Unterschätztes Risiko: Sonnenbrand-Gefahr jetzt grösser als im Sommer
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Unterschätztes RisikoSonnenbrand-Gefahr jetzt grösser als im Sommer

Das schöne Wetter lockt derzeit alle ins Freie. Viele unterschätzen jedoch die Kraft der Sonne: Auf Sonnenbrände ist die Haut im Frühling besonders anfällig.

von
lüs
Auch im Frühling muss sich schützen, wer ein Sonnenbad nimmt.

Auch im Frühling muss sich schützen, wer ein Sonnenbad nimmt.

Bei der Bahnhof-Apotheke im Hauptbahnhof Zürich kamen am Sonntag rund 20 Kunden vorbei, die Linderung für ihren Sonnenbrand suchten, wie Maria Neuhäusler, Mitglied der Geschäftsleitung, auf Anfrage sagt. «Wir verkaufen ihnen kühlende Sprays, in schwereren Fällen auch entzündungshemmende Schmerzmittel.» Auch am Montag ging es im gleichen Stil weiter.

Die Fälle zeigen: Kommt im Frühling die Sonne, wird ihre Kraft von vielen unterschätzt. «Dabei ist die Sonne jetzt bereits so stark wie Ende August», sagt Roger Perret von Meteo News. Anders als im Spätsommer sei man sich aber im Frühling weniger bewusst, dass man sich gut vor der Sonne schützen müsse. «Deshalb gibt es jetzt auch eher Sonnenbrände als im Sommer.»Tückisch sei, dass die Sonneneinstrahlung auch dann schon intensiv sei, wenn sich dies noch nicht in Form von anhaltend hohen Temperaturen äussere.

Haut hat noch keinen Schutz aufgebaut

Auch Katja Ivanova, Oberärztin auf der Dermatologie am Unispital Basel, warnt: «Bei Menschen mit empfindlicher Haut können auch jetzt im April schon 20 Minuten in der Sonne reichen, um sich einen Sonnenbrand zu holen.» Ein Grund dafür, dass man sich im Frühling besonders leicht verbrennen könne, sei, dass die Haut darauf nicht vorbereitet sei und noch keinen Schutz vor UV-Strahlen aufgebaut habe. «Wer den ganzen Winter hindurch nicht in der Sonne war, ist jetzt besonders gefährdet.» Wer dagegen schon mehrmals in der Sonne gewesen sei und bereits eine gewisse Bräune erworben habe, sei besser geschützt.

Und man solle einen Sonnenbrand nicht auf die leichte Schulter nehmen, so Ivanova: «Jeder einzelne Sonnenbrand erhöht das Risiko, an schwarzem Hautkrebs zu erkranken.» Ausgedehnte Sonnenbäder seien auch dann nicht unbedenklich, wenn man sich keinen Sonnenbrand hole: «Wer sich häufig intensiv der Sonne aussetzt, erhöht sein Risiko für den weissen Hautkrebs.»

Möglichst oft in den Schatten

Viele handeln, bevor sie sich verbrennen. Maria Neuhäusler von der Bahnhof-Apotheke: «Wir verkaufen derzeit sehr viel Sonnenschutzmittel – abends sind die Regale leer.» Doch auch Sonnencrème ist kein Freipass dafür, sich der Sonne auszusetzen: «Auch mit Sonnenschutz sollte man sich möglichst oft im Schatten aufhalten», sagt Dermatologin Ivanova. Und sie warnt vor einem häufigen Fehler: «Sonnencrème muss man unbedingt mindestes 20 Minuten vor dem Gang in die Sonne auftragen. So lange muss sie einziehen können, bevor sie wirkt.»

So schützt man sich vor der Sonne

Was muss ich beachten, damit ich beim Gang in die Sonne keine Risiken eingehe? Das sind die Tipps der Krebsliga Schweiz:

Schatten: Zwischen 11 und 15 Uhr sollte man im Schatten bleiben. Aber aufgepasst: Auch Schatten schützt nicht immer vor indirekter Strahlung durch reflektierende Flächen wie Sand, Beton oder Schnee, oder vor seitlich einfallender Strömung.

Kleidung: Mit Kleidern bedeckte Stellen bleiben den ganzen Tag über konstant geschützt. Wer zudem einen Hut mit breiter Krempe trägt, kann Stirn, Nase, Ohren und Nacken schützen.

Sonnenbrille: Zu viele UV-Strahlen schaden nicht nur der Haut, sondern auch den Augen. Beim Kauf der Brille auf das CE-Zeichen und den Vermerk «100% UV» achten.

Sonnenschutzmittel: Sollte als Ergänzung zum Tragen von Kleidung und dem Aufenthalt im Schatten eingesetzt werden. Doch auch Schutzmittel mit hohem Lichtschutzfaktor sind kein Freipass für einen unbeschränkten Aufenthalt in der Sonne.

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