Aktualisiert 13.06.2014 11:09

Schwarzer Hautkrebs

«Sonnencreme ist kein Freipass»

Auch Lichtschutzfaktor 50 kann die Entstehung des schwarzen Hautkrebses nicht verhindern, fanden Forscher heraus. Ein Dermatologe erklärt, wie man sich am besten schützt.

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gbr/sda

Ein hoher Lichtschutzfaktor ist keine Garantie für gefahrloses Sonnenbaden. Das steht in einer Studie von Forschern der Universität Manchester, die in der Fachzeitschrift «Nature» publiziert wurde.

Der schwarze Hautkrebs (malignes Melanom) ist besonders aggressiv und bildet früh Metastasen. Die Forscher setzten für ihre Studie Mäuse wiederholt UV-Strahlung aus. Teile der rasierten Mäuserücken wurden bei der Bestrahlung jeweils mit einem Tuch abgedeckt oder mit Sonnencrème mit Lichtschutzfaktor 50 eingerieben. Die ungeschützten Stellen entwickelten innerhalb von sieben Monaten Melanome. Die eingecremten Stellen blieben bis zu 17 Monate ohne Melanome. 20 Prozent der mit einem Tuch abgedeckten Hautstellen waren auch nach zwei Jahren melanomfrei.

Ausserdem zeigt die Studie, dass ein mutiertes Gen (TP53) ein anderes mutiertes Gen (BRAF) bei der Entstehung von Melanomen unterstützt. Gemäss einer früheren Untersuchung liegen in etwa 80 Prozent aller Leberflecke Mutationen des BRAF-Gens vor. Deshalb raten die Wissenschaftler allen Personen mit vielen Muttermalen, sich nicht allein auf Sonnencremes zu verlassen, sondern auch auf andere Weise eine erhöhte Sonneneinstrahlung zu vermeiden.

Herr Dr. Arnold, was sagen Sie zum Ergebnis der Studie, dass bei Menschen mit Muttermalen Sonnencreme keinen ausreichenden Schutz vor schwarzem Hautkrebs bietet?

Das war eigentlich schon vor dieser Studie bekannt: Menschen mit über fünfzig Muttermalen haben ein erhöhtes Risiko, an Hautkrebs zu erkranken. Sonnencreme ist gut, aber sie bietet keinen 100-prozentigen Schutz. Deswegen ist Kleidung als Schutz immer besser. Aber auch hier gibt es Unterschiede: Dicht gewobene Stoffe schützen besser als ein billiges helles T-Shirt.

Wie lange darf man denn mit Sonnencreme überhaupt gefahrlos in der Sonne liegen?

Das ist je nach Hauttyp verschieden: Je dunkler die Haut, desto länger dauert es, bis sie durch die Sonne geschädigt wird. Der gewählte Sonnenschutzfaktor der Sonnencreme verlängert diese Dauer um den gewählten Faktor. Bei Schutzfaktor 50 dauert es theoretisch 50-mal länger, bis ein Sonnenbrand eintritt. Wenn Sie auf Nummer sicher gehen wollen, nehmen Sie Schutzfaktor 50. Für viele Menschen in der Schweiz bietet schon Schutzfaktor 30 ausreichenden Schutz. Wichtig ist aber, dass man mit der Sonnencreme nicht spart und eine ausreichende Menge aufträgt. Ausserdem sollte man sich mehrmals täglich einstreichen, auch wenn auf der Packung behauptet wird, einmal reiche oder die Creme sei wasserfest.

Die Schweiz ist im europäischen Vergleich das Land mit der höchsten Zahl von Melanomfällen im Verhältnis zur Bevölkerungszahl. Die Zahl von schwarzen Melanomen hat sich in den letzten zwanzig Jahren bei den Männern fast verdoppelt. Wie ist das zu erklären?

Diese Frage ist nicht restlos geklärt, es gibt zwei mögliche Erklärungen: Einerseits haben wir eine sehr gute Sekundärprävention, eine gute Erkennung, gut geschulte Ärzte, das heisst, es werden entsprechend viele Krankheitsfälle entdeckt. Die andere Erklärung: Den Schweizern geht es gut, sie gehen viel in die Ferien, liegen am Strand oder sind in den Bergen an der Sonne. Aber da ist nichts belegt.

Könnte es nicht auch sein, dass die hohen Schutzfaktoren moderner Sonnencremes manche Menschen erst dazu verleiten, sich stundenlang in die pralle Sonne zu legen?

Die Sonnencreme ist kein Freipass, sich stundenlang in die pralle Sonne zu legen. Es ist für die Haut immer noch besser, sich zu bedecken oder sich im Schatten aufzuhalten. Gut vorstellbar, dass Sonnencreme eine falsche Sicherheit verleiht und manche zum übertriebenen Sonnenbad verleitet. Auch das ist aber nicht mit Studien belegt.

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