Aktualisiert

Sonnenpartikelsturm bedroht die Erde

Eine spektakuläre Eruption auf der Sonnenoberfläche droht die Kommunikation auf der Erde zu unterbrechen. «Es kommt direkt auf uns zu wie ein Güterzug», sagte der Astrophysiker John Kohl in Cambridge im US-Staat Massachusetts.

Der Partikelsturm werde voraussichtlich am Mittwoch das Magnetfeld der Erde erreichen. Erste Auswirkungen wurden bereits am Dienstag registriert: Ein japanischer Fernmeldesatellit wurde von dem vermutlich stärksten Sonnensturm seit 30 Jahren getroffen und zeitweise abgeschaltet, die Deutsche Flugsicherung (DFS) meldete Störungen im Luftverkehr.

Kohl sprach von einer konkreten Bedrohung, die sogar die Bekämpfung der verheerenden Waldbrände in Kalifornien beeinträchtigen könne. Die Explosion von Gas und der Ausstoss von Partikeln aus der Korona, der äussersten Schicht der Sonnenatmosphäre, ist für Menschen nicht gefährlich. Doch die Partikelwolke, die nach japanischen Angaben 13 mal so gross wie die Erde ist, kann Satellitenkommunikation, Fernsehübertragungen, GPS-Navigation, die Kontrolle von Ölleitungen und auch den Fluss von Elektrizität in Stromleitungen stören und unterbrechen.

Eine erste Eruption wurde nach Kohls Angaben in der vergangenen Woche registriert. Die Partikelwolke daraus habe die Erde «mit nur einem einzigen Schlag» getroffen, sagte der Experte des Harvard-Smithsonian-Zentrums für Astrophysik. Am Dienstag sei gegen 12.00 Uhr MEZ dann die grösste Eruption seit 30 Jahren beobachtet worden. Die riesige Partikelwolke bewege sich mit einer Geschwindigkeit von 1,6 Millionen Kilometern in der Stunde auf die Erde zu. Sie werde möglicherweise einen der schwersten geomagnetischen Stürme auf der der Erde entfachen, der 24 Stunden andauern könne. Neben den Fernmeldesatelliten könnten auch hochfrequente Funkfrequenzen ausgeschaltet werden. Das würde Lösch- und Rettungseinsätze weiter beeinträchtigen.

Die DFS teilte mit, seit Sonntag sei ein sehr starkes Solarrauschen zu beobachten, das auch ihre Radar- und Sprechfunkanlagen beeinträchtige. 1999 sei ein ähnlicher Fall beobachtet worden.

Obwohl die Sicherheit bislang nicht eingeschränkt worden sei, habe die DFS auf die Störungen mit Verkehrsflussregelungen reagiert, da mit einer weiteren Zunahme des Phänomens zu rechnen sei. Demnach wird die Anzahl der Flüge auf eine Menge begrenzt, die sicher durch den Luftraum geführt werden kann. Aus diesem Grund weist die DFS vorsorglich darauf hin, dass es in den nächsten Tagen zu Verspätungen im Luftverkehr kommen kann.

Der japanische Satellit «Kodema» wurde von Partikeln getroffen und vorsorglich vorübergehend abgeschaltet, teilte die japanische Weltraumbehörde mit. Nach dem Sonnensturm solle er reaktiviert werden. (dapd)

Deine Meinung