Aktualisiert 08.03.2013 12:23

SonnenenergieSonnenlicht in den Tank

Kein Witz: Eine Schweizer Firma macht mit einem neuen Verfahren aus Sonnenlicht einen flüssigen Treibstoff.

von
Claudia Hoffmann

Die Sonne schickt pro Jahr über 8000-mal mehr Energie zur Erde, als die Menschheit benötigt. Doch dieses Überangebot lässt sich nur schlecht nutzen. Denn bisher fehlt es an technischen Möglichkeiten, diese Energie zu speichern.

Um das Problem zu lösen, wendet Sunbiotec, eine Spinoff-Firma der ETH Zürich, ein neues Verfahren an. «Damit

speichern wir Sonnenenergie in flüssiger Form», sagt Firmenleiter Gilles Maag. Das Verfahren nutzt die Wärme der Sonne, um Biomasse – beispielsweise Abfälle aus der Landwirtschaft – in Treibstoff umzuwandeln.

Höhere Energieausbeute

Mit gebündelten Sonnenstrahlen wird die Biomasse stark erhitzt. Dabei entsteht ein spezielles Gas, das anschliessend zu flüssigem Treibstoff weiterverarbeitet werden kann (siehe Box). «Die chemische Reaktion ist schon lange bekannt», sagt Gilles Maag. Doch bisher erzeugte man die benötigte Hitze mit Öl oder Gas, was Energie verbrauchte. Demgegenüber hat das neue Verfahren eine höhere Energieausbeute und ist ausserdem klimafreundlich.

Für ihre Entwicklung wurde Sunbiotec kürzlich für den ZKB-Pionierpreis nominiert. Allerdings ist ihr Verfahren für die sonnenarme Schweiz weniger geeignet. In Spanien hat aber eine Pilotanlage erste Tests bestanden. Nun hat die Firma das Ziel, in Brasilien eine Anlage mit einer Leistung von 75 Megawatt zu bauen – das entspricht etwa einem Fünftel der Leistung des AKW Mühleberg. Investoren für das ehrgeizige Projekt werden aber derzeit gesucht.

So entsteht Sonnen-Treibstoff

Im Freien aufgestellte Spiegel reflektieren das Sonnenlicht auf einen bestimmten Punkt und bündeln es dadurch, ähnlich wie eine Lupe. Das erzeugt grosse Hitze, welche die Biomasse im Innern einer luftdichten Anlage auf 1200 Grad Celsius aufheizt. Unter Zugabe von Wasserdampf entsteht ein Gemisch aus den Gasen Wasserstoff und Kohlenmonoxid. Dieses so genannte Synthesegas dient als Grundlage für die Herstellung von flüssigem Treibstoff.

«Wissen»

in 20 Minuten wird unterstützt durch die GEBERT RÜF STIFTUNG und die Stiftung Mercator Schweiz.

Deine Meinung

Fehler gefunden?Jetzt melden.