Powerplay Studios Maur: Songs von Prince und Gaga sind «Swiss Made»
Aktualisiert

Powerplay Studios MaurSongs von Prince und Gaga sind «Swiss Made»

Die Gemeinde Maur ist kein Ort, wo man Popstars vermuten würde. Dennoch geben sich im verschlafenen Provinznest Musiker von Weltformat die Klinke in die Hand.

von
Kaspar Isler

Gut versteckt, in einem unauffälligen Bau zwischen Kuhweiden und Dorfkern, liegen die «Powerplay Studios» - ein unspektakulärer Anblick. Doch das hochkarätige Gästebuch vom Tonstudio der Betreiber Gian Caprez und Reto Muggli spricht für sich: Nebst unzähligen nationalen Acts haben einige der erfolgreichsten Stars der Welt den Weg ins Zürcher Oberland gemacht, um Songs aufzunehmen, die später die internationalen Charts stürmten.

So findet sich im Portfolio nebst den Backstreet Boys, Lenny Kravitz und Lady Gaga auch Musik-Titan Prince, der nach seinem Konzert im August 2011 ganze elf Tage im Schweizer Traditionsstudio verbrachte.

Doch der Reihe nach: In den 1970er-Jahren wurden in Horgen die «Powerplay Studios» in Betrieb genommen. Mit dem Umzug ins abgeschottete und dennoch verkehrstechnisch günstig gelegene Maur traf die damalige Geschäftsführung genau ins Schwarze. Denn obwohl die kleine Gemeinde allgemein nicht als Tor zur Welt gehandelt wird, erreicht man sowohl Flughafen als auch Zürcher Innenstadt innert 20 Minuten Fahrzeit. Diese ideale Lage, die ländliche Idylle und technische Gerätschaften erster Qualität machten die Studios in den früher Achtzigerjahren zu einem der modernsten Tonstudios der Welt und somit zu einem Geheimtipp unter Musikkennern.

Stars schätzen die diskrete Schweizer Mentalität

«Ich bin das Mädchen für alles», antwortet Studiomanager Gian Caprez auf die Frage nach seinem Aufgabengebiet. Vor mittlerweile fünf Jahren brach der Musikfan seine Zelte in der Architekturbranche ab und erfüllt seither alle kleinen und grossen Wünsche der anspruchsvollen Musikgrössen, die in Maur zu Besuch sind. Das Erfolgsrezept des Kleinbetriebes erklärt er wie folgt: «Unser Studio ist für die Stars wie eine Insel, auf der sie während der Arbeit ein wunderschönes Panorama und Anonymität geniessen können. Selbst wenn mal jemand erkannt wird, sind die Leute im Dorf zurückhaltend und trauen sich meist nicht einmal nach einem Autogramm zu fragen. Im Ausland gehen die Fans da viel offensiver vor. Deshalb schätzen Stars die diskrete Schweizer Mentalität.»

«Meist wohnen die Musiker in Zürcher Hotels und kommen tagsüber nach Maur, um zu arbeiten. Teilweise verbringt man aber auch ganze Nächte im Studio, denn in punkto Arbeitszeiten richten wir uns voll und ganz nach den Wünschen der Künstler. So kann es vorkommen, dass wir bis um drei Uhr in der Nacht aufnehmen, uns drei Stunden aufs Ohr legen und danach gleich weiterarbeiten», so Caprez über den abwechslungsreichen Studioalltag.

Prince arbeitete bis in die frühen Morgenstunden

Details über die Popstars und deren Gewohnheiten werden keine preisgegeben, denn Diskretion steht für die Studiobetreiber an erster Stelle, um ihre prominente Klientel vor Fanmassen und Presse zu schützen. Dennoch zeigt sich der Manager Caprez begeistert vom Zusammentreffen mit Prince: «Das war schon ein unvergessliches Erlebnis. Eine richtige Feuerwehrübung, denn die Anfrage von Prince kam nur wenige Stunden vor dessen erstem Eintreffen. Schliesslich nahmen wir ganze elf Tage lang Musik auf und arbeiteten jeweils bis in die frühen Morgenstunden. Für uns alle eine besondere Zeit, denn nach Michael Jackson ist Prince für mich der grösste Musiker unserer Zeit und hat einen musikalischen Stellenwert, der weit über dem einer Lady Gaga liegt.»

Prince verzichtete darauf einen eigenen Sound-Engineer mitzunehmen und arbeitete stattdessen mit Reto Muggli zusammen – ein riesiges Kompliment für die Arbeit des Mitbetreibers. Ein weiterer Grund, weshalb sich das Studio nach der Wiedereröffnung im Jahr 2009 dermassen profilieren konnte, findet sich in der Technik: Nebst modernen digitalen Pulten, hat man hier nach wie vor die Möglichkeit analog zu arbeiten. Ein Privileg, welches gemäss Gian Caprez primär bei US-Stars, die es sich leisten können, auf grossen Anklang stösst.

Auf die Kosten für Studioaufnahmen angesprochen, zeigt sich der Studiomanager wehmütig: «Früher hatte man teilweise bis zu einer halben Million Budget. Die Künstler konnten sich zwei Monate im Studio einschliessen und ihrer Kreativität freien Lauf lassen. Heute bezahlen viele Musiker die Aufnahmen selbst, da die grossen Plattenfirmen nur noch selten Vorschüsse leisten.» Und doppelt nach: «Das verkürzt die teuere Studiozeit massiv und kommt daher, dass man einfach nicht mehr genügend Tonträger verkauft. Geld verdienen kann man heutzutage nur noch mit dem Ticketverkauf der Tourneen. Jeder illegale Download zerstört somit künstlerische Kreativität», prangert Caprez die kostenlosen Musikbörsen im Internet und deren Einfluss auf die Studioarbeit an.

Auch Kleinvieh macht Mist

Die Betreiber der «Powerplay Studios» sind sichtlich stolz auf die prominenten Persönlichkeiten, welche bei ihnen ein- und ausgehen. Dennoch ist es den beiden Pächtern ein Anliegen, dass auch Newcomer stets willkommen sind: «Wir leben nicht von den grossen Künstlern. Von Namen wie Prince und Lady Gaga muss sich niemand abschrecken lassen. Gerne arbeiten wir auch mit nationalen oder lokalen Musikern. Weil wir bereits einen vergleichsweise kleinen Act im Studio hatten, haben wir im Vorjahr sogar die «Black Eyed Peas» abgelehnt, so Caprez über die bodenständige Geschäftspolitik des Tonstudios.

Gaffer sind in Maur nicht willkommen. Wer einen Blick hinter die Kulissen des prestigeträchtigen Tonstudios werfen will, dem sei ein Besuch eines «Live@Powerplay»-Anlasses ans Herz gelegt, einer Eventserie, bei der die Konzerte jeweils gleich live aufgezeichnet werden.

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