyrischen Mittelmeerküste:

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