Energiewende: Sonne kann Kernkraftwerke ersetzen
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EnergiewendeSonne kann Kernkraftwerke ersetzen

80 Prozent des aktuellen Stromverbrauchs im Mittelmeerraum könnte künftig mit Sonnenenergie gedeckt werden. Ein Netz von Sonnenwärmekraftwerken soll dies möglich machen.

von
jcg

Sonnenwärmekraftwerke könnten in manchen Regionen einen Grossteil des Stromverbrauchs decken. Dies schliessen Schweizer und österreichische Forscher aus Modellrechnungen. Damit könnten diese Kraftwerke einen grossen Beitrag zur Energiewende leisten, zeigen sich die Forscher überzeugt.

Dazu müssten die Kraftwerke allerdings koordiniert gebaut und betrieben werden, schrieb das Forscherteam um Anthony Patt von der ETH Zürich im Fachjournal «Nature Climate Change».

Im Gegensatz zu Solarzellen, die Licht direkt in Strom umwandeln, wird bei Solarwärmekraftwerken die Sonnenkraft konzentriert und eine Flüssigkeit aufgeheizt, die Turbinen zur Stromerzeugung antreibt. Die Wärmeenergie könne dabei auch gespeichert und erst später in Elektrizität umgewandelt werden.

Damit derartige Kraftwerke allerdings auch dann verlässlich grosse Mengen an Strom liefern, wenn mancherorts der Himmel für längere Zeit bedeckt ist, sei ein grosses, koordiniert betriebenes Netzwerk solcher Anlagen nötig, hiess es in einer Mitteilung der Hochschulen.

«Solche Systeme könnten etwa gleich viel Energie bereitstellen wie heutige konventionelle Kraftwerke, ohne die gegenwärtigen Energiekosten zu übersteigen», erklärte Erstautor Stefan Pfenninger vom Imperial College in London, der die Studie am Internationalen Institut für Angewandte Systemanalyse (IIASA) bei Wien geleitet hatte.

80 Prozent der Energie

In der Mittelmeerregion wäre es durch Sonnenwärmekraftwerke zum Beispiel möglich, zum gleichen Preis wie Gaskraftwerke bis zu 80 Prozent der benötigten Energie zu erzeugen, so die Forscher. Dieser Anteil und die Versorgungssicherheit würden etwa dem entsprechen, was derzeit Kernkraftwerke beisteuern können.

Allerdings funktioniere dies nicht überall auf der Welt. Die Forscher simulierten den Bau und Betrieb von Sonnenwärmekraftwerken in Südafrika, den USA, Indien und dem Mittelmeerraum und berücksichtigten dabei etwa das jeweilige Wetter, die möglichen Standorte, den lokalen Energiebedarf und die Kosten.

Mit einer vor allem auf Sonnenenergie aufgebauten Stromversorgung könne man in der Mittelmeerregion und der Kalahari-Wüste in Südafrika die Konsumenten rund ums Jahr verlässlich mit Energie versorgen. In Indien oder den USA käme dies jedoch ungleich teurer, erklärten die Forscher in dem Fachartikel. Ihr Modell berücksichtigte weder Umweltaspekte wie den Landverbrauch noch Übertragungswege für den Strom. (jcg/sda)

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