Aktualisiert 13.06.2014 11:10

Gefährliche HormoneSonnencreme macht Männer unfruchtbar

Chemikalien in Sonnencreme und Zahnpasta können die Fruchtbarkeit von Männern beeinträchtigen.

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Inhaltsstoffe von Sonnencreme und Zahnpasta beeinträchtigen die Fruchtbarkeit, sagen Forscher.

Inhaltsstoffe von Sonnencreme und Zahnpasta beeinträchtigen die Fruchtbarkeit, sagen Forscher.

Forscher haben Dutzende Stoffe identifiziert, die menschliche Spermien schädigen, heisst es in der aktuellen Ausgabe des Fachjournals «EMBO Reports».

Zu diesem Ergebnis kam das deutsch-dänische Team um Timo Strünker vom Centre of Advanced European Studies and Research (Caesar) in Bonn mit einem neuartigen Labortest. Die Forscher nahmen zahlreiche hormonell aktive Stoffe unter die Lupe.

Hormonaktive Stoffe

Schädigende Wirkungen für Spermien zeigten unter anderem die Chemikalie 4-Methylbenzylidene Camphor (4-MBC), die als UV-Filter in Sonnencremes verwendet wird, und der Bakterienhemmer Triclosan, der in Zahnpasta zum Einsatz kommt.

Die hormonell aktiven Stoffe sind in Lebensmitteln, Plastikflaschen, Textilien, Haushaltsprodukten, Kosmetika und Spielzeug allgegenwärtig und werden seit langem mit Argusaugen beobachtet, doch gab es bislang keine wasserdichten Verfahren, um ihre Auswirkungen auf die Fruchtbarkeit nachzuweisen. Das Problem halten die Caesar-Wissenschaftler nun für überwunden.

Erhöhte Kalziumwerte

«Unsere Studie bringt wissenschaftliche Beweise, um bei der Aufstellung internationaler Regeln und Praktiken zu helfen», erklärte Strünker. Er wies mit seinem Team erhöhte Kalziumwerte in den Spermien nach, die die Beweglichkeit der Samen verändern und es ihnen erschweren, die Hülle um die Eizelle zu durchdringen.

Derzeit überprüft die EU-Kommission Richtlinien über Grenzwerte für hormonaktive Stoffe. Im vergangenen Jahr wurde die Frage, ob man die Verwendung dieser Substanzen weiter einschränken sollte, kontrovers zwischen Endokrinologen und Toxikologen diskutiert. «Nun konnten wir zum ersten Mal nachweisen, dass eine Vielzahl weit verbreiteter Substanzen eine direkte Wirkung auf menschliche Spermien hat», sagt Niels E. Skakkebaek, Leiter des dänischen Forscherteams vom Rigshospitalet in Kopenhagen.

Trotzdem bleiben manche Wissenschaftler skeptisch, ob sich die Laborergebnisse tatsächlich auf Menschen übertragen lassen. Die Resultate müssten nun in einem nächsten Schritt bei Tierversuchen bestätigt werden, schrieb etwa der Londoner Wissenschaftler Colin Berry.

(fee/sda)

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