Sonnenuntergang - doch der Krieg geht weiter
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Sonnenuntergang - doch der Krieg geht weiter

Kein ruhiger Feierabend für die leidgeprüfte Bevölkerung im Kriegsgebiet: Bei einem israelischen Angriff auf südliche Vororte sind am Montagabend mindestens fünf Menschen getötet worden. Am Sonntagabend war die israelische Stadt Haifa unter Beschuss der Hisbollahs.

Lokale Fernsehsender zeigten Bilder von Helfern, die versuchten, Überlebende aus den Trümmern eines im Vorort Tschiah zerstörten Hauses zu bergen. Über die Art des Angriffs gab es zunächst unterschiedliche Informationen. Aus libanesischen Sicherheitskreisen verlautete, Kriegsschiffe hätten vor der Mittelmeerküste Granaten auf die Vororte Beiruts abgefeuert. In anderen Berichten war von einem Luftangriff die Rede.

Die israelische Regierung hat die Streitkräfte zu einer Ausweitung der Offensive gegen Raketenstellungen der Hisbollah im Libanon angewiesen. «Wir sind in einer der entscheidendsten Phasen dieses Krieges», sagte Verteidigungsminister Amir Perez am Montag vor einem Parlamentsausschuss. Die diplomatischen Bemühungen, die Krise zu lösen, hielten Israel nicht zurück: «Beide Wege verlaufen parallel.»

Erst am Morgen hatte die israelische Regierung ihre Luftangriffe auf den Libanon ausweitet und so auf die jüngsten Raketenangriffe der Hisbollah reagiert. Zu Beginn einer Sondersitzung der Aussenminister der Arabischen Liga in Beirut berichtete Ministerpräsident Fuad Siniora von einem israelischen Luftangriff auf das libanesische Grenzdorf Hura und sprach unter Tränen von einem Massaker, das mehr als 40 Menschen das Leben gekostet habe. Später korrigierte er seine Angaben und erklärte, ein Mensch sei getötet worden. Die israelischen Angriffe hätten das Land um Jahrzehnte zurückgeworfen, sagte er. «Wenn diese schrecklichen Taten kein Staatsterrorismus sind, was ist Staatsterrorismus dann?», fragte er.

Die Aussenminister der Liga beschlossen die Entsendung einer Delegation an die UN, um die Interessen Libanons im Sicherheitsrat zu vertreten. Zugleich warnten sie den Rat vor Konsequenzen, sollte er Resolutionen verabschieden, die nicht im Interesse Libanons liegen. Siniora schlug nach Angaben eines Beraters die beschleunigte Stationierung libanesischer Truppen im Süden des Landes vor, um ein Ende der Kämpfe zu erreichen. Dazu müssten aber die israelischen Truppen aus dem Land abziehen.

Örtliche Fernsehsender berichteten von 65 Überlebenden in Hula, darunter 35 Kindern. Aus Sicherheitskreisen verlautete, rund 30 Menschen seien verschüttet, viele davon lebten. Nach Augenzeugenberichten wurden fünf mehrgeschossige Wohnhäuser zerstört. Die israelischen Streitkräfte teilten mit, sie prüften den Vorfall in Hula. Sie wiederholten, die Menschen im Südlibanon seien zum Verlassen der Region aufgefordert worden. In Hula lieferten sich Hisbollah-Kämpfer und israelische Bodentruppen in den vergangenen Tagen immer wieder heftige Gefechte.

Ziele weiterer Luftangriffe waren die südlichen Vororte von Beirut sowie die südlichen und östlichen Regionen des Landes. Dabei kamen mindestens 28 weitere Menschen ums Leben. In der südlibanesischen Ortschaft Kana zerstörte die israelische Luftwaffe nach Militärangaben genau die Raketenwerfer, die für die jüngsten Hisbollah-Angriffe auf Haifa genutzt wurden.

Bei Luftangriffen auf Mehrfamilienhäuser in Tyrus wurden nach Angaben von Augenzeugen und Rettungshelfern mindestens fünf Menschen getötet. Die Retter wurden beschossen, als sie die Leichen bergen wollten. Kampfflugzeuge drangen auch wieder bis ins Bekaa-Tal vor, rund 100 Kilometer nördlich der israelisch-libanesischen Grenze. Die Bomben dort machten mehrere Strassen unpassierbar. Hilfsorganisationen erklärten, Lieferungen in Dörfer im Südlibanon seien für sie zu gefährlich geworden. Man sei sehr besorgt, da die Menschen in der Region auf Hilfe angewiesen seien, erklärte das Rote Kreuz.

Die Hisbollah feuerte am Montagmorgen erneut 83 Raketen auf den Norden Israels ab. Mindestens fünf Israelis wurden nach Angaben von Rettungskräften verletzt.

(dapd)

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